SBB-Fahrplan

21. Mai 2017 14:42; Akt: 21.05.2017 14:42 Print

Mehr Ersatzbusse, aber weniger Züge am Abend

von Stefan Ehrbar - Die SBB verspricht Besserung: Bei Zugausfällen wird es mehr Ersatzbusse geben. Am Abend fahren dafür weniger Züge. Die Betroffenen wehren sich.

Olivier Knuchel, Leiter Planung National bei der SBB, erklärt den Fahrplan 2018 (mit «Sommer» ist Sommer 2018 gemeint).
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Letzten Mittwoch in Schlieren: Ein Zug reisst die Fahrleitung herunter. Der Bahnverkehr kommt zum Erliegen. Ersatzbusse gibt es nicht. Auf die Schnelle kann die SBB keine organisieren – am Feierabend sind sie alle bereits im Einsatz.

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Solche Szenen will die SBB in Zukunft verhindern. Dafür nimmt sie Geld in die Hand. Bis Mitte Juli können sich Busunternehmen bewerben. Sie müssen ein Konzept ausarbeiten, wie sie auf den jeweiligen Strecken im ganzen Land bei einer Störung reagieren wollen.

Schluss mit Improvisieren

Das heisst, dass die Betriebe genügend Busse auf der Seite haben müssten. «Wir bezahlen den Unternehmen Geld, dafür erwarten wir, dass Busse für uns verfügbar sind, wenn etwas passiert», sagt SBB-Infrastrukturchef Philippe Gauderon zu 20 Minuten.

Noch improvisiert die SBB. In den ersten Stunden einer Störung muss sie spontan Busse organisieren. Im schlimmsten Fall gibt es keinen Bahnersatz, weil keine Busse frei sind.

Ausbau hier, Abbau da

Mit dem neuen Konzept sollen solche Fälle der Vergangenheit angehören, wie Gauderon sagt. Die SBB komme damit aber auch den Anforderungen des Beschaffungsrechts nach.

Doch während das Angebot bei Störungen besser werden soll, baut die SBB mit dem neuen Fahrplan ab Dezember in den Randstunden ab.

Langsam oder Umsteigen

Ab Ende Jahr streicht sie abends von Sonntag bis Donnerstag die direkten Intercity-Züge von Zürich nach Basel und umgekehrt. Bereits der Zug um 21.34 Uhr von Zürich nach Basel fährt nicht mehr. Passagiere müssen in Olten umsteigen – oder einen langsamen Zug nehmen, der häufig hält.

Das ist nur der Anfang. Wenn die SBB gute Erfahrungen mit dem Konzept mache, sei es nicht ausgeschlossen, dass abends auch auf anderen Linien schnelle Direktzüge gestrichen werden, sagt Olivier Knuchel, Planungschef bei der SBB (siehe Video). Mit dem neuen Konzept wolle die SBB die Auslastung verbessern und einen positiven Einfluss auf die Billettpreise nehmen.

Gegen den Gesellschaftstrend

Damit macht sich die Bahn keine Freunde. «Der Kanton Basel-Stadt ist besorgt über solche Entwicklungen», sagt Nicole Stocker vom Bau- und Verkehrsdepartement. «Sie laufen den gesellschaftlichen Entwicklungen der zunehmend mobilen und nachts aktiven Gesellschaft zuwider.»

Der Kanton habe Verständnis für Angebotsreduktionen, wenn sie durch Baustellen bedingt seien. Sie müssten aber zeitlich beschränkt sein.

«Wollen nicht benachteiligt werden»

Basel-Stadt sei mit der SBB in Kontakt und setze sich für verträgliche Lösungen ein. «Wir sind keinesfalls bereit, einen schleichenden Angebotsabbau hinzunehmen oder gegenüber anderen Regionen benachteiligt zu werden», sagt Stocker.

Beim Zürcher Verkehrsverbund heisst es, man befinde sich noch in der Meinungsfindung zum neuen Fahrplan. Das Thema werde aber sicher noch diskutiert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uhu am 21.05.2017 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachtwandler

    Weniger Züge am Abend ist völlig gegen den Trend. Die Leute gehen an Versnstaltungen mit der Gewissheit das sie Abends noch nach Hause kommen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, ab ins Auto!

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  • Davide am 21.05.2017 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich eine sinnvolle Massnahme!

    Bin Basler und wohne in zh, habe mich schon lang gewundert wieso am Abend immernoch soviele Direktzüge fahren. Dieser Luxus für Exoten wie mich brauchts nicht! Wegen 10min länger fahren, Hauptsache mann kommt noch nach Hause!

  • Max König am 21.05.2017 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    In den Randstunden Züge anzubieten, welche immer noch direkt verkehren, etwas mehr halten und dafür ein Bisschen länger brauchen, finde ich eigentlich durchaus in Ordnung. Es profitieren auch Zusteiger der Zwischenhalte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ferdinand am 22.05.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ersatzbusse / Zugersatz

    Das kennen wir in den Pampas nur vom hören sagen!! Wenn du am selben Tag noch nach Haus kommen möchtest, dann musst du das schon selbst organisieren und zahlen!!

  • Gusti am 22.05.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    2-3 Minuten Verspätung!

    das ich nicht lache!! nach dem Umsteigen sind es dann schon 30 Min oder gar eine Stunde, weil der Anschlusszug nicht wartet. Pech für die, die den Letzen verpassen....

  • R. G. am 22.05.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Besser langsam und pünktlich

    Gestern bin ich mit dem Dampf-Interregio von Brugg AG nach Olten um 18.15 in 3 Klasse gefahren. In Olten war ich 4 Minuten vorzeitig!!! Besser langsam, pünktlich und alle Anschlusse schaffen anstatt schnell, verspätet und alle Anschlusse weg... oder nicht?

  • Fabi am 22.05.2017 02:38 Report Diesen Beitrag melden

    Für dumm verkauft

    Wenn man bei der SBB arbeiten ist es etwa ähnlich wie beim Zug fahren, schlechterer Lohn (als andere Bahnen) oder eben man steigt um (wechselt die Bahn). Ob unser Staat schon begriffen hat, was bei der SBB seit der Liberalisierung abgeht oder ob hier extra nichts gemacht wird (man schaut unter den Gut-verdienenden zu einander)?! Wahrheit ist, es brodelt, nur die Angestellten machen nichts, denn bis jetzt hat man auf Fairness gebaut und nie was anderes erlebt und jetzt? Streiken darf man nicht, auch nicht wenn man nur noch für dumm verkauft wird!?

  • yvonne am 21.05.2017 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gleis7

    frechheit! und dann schön busse fahren lassen, aber das gl7 giltet nicht im bus !

    • Spyy83 am 22.05.2017 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @yvonne

      wenn wegen bauarbeiten eine zugstrecke gesperrt wird und dann bahnersatz gefahren wird, gelten auf den bahnersatzbussen die gleichen tarife wie im zug. ist aber die bus linie ein eigenes angebot des busunternehmens, entscheiden die selbst, ob sie das gleis7 akzeptieren wollen oder nicht. was aber viele nicht tun, da es finanziell ein minusgeschäft ist.

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