«Eis go zieh mit ...»

01. Januar 2015 23:04; Akt: 05.01.2015 09:33 Print

«Mit der SVP kann ich nichts mehr anfangen»

von Th. Bigliel - Während andere Politiker vor allem durch ihr loses Mundwerk auffallen, arbeitet BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti still im Hintergrund. Wer ist die Hinterbänklerin?

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Trinkt am liebsten Cola: BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti (Bild: 20 Minuten)

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Bei Rosmarie Quadranti durchzudringen, ist nicht einfach. Die 57-Jährige gilt als ruhige, unaufgeregte Politikerin. Für das Treffen schlägt die BDP-Nationalrätin das Bundeshaus-Café vor. Nebenan im Nationalrat diskutiert man über den Antrag eines FDP-Politikers. Es ist das letzte Geschäft, das die Volksvertreter diesen Donnerstag noch behandeln müssen. Und obwohl sich die Politiker an den umstehenden Tischen bereits ein Feierabendbier gönnen, bestellt Quadranti sich eine Cola. Ein Bier komme nicht infrage. «Doch sicher nicht während der Arbeitszeit», sagt die BDP-Frau streng. Auch sonst ist die Zürcherin sehr korrekt. Während ihre Parlamentskollegen es mit der Anwesenheit manchmal nicht so genau nehmen, drückt Quadranti ihren Abstimmungsknopf praktisch immer.

Dass die korrekte, aber doch stille Quadranti von 1988 bis 2009 für die laute SVP politisierte, erstaunt. Auf ihre politische Herkunft angesprochen, verdunkelt sich die Miene der Politikerin: «Mit dieser Partei kann ich überhaupt nichts mehr anfangen.» Der SVP sei sie in den 80ern wegen ihres Vaters beigetreten. «Damals war die Partei aber auch nicht derart rechts aussen.» Die BDP gab es damals noch nicht. «Und für eine FDP hat mir schlicht das Geld nicht gereicht», scherzt Quadranti. Man merkt: Der Frau geht es um die Sache. Parteipolitik scheint der Pragmatikerin lästig. Ein Mittel zum Zweck.

«Wenn ich abgewählt werde, ist das eben so»

«Ich politisiere, weil ich etwas bewegen will», sagt sie. Was sich abgedroschen und vielleicht sogar ein wenig naiv anhört, ist was die Zürcherin von den anderen Politikern abhebt. Quadranti macht, was sie denkt. Doch gerade ihre Bescheidenheit ist das, worüber die Volketswilerin stolpern könnte. Im Kanton Zürich ist die Nationalrätin weitestgehend unbekannt. Ob sie das nicht ändern möchte? «Weshalb?», kontert Quadranti spitz. «Ich will mich nicht verbiegen. Wenn ich abgewählt werde, weil ich nicht genügend laut schreie, ist das eben so.»

Gut, so einfach wird es also auch heute nicht, hinter die Fassade der bürgerlichen Politikerin zu blicken. Mehr, als dass sie durch ihren Vater zur Politik gekommen war, ist über ihre politischen Ursprünge nicht zu erfahren. «Jesses! Das ist doch schon hundert Jahre her.» Eigentlich wäre sie als Teenager gerne Greenpeace-Aktivistin geworden, erinnert sie sich schliesslich. Allerdings sei sie nie auf die Strasse gegangen. «Dazu brauchte man Mut, und den hatte ich damals nicht.»

Quadranti wägt jedes Wort ab. Woher ihr Name komme? Die 57-Jährige schaut sich um und antwortet einsilbig: «Der ist von meinem Mann.» Selbst der Vorwurf, eine Langweilerin zu sein, lockt die Zürcherin nicht aus der Defensive: «Ja, ist das denn politisch ein Nachteil?»

«Das macht mich sauhässig!»

Ein Gong ertönt. Das Zeichen, dass eine Abstimmung ansteht. Quadranti entschuldigt sich und hastet aus dem Bundeshaus-Café. Kurze Zeit später taucht sie wieder auf und entschuldigt sich: «Sorry, das ist mir wichtig.» Plötzlich ist Quadranti wie ausgewechselt: «Wissen Sie, was mich aufregt? Leute, die sich nicht engagieren!» Nun redet sich die sonst ruhige Politikerin richtiggehend in Rage: «Wenn ich dann noch mit solchen Leuten zusammenarbeiten muss, macht mich das sauhässig!» Die Präsidentin des Kinderdorf Pestalozzi ist an vielen Fronten aktiv. Selbst im Zivilschutz war die umtriebige Politikerin. Freiwillig, wie Quadranti stolz betont. «Ich konnte einfach nicht zusehen, wie die Männer ‹Erste Hilfe› geleistet haben», erzählt Quadranti lachend.

Dass die Stimmung plötzlich gelöst ist, scheint auch an der letzten Abstimmung zu liegen. Die pflichtbewusste Quadranti ist nun im Feierabend-Modus und erzählt freimütig von ihrem Werdegang. So habe sie zweimal die Gymi-Prüfung verhauen. «Dann habe ich eine KV-Lehre gemacht und bin damit sehr glücklich geworden.» Der politische Werdegang der Leisetreterin verlief danach wie aus dem Bilderbuch. 1988 Mitglied in der Kindergartenkommission, danach Schulpflegerin und 2011 schliesslich Nationalrätin für die BDP. Die Wahl ins Parlament sei für sie ein Highlight gewesen. «Ich dachte, das klappt nie und war deshalb völlig überrascht», so die Politikerin aus Volketswil. Apropos Volketswil: Wenn man die bescheidenste Politikerin der Schweiz einmal treffen möchte, dann in der örtlichen Dorfbeiz. Aber nur auf eine Cola.