Vorstoss

22. Dezember 2015 05:49; Akt: 22.12.2015 06:36 Print

Reimann will SBB Preis-Erhöhungen verbieten

von B. Zanni - Lukas Reimann (SVP) fordert, dass die SBB bei Tickets und Abos sechs Jahre lang nicht mehr aufschlagen dürfen. Die Bahn missbrauche ihre Macht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fast jährlich sorgen teurere Billette bei den Pendlern für rote Köpfe. Im Dezember 2011 schlugen die Preise im Schnitt um 5,2 Prozent auf. Ende 2012 stiegen sie erneut – um 5,6 Prozent. 2014 folgten 2,3 Prozent. Dieses Jahr verschonen die SBB die Pendler. SVP-Nationalrat Lukas Reimann hat trotzdem die Nase voll. In einem Vorstoss beauftragt er den Bundesrat, den SBB in den nächsten sechs Jahren Erhöhungen der Billett- und Abo-Preise für Bahnfahrten zu untersagen.

Umfrage
Würden Sie den Vorstoss, den SBB Preiserhöhungen bei Tickets zu verbieten, unterstützen?
75 %
22 %
3 %
Insgesamt 4836 Teilnehmer

«Die Pendler werden mit den teils abgeschafften Pendler-Steuerabzügen schon genug bestraft», sagt Reimann. Er wirft den SBB Monopolpreise vor. «Als staatliches Monopolunternehmen missbrauchen sie ihre Macht.» An den Leistungen übt er scharfe Kritik. «Die SBB waren laut dem Bericht zur Leistungsvereinbarung zu störungsanfällig und liessen die Passagiere zu oft auf Busse umsteigen.» Dass die SBB die steigenden Material- und Instandhaltungskosten «auf den Kunden abwälzen», sei «inakzeptabel».

«Die Grenzen sind erreicht»

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüsst den Vorstoss. In den letzten 30 Jahren seien die Preise um 30 Prozent gestiegen, sagt Präsident Kurt Schreiber. «Das Tarifniveau hat die oberste Grenze erreicht.» Bei einigen Angeboten müsse er sich persönlich fragen: «Braucht es das und kann es sich die Bahn leisten?»Die SBB sollten etwa kritisch hinterfragen, ob es sinnvoll sei, stets neue und noch schnellere Verbindungen zu bauen.

Verkehrspolitiker schliessen sich nicht an. CVP-Nationalrat Martin Candinas bezeichnet den Vorstoss als «populistisch». Erhöhte Ticketpreise seien richtig. «Wir können nicht immer mehr Mobilität wollen und dafür nicht zahlen.» Zudem habe das Volk 2014 für eine stärkere Beteiligung der Nutzer an die Bahnkosten gestimmt. Auch SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher ist dagegen. «Die SBB setzen immer alles daran, die Kosten tief zu halten und gute Qualität zu erbringen.» Sie räumt ein, Verständnis für verärgerte Pendler zu haben: «Jeder hat einmal einen unpünktlichen Zug erlebt.» Preisanpassungen seien aber nicht unvermeidbar. «Das ganze Erfolgssystem Öffentlicher Verkehr wegen einzelner Erlebnisse infrage zu stellen, wäre falsch.»

Branche kann kosten nicht allein tragen

Die SBB nehmen keine Stellung. Preiserhöhungen würden von der gesamten ÖV-Branche beschlossen, heisst es. Roger Baumann, Sprecher des Verbands Öffentlicher Verkehr (VÖV), sagt: «Wir machen uns auch Sorgen, dass die Kosten für den ÖV teils politisch gewollt erhöht werden, während der Individualverkehr immer günstiger wird.» Zum Vorstoss äussert sich der Verband nicht.

Auf Ende 2016 erhöht der Bund die Trassenpreise, was laut VÖV ab 2017 wahrscheinlich zu rund drei Prozent höheren Billettpreisen führt. «Die Branche kann diese Kosten allein nicht tragen», sagt Baumann.

«Steuerzahler zur Kasse bitten»

Welche Konsequenzen drohten, wären Aufschläge bei Tickets tabu? Wegen der hohen Verkehrsbelastung nähmen die Unterhaltskosten stark zu, sagt Graf-Litscher. «Müssen die SBB noch mehr sparen, besteht die Gefahr, es auf dem Buckel des Personals auszutragen.» Candinas befürchtet: «In ländlichen Regionen würden Bahnlinien reduziert oder aufgehoben.»

Auch werden aber Stimmen laut, die eine andere Finanzierung ins Auge fassen. Kurt Schreiber fordert höhere Steuern. «Für die Bauern öffnet der Bund auch immer freudig das Portemonnaie.» Und Lukas Reimann argumentiert: «Liberalisierte Eisenbahnunternehmen beweisen, dass vernünftige Bahnpreise selbst ohne staatliche Unterstützung möglich wären.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bärner am 22.12.2015 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so.

    Auch bei den Krankenkassenprämien währe ein solches Vorgehen längst fällig.

    einklappen einklappen
  • Andre Baeriswyl am 22.12.2015 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesiges Sparpotential bei Mitarbeitern

    Die SBB beschäftigen viel zu viele Leute und das treibt die Kosten ins unermessliche. Ich habe mal für zwei Jahre am Hauptsitz in der Informatik gearbeitet und habe da erlebt was abgeht. Stabsstellen noch und noch von denen keiner so richtig versteht was sie tun und was ihre Aufgabe ist. Es kam mir vor wie eine RAV Beschäftigungsmassnahme für arbeitslose Bürogummis und Akademiker. Es müssen Hunderte sein die hohe Löhne beziehen aber nichts beitragen. Die Bürokratie überbordet alles und jeden, was auch der Grund meines Abschieds war.

    einklappen einklappen
  • oli am 22.12.2015 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    expensive

    würde man bei den managerlöhnen endlich mal eine realitätsnahe obergrenze einführen, wären viele produkte und dienstleistungen günstiger....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 23.12.2015 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    SVP sollte NEIN zu 2.Gotthardröhre geben

    Ohne Tunnel-Benutzer-Gebühr darf die 2. Gotthardröhre nicht zur Abstimmung kommen. Die Finanz- und Wirtschafts-Krise lassen grüssen.

    • Roi am 23.12.2015 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gerecht

      Dann müssen alle Fahrradfahrer eine Steuer auf die Radwegbenützung zahlen, ist ja auch logisch.

    einklappen einklappen
  • Uli am 23.12.2015 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze für 100 Jahre....

    Nur 1:1 mit der Krankenkasse. SBB schlägt nicht mehr auf und die Krankenkasse schlägt nicht mehr auf. Sollte bei beiden Unternehmen ein Defizit entstehen wird es aus der SVP Parteikasse bezahlt mit höheren Beiträgen.

    • kk am 23.12.2015 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uli

      Dauernd erhöht die SBB die Fahrtpreise aber die Leistung nimmt ab. Dass z.B. die BLS dauernd grosse Probleme meldet mit ihrem Rollmaterial hat wird verschwiegen. Frage ist nur, wo wird in die Infrastruktur investiert - sicher nicht in die SVP Parteikasse! Dass die SP den Sündenbock in der SVP sucht ist doch klar.

    einklappen einklappen
  • Daniel Münger am 22.12.2015 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die SBB Immobilien müssen

    gezwungen werden, die Gewinne der SBB aus dem letzten Jahrhundert wieder zurückzugeben. Liebe Schweizer Bürger. Ihr habt nicht nur neues Rollmaterial längst bezahlt, sondern werdet für dieses, von den SBB Immobilien investierte Geld, überall durch überhöhte Mietpreise zusätzlich abgezockt! Wacht endlich auf und stoppt diese Schindluderei der linksmittigen ReGIERung!!!

  • Kritiker am 22.12.2015 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    "Preisanpassungen .. nicht unvermeidbar"

    Genau das meinen wir doch auch. Gemäss den Regeln der Logik heisst das in einfaches Deutsch übersetzt: "Preisanpassungen sind ... vermeidbar". Danke.

  • verena Schätter am 22.12.2015 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfui

    Bei den SBB werden Mitarbeiter, die SVP - Nah sind, mit einer schlechten Personalbeurteilung qualifiziert, obwohl diese Mitarbeiter bei Ausnahmesituationen Höchstleistungen zeigten.

    • ex.SBB-ler am 22.12.2015 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @verena Schätter

      Das habe ich selbst erlebt. Sogar das fernbleiben von freiwilligen Weihnachtsessen wurde kritisiert, Gruppenleiter wurden deswegen bestraft und zurückgestuft.

    • Steven am 22.12.2015 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ex.SBB-ler

      Genau so gut kann man behaupten, dass dies SP nahen Leuten bei Banken, Beratungsfirmen etc passiert ist. Wird wohl überall immer wieder vorkommen. Darum irgendwie gar nicht der Rede wert.

    einklappen einklappen