Neuste Studie

13. April 2010 15:29; Akt: 13.04.2010 16:11 Print

In den Schulen herrscht Dicke-Alarm

von Fabienne Riklin - Die Schüler in den Städten Basel, Bern und Zürich sind unverändert dick. Hoffnung stecken Schulärzte in die Kindergärtler - und eine Vollkorn-Diät.

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«In gewissen Altersgruppen sind die Ausländer doppelt so häufig von Übergewicht betroffen wie Schweizer», sagt Thomas Steffen, Facharzt für für Prävention und Gesundheit in Basel Stadt. (Bild: Keystone)

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Jedes fünfte Kind in den Städten Basel, Bern und Zürich ist übergewichtig. Knapp fünf Prozent sind sogar fettleibig. Die Zahlen sind seit Jahren auf unverändert hohem Niveau. Dies zeigen neueste Auswertungen der schulärztlichen Dienste der drei Städte, die im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz seit vier Jahren vergleichend ausgewertet werden. «Ein Fünftel übergewichtiger Kinder ist gravierend», sagt Günter Ackermann, Leiter des Monitorigs von der Gesundheitsförderung Schweiz.

Erste Erfolge der Äpfel- und Vollkornbrötli-Znüni zeigen sich aber bei den Kindergärtlern: Dort gibt es immer weniger Übergewichtige. «Ob es sich um einen klaren Trend handelt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen», sagt Ackermann. Immerhin scheint der Anteil übergewichtiger Kinder auf allen Stufen gegenwärtig nicht mehr dramatisch anzusteigen.

Basler Kinder sehr unterschiedlich dick

Das Problem Übergewicht ist aber vor allem in Basel nicht wegzureden. Während in den Basler Kindergärten weniger Kinder übergewichtig sind als in Bern und Zürich, sind Baslers Schüler im Vergleich besonders dick. «Bei den Kindergärtlern sind wir am längsten und flächendeckend mit Präventionsaktionen aktiv. So haben wir in allen Kindergärten den 'gesunden Znüni' eingeführt und auf das Bewegungsförderungskonzept 'Burzelbaum' umgestellt», sagt Thomas Steffen, Facharzt für Prävention und Gesundheit in Basel Stadt.

Trotzdem ist die Situation bei den älteren Kindern alarmierend. Sind bei Kindergärtlern «nur» rund 12 Prozent übergewichtig, sind es bei den Unter-/Mittelstufenschülern 23 Prozent und bei den Oberstufenschülern bis zu 26 Prozent – also schon fast jeder Dritte. Buben sind etwas mehr betroffen als Mädchen. «In den höheren Schulstufen ist die Förderung der gesunden Ernährung und Bewegung noch im Aufbau, aber wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem ähnlichen Rückgangstrend», sagt Steffen

Dabei fällt auf: Dicke Kinder kommen zu einem grossen Teil aus Familien mit Migrationshintergrund. «In gewissen Altersgruppen sind die Ausländer doppelt so häufig von Übergewicht betroffen wie Schweizer», sagt Steffen. Die gesunde Ernährung habe in armen Familien oft wegen dringender Probleme keinen grossen Stellenwert. «Zudem sind in diesen Gruppen die «westlichen Errungenschaften» wie Fastfood und Softdrinks ausserordentlich beliebt», sagt Steffen. Ebenfalls wohnen ärmere Familien oft in Siedlungen, die den Kindern wenig Platz zum Spielen und Bewegen an der frischen Luft lassen.

Berner Kinder haben weniger auf den Rippen als Zürcher und Basler

Am besten schneidet im Ranking der Städte Bern ab. Dort sind rund 13 Prozent der Kinder übergewichtig und vier Prozent fettleibig. In Zürich dagegen sind es ähnlich viele wie in Basel: 15 Prozent sind übergewichtig, fünf Prozent fettleibig.

Von den drei untersuchten Städten auf vergleichbare Entwicklungen in anderen Landesteilen zu schliessen ist nicht möglich. «Erste Resultate aus den Kantonen Graubünden, Jura, Wallis und Genf deuten darauf hin, dass das Problem zwar in ländlichen Regionen ebenfalls existiert, dort aber ein geringerer Anteil von Kindern betroffen ist», sagt Ackermann.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bina Müller am 14.04.2010 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    ich sehe das nicht so

    ich sehe meist nur schlanke Kinder und vor allem sehr schlanke junge Mädchen. Auf 10 Mädchen kommt vielleicht höchstens 1 etwas dickere. Ich denke, der Magerwahn fördert man mit solchen Massnahmen nur.

  • thomas.fisler am 13.04.2010 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    ursache ...

    ist nicht mc und co, sondern der generelle umgang mit lebensmitteln. auch wenn mc geschlossen würden, wäre das problem nicht gelöst, die kids würden andernorts (ZUHAUSE) weiterhin fehlernährt. das bewusstsein der kids anzusprechen ist das eine - die eltern in die pflicht zu nehmen das andere, EBENSO nötige.

  • Peter Meier am 13.04.2010 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Verlagert die Bonis um

    Gesundes Essen kostet Geld und Zeit bei der Zubereitung.Wenn beide Eltern arbeiten müssen,weil es sonst nicht reicht,dann kommt halt das auf den Tisch das schnell geht.Statt den Herren in der Chefetage Bonis zu geben,könnte man das Geld für eine gesunde Mahlzeit in der Schule ausgeben.So wären alle glücklich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronald McKing am 16.04.2010 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Läuft doch alles nach plan

    Das sind lediglich Nebeneffekte einer gut funktionierenden Wirtschaft. Die Eltern arbeiten viel um über die Runden zu kommen,Fernseher und Computer übernehmen die Erziehung und teuer produzierte Werbung bringt den kleinen bei was sie zu konsumieren haben. Später verdient dann die Pharmabranche auch noch gut an den kranken, inzwischen Erwachsenen.

  • Corinne B. am 16.04.2010 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Eltern sind schuld

    Man kann nicht einfach nur den Eltern die Schuld in die Schule schieben. Bei Kindergartenkindern sind wohl eher die Eltern verantwortlich, aber bei einem Teenager , kann er von zu Hause aus noch so gesund ernährt worden sein, spielen auch andere Faktoren wie Freunde eine Rolle. Interessant zu wissen: Die Städte mit den hächsten Fettleibigkeitsraten sind auch gleichzeitig diejenigen, mit den prozentual am meisten Sozialhilfebezüger. Mit 400.00- 600.00 monatlich für Essen und anderes bleibt leider nicht viel für gesund übrig (mit 4 Kindern). Man tut was man kann.

  • Susanne Reich am 16.04.2010 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    aus Liebe?

    Vielleicht werden manche Kinder "aus Liebe" oder aus schlechtem Gewissen mit Essen "belohnt". Damit tut man diesen Kindern jedoch keinen Gefallen. Das Binge Eating ist wahrscheinlich das Resultat der Erfahrung dass Essen glücklich macht. Dass auch Bewegung und ein gutes Körpergefühl - ganz abgesehen von der Gesundheit, welch wertvolles Gut! - glücklich machen kann, erleben diese Kinder wahrscheinlich nie richtig.

  • Sarah S. am 15.04.2010 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    und ansonsten wünschte ich mir, dass

    Übergewichtige zukünftig nicht mehr - wie so oft - als "faul" und "selbst schuld" betrachtet werden. Weil so viele Faktoren zu Übergewicht führen. Die Gene etwa. Manche nehmen schnell zu, andere nicht. Ich gehöre zu letzteren. Die Dinge, die ich esse (und ich mache fast nie Sport und bewege mich wenig), würden bei anderen zur Gewichtszunahme führen. Bei mir tun sie das nicht. Mein Glück. Andere haben da mehr Pech.Auch nehmen manche Leute einfach langsamer ab. Übergewichtige sind also nicht einfach nur blöd oder faul, undiszipliniert oder selbst schuld und wer sie mobbt hat einfach keine Ahnung

  • Sarah S. am 15.04.2010 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Übergewicht hat viele Ursachen

    falsche Ernährung ist das eine, die Gene spielen auch eine grosse Rolle, des weiteren gibt es eine Essstörung namens Binge Eating Disorder. Man hat herausgefunden, dass das Essen genauso abhängig machen kann wie Nikotin, Heroin und Co. - bei diesen ist die Devise, sie komplett zu meiden, wenn man mal abhängig war. Essen kann man nicht komplett meiden. Dazu kommt, dass es Eltern gibt, die ihren Kleinkindern massenweise Müll auftischen; Zucker ohne Ende. Die ersten Jahre sind sehr prägend in Bezug auf das Essen später. Insofern haben Eltern schon einen ziemlichen EInfluss.