20-Minuten-Jugendumfrage

05. Januar 2017 10:26; Akt: 05.01.2017 10:26 Print

Droht eine Generation Beziehungsunfähiger?

von P. Michel - Viele junge Erwachsene sind nicht bereit für eine feste Beziehung. Dies liegt auch daran, dass sie keine Kompromisse mehr eingehen können.

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Schweizer Jugendliche und junge Erwachsene bekunden Mühe, sich auf eine feste Beziehung einzulassen. In der 20-Minuten-Jugendumfrage zu den Themen Liebe, Beziehung und Sex erklärten 39 Prozent der Befragten, dass es ihnen schwerfalle, sich zu binden. Die Umfrage wurde so gewichtet, damit sie ein möglichst genaues Abbild der Einstellungen von 14 bis 24-Jährigen zeichnet.

Fällt es auch Ihnen schwer, sich zu binden? Erzählen Sie uns, warum.

Paartherapeutin Angela Della Torre sieht einen Grund für die Bindungsunfähigkeit darin, dass die Bereitschaft zu Kompromissen bei den Jungen abgenommen habe. «Wenn der Partner Eingeständnisse einfordert, sagen sie sich viele: Ich komme ja auch alleine über die Runden.»

Da laut Della Torre die meisten Paare im Alter von 14 bis 24 noch nicht zusammenwohnen, ist eine Debatte, die zu Spannungen führt, oft die Frage, bei wem man sich trifft.» Beharre sie etwa darauf, dass er die Zugfahrt von Zürich nach Bern zurücklegt, sie im Gegenzug aber nie nach Zürich kommt, könne das bereits ein Grund sein, die Beziehung zu hinterfragen und möglicherweise abzubrechen, sagt Della Torre.

«Du interessierst dich ja gar nicht für mich!»

Ein weiteres Spannungsfeld, an dem sich leicht Konflikte entzünden können, ist die Freizeitgestaltung. «Verbringt etwa jemand den Samstagnachmittag beim Mountainbiken statt bei der von der Freundin vorgeschlagenen Wanderung, kann es vom Partner schnell heissen: ‹Du interessierst dich ja gar nicht für mich!›», erklärt Della Torre. Meistens summierten sich dann diese kleinen Konflikte auf, bis jemand die Beziehung aufgebe. Della Torre stellt fest: «Statt zu sagen, was einem nicht passt, beenden viele die Beziehung lieber, weil sie keine Konflikte mehr austragen können.»

Della Torre beobachtet dabei den Anfang eines Trends, der sich in Zukunft noch zuspitzen werde: «Es wächst eine Generation heran, die vor allem in kognitiver, nicht aber in emotionaler Kompetenz gefördert wird.» Eltern, welche ihre Kinder zu stark umsorgten, würden zu einer mangelnden Beziehungskompetenz beitragen. «Wer in Watte gepackt aufwächst und dazu die meiste Zeit in einem strukturierten Schulsystem verbringt, wird weniger gewohnt sein zu kämpfen und Niederlagen einzustecken», sagt Della Torre. Die Kompetenz, auch in einer Beziehung um etwas zu ringen, werde dadurch geschmälert.

Junge haben hohe Erwartungen an die grosse Liebe

Psychologin und Psychotherapeutin Corinne Schärer sieht einen weiteren Grund in den gestiegenen Erwartungen: «Um die grosse Liebe zu finden, probieren die Jungen aus und brechen darum eine Beziehung ab, wenn es nicht passt.»

«Der Wunsch nach Perfektion ist ein Resultat der allgemeinen Realitätsverdrängung», erklärt Psychotherapeut Frank Margulies. Nichts sei perfekt, doch der Mensch tue sich schwer, dies anzuerkennen. «Deshalb ist die Partnerwahl auch eine grosse Projektionsfläche für wenigstens einen Bereich im Leben, bei dem immer alles gut und problemfrei bleiben soll», sagt Margulies.

«Es ist normal, dass die Jungen ausprobieren wollen»

Philipp Ramming, Präsident des Verbands für Kinder- und Jugendpsychologie, erstaunt die Bindungsangst hingegen nicht. «Dass dies die 14 bis 24-Jährigen noch nicht festlegen möchten, ist völlig normal: Sie wollen experimentieren und ausprobieren.» Wenn ein 14-Jähriger sage, dass er seine jetzige Freundin heiraten wolle, glaube er ihm das nicht.

Aber auch Ramming erkennt problematische Seiten an der Bindungsangst: Zwar böten die sozialen Medien den Jungen heute mehr Möglichkeiten bei der Partnerwahl als früher. Aber die Selbstdarstellung in den sozialen Medien befeuere völlig unrealistische Vorstellungen der perfekten Beziehung. «Ausprobieren ist für Junge zwar wichtig, aber keine Kompromisse einzugehen und auf den vermeintlich perfekten Partner, den es wohl nicht gibt, zu hoffen, kann problematisch sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T. Storm am 05.01.2017 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fifty fifty

    Generation? Bei einer Scheidungsrate von 50% würde ich sagen, auch unsere Eltern und Grosseltern haben das nicht auf die Reihe bekommen.

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  • Vater eines 14jährigen am 05.01.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Brady Bunch reloaded

    Mein 14jähriger Sohn ist noch immer nicht verheiratet und datet noch nicht mal eine feste Freundin mit den Qualitäten einer P.Darstellerin. Wir sind schon völlig verzweifelt! Wer kann uns helfen?

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  • Patrick Meier 1983 am 05.01.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gesetze sind schuld

    ist ja nicht wunderlich. Die junge Generation bekommt mit, was bei den Erwachsenen läuft und sind wir mal ehrlich, bei der Rechtslage in der Schweiz - vor allem mit dem neuen Gesetz per 01.01.2017, dass Männer bei Nichtehe und einem Kind auch der Frau unterhalt zahlen müssen - rate ich jedem ab, die Finger zu lassen. Russisches Roulette ist ein klax dagegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 06.01.2017 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    ähm die Jungen?

    hab das nochmal gelesen. Die Scheidungsrate bei erwachsenen liegt bei ca 50% - die Jungen geben an, dass 39% beziehungsunfähig sind. Das ist immer noch eine weit bessere Rate als bei uns Erwachsenen! Und ein 14 jähriger hat hoffentlich noch anderes zu tun als sich bereits ein leben lang zu binden!

  • Paula am 06.01.2017 02:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ersetzbar

    Leider gibt es viele Männer die nicht treu sein können oder immer auf der Suche nach einer besseren Frau sind. Ich habe die Erfahrung gemacht das sobald es schwieriger wird oder man nicht perfekt ist schnell durch jemand anderes ersetzt wird. Und man muss als Frau vieles mitbringen und vorallem schön sein. Ich hoffe das ich mal trotzdem jemanden finden werde der mich so akzeptiert wie ich bin und sonst muss es halt nicht sein auch wenn diese Gesellschaft es vorschreibt das es normal wäre verheiratet zu sein und kinder zu bekommen.

    • Son Goku am 06.01.2017 07:49 Report Diesen Beitrag melden

      aber auch...

      Frauen sind nicht besser. Die gehen auch fremd.

    • Schnauz am 06.01.2017 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Eher Umgekehrt

      Ich denke heutzutage, sind eher die Frauen die Fremdgeher. Spreche aus eigener Erfahrung. Zudem im ganzen Freundes und Familienkreis das gleiche. Klar, sind nicht alle so und es gibt sicher auch genug Männer die Fremdgehen. Vermutlich fliegts bei den Frauen weniger oft auf, da diese eher nicht damit herumprahlen wie teils Männer. Das mit dem mitbringen ist auch so ne Sache. Meist bringen die Hübschen aber ausser Ihrem Aussehen nichts mit und sind meits langweilig. Dabei kann ja jede Frau auf Ihre Art und Weise hübsch sein.

    • Didi am 06.01.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      Generation "Schnäppchen Jäger"

      Das hat nichts mit schön zu tun.Meiner hat mich mit seiner Ex betrogen.Ohne angeben zu wollen,aber optisch war sie ein nichts im vergleich zu mir.Männer betrügen wenn sich die Chance ergibt und meistens mit Frauen die sie nicht haben konnten und plötzlich haben können.Wie ein Schnäppchen wo man zugreiffen muss weil das Angebot nicht lange zur Verfügung steht.

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  • Stamun Numic am 06.01.2017 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Westen ist gegen Männer

    Naja vielleicht geht es vielen jungen Männer wie mir. Ich habe als Kind mitbekommen wie meine Mutter das Sorgerecht bekommen hat. Hat sich nur zu gesoffen und der Vater darf alles bezahlen. Und ab 1.1.2017 können die Frauen noch viel einfacher die Männer wie Weihnachtsgänse ausnehmen.

    • Dingo am 06.01.2017 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Kampf des Vaters

      Mein Vater hat ein halbes Jahr gekämpft wie ein Wahnsinniger. Hat Beweise gesammelt, Anträge eingereicht etc. Bis er beweisen konnte, dass meine Mutter uns vernachlässigt, misshandelt und nicht richtig erzieht. Danach bekam er das Sorgerecht und hat uns als alleinerziehender Vater gross gezogen. Klar war es oft schwer, und mit einer Mutter welche keinen Unterhalt bezahlt und einem Vater der Nachtschicht für Nachtschicht so hart arbeitet wie er kann, hat man nicht immer die beste Kindheit gehabt. Aber 100x besser als wären wir bei der Mutter geblieben.

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  • Lauri am 05.01.2017 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die Selbstverwirklichung

    Ich denke in der Schweiz hat man einen so hohen Lebenstandard erreicht, dass es vielen nur noch um die Selbstverwirklichung geht. Jeder will seinen Freiraum und keiner ist bereit sich mal an zweite Stelle zu setzen und für die Beziehung anderswo zurückzustecken. Zudem ist eindeutig etwas schiefgelaufen mit der Emanzipation in diesem Land. Dadurch dass die Frauen mittlerweile den Männern in einigen Bereichen gleichgestellt sind, aber noch längst nicht in allen, fühlen sich die Männer benachteiligt und nicht mehr als Mann.

    • Son Goku am 06.01.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

      nein nein nein

      Es sind die Frauen, die denken sie seien benachteiligt, trotz der Gleichberechtigung, und wollen mehr.

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  • danel am 05.01.2017 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und?

    Ja, das muss nicht schlecht sein. Ewig kann die Menschheit auch nicht wachsen. Die Erde bleibt immer gleich gross. Übrigens die Wirtschaftsbosse sollten das auch mal zur Kenntnis nehmen, von wegen ewiges Wachstum.