Fahrerflucht in Istanbul

06. Februar 2013 14:14; Akt: 11.04.2013 15:27 Print

Schweizer Diplomaten-Gattin haut nach Unfall ab

Die Frau eines Schweizer Konsuls in Istanbul hat mit ihrem Jeep ein Paar auf einem Töff umgefahren und ist danach offenbar geflüchtet. Laut Medienberichten darf sie nicht aus der Türkei ausreisen.

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Nach dem Unfall liegt die angefahrene Frau regungslos am Boden. (Bild: DHA)

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Mit ihrem silbernen Jeep hat A.K.*, die Frau eines Schweizer Konsuls, gestern Mittag in Istanbul ein Motorrad umgefahren. Ein türkisches Ehepaar wurde durch den heftigen Aufprall auf die Strasse geschleudert. Der Mann wurde dabei nur leicht verletzt, musste aber bis zum Eintreffen der Sanität machtlos zusehen, wie seine Frau am Boden liegen blieb. In einem Video, das auf dem türkischen Onlineportal «Ensonhaber» aufgeschaltet ist, meint er unter Tränen: «Sie hat sich etwas gebrochen, passt auf ihren Hals auf und tut ihr nicht weh.»

Von der Unfallverursacherin A.K. aber fehlte jede Spur. Die Frau des Schweizer Konsuls raste nach dem Unfall offenbar davon. Eine Zeugin sagte gegenüber «Ensonhaber»: «Zuerst habe ich gedacht, die Fahrerin hat den Unfall nicht gesehen. Doch dies kann gar nicht sein, sie ist gnadenlos abgehauen. Ich habe noch gerufen, sie soll anhalten. Aber das hat sie nicht getan.» Die Zeugin sagt, sie habe sich gar noch vor das Auto gestellt: «Doch wenn ich nicht ausgewichen wäre, hätte sie auch mich noch umgefahren.»

Aus Panik Fahrerflucht begangen

Innerhalb von kurzer Zeit konnte A.K. von der Polizei ausfindig gemacht werden - dank dem diplomatischen Nummernschild des Wagens. Mit ihrem Anwalt tauchte sie kurze Zeit später auf der Wache auf. Sie sei in Panik geraten, so ihre Begründung für die Fahrerflucht. Auch ihr Mann kam mit den Kindern als Unterstützung auf das Polizeirevier.

Gemäss der türkischen Nachrichtenagentur DHA darf A.K. nicht aus der Türkei ausreisen. Sie müsse sich bis auf Weiteres jeden Freitag auf der Polizeiwache melden und eine Unterschrift abgeben. Dies habe der Staatsanwalt entschieden, bei dem sie heute Morgen antraben musste. Wann sie sich vor dem Richter verantworten müsse, sei noch nicht klar.

Die Motorradfahrerin ist laut türkischen Medien schwerverletzt. Ein Mitarbeiter der Polizeiwache Etiler in Istanbul sagte gegenüber «20 Minuten Online», dass die Frau im Spital liege. Zuvor erklärte ihr Ehemann gegenüber «ntvmsnbc»: «Durch den Aufprall ist meiner Frau der Helm weggeflogen. Es ist nicht klar, ob sie überlebt oder bleibende Schäden davonträgt.»

Wird die Frau bestraft?

Laut dem Luzerner Rechtsanwalt Yetkin Geçer geniesst neben ihrem Ehemann auch A.K. diplomatische Immunität, sie kann sich also frei von Strafverfolgung im Land aufhalten. Im aktuellen Fall muss dies aber nicht heissen, dass sie straflos bleibt. «Die Schweizer Botschaft muss zuerst ihr Einverständnis für die Strafverfolgung geben», so Geçer. Dies scheine wohl der Fall zu sein, da die Frau bereits mit ihrem Anwalt mit der türkischen Polizei kooperiere. Noch sei es zu früh, um abzuschätzen, ob und in welcher Höhe A.K. eine Strafe droht.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass die «Frau eines Mitarbeiters des Generalkonsulats in einen Strassenverkehrsunfall verwickelt» gewesen sei. Man sei in engem Kontakt mit den türkischen Behörden, um die genauen Umstände des Unfalls zu klären. Weitere Informationen will das EDA aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht geben.

*Name der Redaktion bekannt

(sma/alp/fum)