Nach Stromschlag

25. November 2012 23:10; Akt: 26.11.2012 08:37 Print

«Sie konnten Raffi eine Stunde lang nicht bergen»

Raphael A. kletterte leichtsinnig auf einen Bahnwagen, wurde von einem Lichtbogen erfasst und verbrannte vor den Augen seiner Kollegen. «Ich kann nicht verstehen, weshalb er gehen musste», sagt sein guter Freund.

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Dominic Roth (links) zusammen mit seinem Freund Raphael A in Frankfurt.

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«Es sollte eigentlich ein lustiger Abend werden, er endete aber in unbeschreiblich grosser Trauer.» Dominic Roth (19) kann immer noch nicht verstehen, wieso er am Freitagabend seinen guten Freund Raphael A. auf tragische Weise verlor. Der 16-Jährige ging nach Dominics Party in Hunzenschwil AG zum Bahnhof, um per Zug nach Aarau zu fahren und im «Pickwick Pub» weiterzufeiern.

Doch der bis dann fröhliche Abend nimmt eine tragische Wende, als A. auf einen abgestellten Güterwaggon klettert und einen Stromschlag erleidet. Er verbrennt vor den Augen seiner vier Kollegen, die ihn begleiten.

«Ein Freund stürmte in mein Zimmer und sagte, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist», erzählt Roth. Sie seien gleich zum Bahnhof gefahren, die Feuerwehr war bereits vor Ort. «Raffi war auf dem Dach. Sie konnten ihn wegen der noch aktiven Fahrleitung während einer Stunde nicht bergen», so Roth.

«Raffi träumte von einem Rockstar-Leben»

Der 19-jährige kann den Verlust noch immer nicht fassen: «Er war so ein guter Mensch, hatte noch so viele Pläne.» Raffi habe immer von einem Rockstar-Leben geträumt, spielte Gitarre in einer regional erfolgreichen Band.

Roth wird heute in Raffis Klasse die Botschaft von dessen Vater überbringen müssen. «Er sagte mir, ich solle unserer Klasse mitgeben, dass wir Raffi so in Erinnerung behalten sollen, wie er war – ein endlos guter Mensch.» Die Eltern täten ihm besonders leid, Raffi sei ein Einzelkind gewesen. «Wir werden in der Klasse Fotos und Videos von unserer gemeinsamen Zeit sammeln und sie den Eltern übergeben», sagt Roth und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Vorwürfe an die SBB

Schwere Vorwürfe macht er den SBB: «Raffi berührte die Fahrleitung sicher nicht. Er wusste einfach nicht, dass es einen Lichtbogen gibt, wenn man nur schon in die Nähe der Leitung kommt.» Ausserdem stehe auf den viel zu kleinen Warnschildern nur, dass man die Leitungen nicht berühren, aber nicht, dass man ihnen nicht zu nahe kommen dürfe. Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, sagt dazu: «Dieser Vorfall ist sehr tragisch und wir bedauern ihn. Es sollte aber eigentlich jedem klar sein, dass man auf keinen Fall auf Bahnwagen oder Fahrleitungsmasten und in die Nähe einer Fahrleitung gelangen darf. Das ist lebensgefährlich.»

(jsk)

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