«Kulturflatrate»

10. April 2012 07:38; Akt: 10.04.2012 07:38 Print

Grüne stellen Download-Gebühr zur DiskussionGrüne stellen Download-Gebühr zur Diskussion

von Lukas Mäder - Wie sollen Künstler trotz Gratis-Downloads zu Geld kommen? Grüne schlagen eine Abgabe vor. Das passt nicht allen. Einigkeit herrscht einzig darüber, dass der Bundesrat tätig werden muss.

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Die Künstler wollen für ihre Arbeit entschädigt werden, der Bundesrat soll Möglichkeiten dazu aufzeigen.

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Der deutsche Musiker und Autor Sven Regener sorgte Ende März für Schlagzeilen mit seiner wütenden Rede gegen die Gratismentalität bei künstlerischen Werken. In der Schweiz hat der Rapper Gimma nachgedoppelt: «Wir Kulturschaffenden sind hier in der Schweiz die durchs Band gefickten», schreibt er in einem Blogeintrag, in dem er die Piratenpartei angreift. Damit melden sich in einer Debatte die Künstler zu Wort, bei der bis anhin die Klischees von der übermächtigen Musikindustrie und der für Freiheit kämpfenden Internetgemeinschaft gegenüberstanden. Als Urheber der umstrittenen Werke wollen sie angemessen entschädigt werden.

Das Problem hat in der Politik bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden. Der Bundesrat hat Ende November einzig festgestellt, dass bei Gratis-Downloads kein Handlungsbedarf bestehe – und damit Kritik ausgelöst. Die Musik- und Filmproduzenten fordern strengere Gesetze. Einen Mittelweg bringen nun Nationalrat Balthasar GlättliBalthasar
Glättli

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und Ständerat Luc RecordonLuc
Recordon

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, beide von den Grünen, ins Spiel.

Sie fordern in zwei kürzlich eingereichten Postulaten, dass der Bundesrat in einem Bericht neue Formen der Urheberrechtsabgeltung aufzuzeigen – zwischen totalem Download-Verbot und völliger Kostenlosigkeit. Um das laut Recordon schädliche «Räuber und Poli»-Spiel zu beenden, soll die neue Abgabe die Rechte der Künstler respektieren, ohne dabei die Privatsphäre der Internetnutzer zu beschränken.

Provider erheben Abgabe für Künstler

Konkret verlangen die beiden Grünen, eine Pauschalentschädigung zu prüfen. Das auch von Glättli erwähnte Stichwort heisst Kulturflatrate. Dabei erhebt beispielsweise der Internetprovider bei seinen Kunden eine Gebühr abhängig von der Bandbreite oder der effektiven Download-Menge. Verwertungsgesellschaften wie Suisa oder Pro Litteris würden das eingenommene Geld an die Künstler verteilen. Dies geschieht bereits heute mit der Abgabe auf Fotokopien oder auf leere Tonträger.

«Die Kulturflatrate würde den Kulturschaffenden Mittel zur Verfügung stellen, ohne dass in Orwellscher Manier der gesamte Download überwacht werden müsste», sagt Glättli. Kostenloses Raubkopieren ist für ihn keine Lösung. Zwar könnten die Urheber versuchen, mit aller Härte dagegen vorzugehen. Doch der Zürcher Nationalrat bevorzugt eine neuartige Lösung – wobei es für Glättli nicht unbedingt eine Flatrate sein muss. Vielmehr soll der Bundesrat verschiedene Möglichkeiten aufzeigen.

«Ein möglicher Weg»

Offen für neue Modelle zeigt sich Suisseculture, der Verband der Kulturschaffenden. Für Geschäftsführer Hans Läubli ist die Kulturflatrate zumindest ein möglicher Weg. Doch die Mitglieder sind sich nicht einig. Vor zwei Jahren verlief eine Diskussion verschiedener Modelle ergebnislos. Swissculture habe nicht die nötigen Mittel und Kapazitäten, verschiedene Varianten seriös abzuklären, sagt Läubli. Da sei der Bundesrat gefordert.

Eine klare Haltung haben hingegen die Musik- und Filmproduzenten. Für den Verband Audiovision Schweiz ist eine Flatrate «ein völlig untaugliches Instrument», wie Geschäftsführer Roger Chevallaz sagt. «Das bedeutet die Abschaffung des Urheberrechts.» Nicht mehr der Künstler, sondern der Staat entscheide, wer wie viel Geld für sein Werke erhält, so Chevallaz. «Mit einer solchen Abgeltung gäbe es keinen Grund mehr, Werke legal zu kaufen.»

Brief an Gratis-Downloader

Audiovision Schweiz fordert stattdessen das sogenannte Warnhinweis-Modell, auch Graduated Response genannt. Dabei würde der Service Provider dem Kunden einen Brief schicken, dass über seinen Anschluss urheberrechtlich geschützte Werke heruntergeladen würden. «Das könnte beispielsweise zu einem Gespräch der Eltern mit den Kindern führen», sagt Chevallaz. Er will aber nicht so weit gehen wie Frankreich, wo der Provider im Wiederholungsfall den Internetanschluss sperrt.

Zwar sind die inhaltlichen Differenzen gross. Und Suisseculture ärgert sich darüber, dass die Vorstösse von Recordon und Glättli nicht mit ihnen abgesprochen waren. Dennoch unterstützen der Verband der Kulturschaffenden wie auch Audiovision Schweiz die Aufforderung an den Bundesrat, tätig zu werden. Ein Bericht soll Modelle aus anderen Ländern aufzeigen, sagt Chevallaz. Zudem wollen beide Verbände eine umfassende Studie über das wirkliche Ausmass des Gratis-Downloads in der Schweiz. Die vom Bundesrat im November präsentierten Zahlen sind Schätzungen, die auf niederländischen Untersuchung von 2009 beruhen.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich bin der Meinung, dass hier nicht das ganze nun auf den Bundesrat abgewälzt werden soll. Die aktuelle Lösung ist sehr gut da nicht der Konsument massiv mit Konsequenzen rechnen muss und es für die Musikindustrie unangenehm ist. So müssen die handeln aber jetzt das Problem auf die Politik ab zu wälzen ist definitiv nicht die richtige Lösung. Auch eine "Kulturflat" würde für mich bedeuten dass Vater-Staat eine Downloadwebsite (wenns denn schon im Internetanschluss eingerechnet wird) anbieten müsste und dass alle die bisher noch CDs gekauft haben auch anfangen würden Musik runter zu laden. – Raphael Jülich

Ich bezahle dann also für: Die CD, die ich im Laden kaufe, den Rohling auf den ich eine Sicherheitskopie mache, die Festplatte auf der die Mp3 kurzzeitig habe, den Flash-Speicher in meinem Mp3-Player und das Surfen im Netz. Und hier gehe ich davon aus, dass ich ein diese Dinge überhaupt tue. Wenn ich nur frei verfügbare (und damit meine ich legale) Gratismusik besitze, bezahle ich an mindestens vier bis fünf Stellen Leuten Geld, die nichts dafür getan haben... – Andy Wand

Es gibt schon lange innovative Künstler, die es schaffen, trotz Gratis-Downloads Geld zu verdienen. Möglichkeiten gibt es schliesslich genug. Andere Branchen müssen sich auch der Zeit anpassen und sich anstrengen, wenn sich der Markt verändert. – Thomas Peter

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  • Balthasar Glättli am 11.04.2012 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber etwas "ungerecht" als totalitär?

    @DieFeuerlilie Danke zuerst für die Wahl-Unterstützung. Natürlich sind eine Flatrate oder ähnliche Modelle immer "ungerecht". Meine Angst ist, dass "perfekt gerechte" Modelle nur realisiert werden können, wenn man die Online-Aktivitäten umfassend überwacht und registriert. Und das will ich auf jeden Fall noch weniger als eine ungerechte Flatrate. Aber vielleicht gibt es ja bessere Lösungen?!

  • Washy am 10.04.2012 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe "künstler" 

    Wusstet ihr dass das wörtchen kunst von können abstammt und nicht von wollen..?-denn dann hiesse es wullst... Ein Album das als kunstwerk bezeichnet werden kann, dafür zahle ich sehr gerne einen anständigen preis, aber für etwas das selbst ich per computer produzieren kann zahl ich sicher nicht solche wucher preise...

  • Weedy am 10.04.2012 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha

    Und genau ein gimma muss sich dazu äussern. Musikalisch wie ein goldfisch aber es soll millionen in die kasse spühlen.. Seien wir mal ehrlich, was heutzutage veröffentlicht wird kann jeder halbwegs musikalische mitbürger per pc zusammenschnipseln..-und für sowas soll man dann 30.- bezahlen..? Die lieben "künstler" sollten sich mal überlegen wie rasant ihre plattenverkäufe einbrechen wenn man die cds nicht mehr runterladen kann zum probehören.. Ohne gratisdownloads hätte ich die künstler von welchen ich die letzten 30cds gekauft habe gar nicht gekannt....