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Die Attentäter von Olten
01. April 2011 15:37; Akt: 01.04.2011 16:11 Print
Die Bombenspur der Öko-Anarchisten
Der Anschlag von Olten geht auf das Konto italienischer Anarchisten. Schweizer Einrichtungen sind immer wieder Ziel, weil hierzulande drei Verdächtigte inhaftiert sind.

Italienische Carabinieri am 23. Dezember 2010 vor der Schweizer Botschaft, in der eine Briefbombe der anarchistischen Vereinigung FAI explodiert war.
Zum Briefbombenanschlag auf Swissnuclear vom Donnerstag haben sich italienische Anarchisten bekannt. In einem Schreiben, das der Bombe beigelegt war, hat die Informelle Anarchistische Föderation (FAI) die Verantwortung übernommen. Der Anschlag in Olten steht im Zusammenhang mit drei in der Schweiz inhaftierten Anarchisten.
Bildstrecken Paketbombe in OltenBombenanschlag auf Schweizer BotschaftAnschlagserie in Athen Video
«Die Frau ist nur aus Zufall noch am Leben»
Das Bekennerschreiben erwähnt laut der Bundesanwaltschaft die beiden Italiener Costantino R. und Silvia G. sowie den in Italien lebenden Schweizer Luca B., die am 15. April 2010 in Langnau am Albis verhaftet worden waren. In ihrem Auto soll Sprengstoff und ein Bekennerbrief in deutscher Sprache gefunden worden sein. Sie werden verdächtigt, einen Anschlag auf das Nanotechnologie-Labor des Computerkonzerns IBM in Rüschlikon (ZH) geplant zu haben. Die Verhaftung in der Schweiz soll in Zusammenarbeit mit Turiner Antiterrorspezialisten erfolgt sein. Die dortige Staatsanwaltschaft führt gegen die drei ein Strafverfahren wegen Verdachts der Gefährdung durch Sprengstoffe sowie der terroristischen Vereinigung.
Anschläge auf Schweizer Botschaft
Swissnuclear ist nicht das erste Schweizer Ziel der italienischen Öko-Anarchisten. Am 23. Dezember explodierte in der Schweizer Botschaft in Rom ebenfalls eine Briefbombe, die einen Schweizer an der Hand schwer verletzte. Die FAI bekannte sich zum Anschlag. Bereits Anfang Oktober war vor der Botschaft in Rom ein Sprengsatz gefunden worden, der jedoch nicht explodierte. In einem beiliegenden Schreiben wurde die Freilassung von «Costa, Silvia und Billy» gefordert, den drei in der Schweiz inhaftierten Anarchisten.
Italienische Ermittler halten die FAI nicht für eine straff organisierte Organisation, sondern für ein Sammelbecken verschiedener Teilgruppen ohne wirklichen Chef. Im Dezember schätzten sie die Zahl der Mitglieder der Gruppe auf einige Dutzend. Zwischen italienischen, griechischen und schweizerischen Anarchisten besteht nach Geheimdiensterkenntnissen ein ständiger Kontakt. Die Schweizer Botschaft in Athen war im November Ziel eines Anschlags von Anarchisten, der keine Verletzten forderte.
Teil einer koordinierten Aktion war auch der Anschlag auf Swissnuclear am Donnerstag. In einer Kaserne in Italien explodierte gleichentags eine Paketbombe und verletzte einen Soldaten schwer. In Griechenland konnte eine Briefbombe entschärft werden, die an den Direktor eines Hochsicherheitsgefängnisses gerichtet war. Sie soll in Florenz abgeschickt worden sein.
Prodi im Visier
Erstmals wurde die FAI am 21. Dezember 2003 einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Damals explodierten im italienischen Bologna zwei Bomben in Müllcontainern, die unweit des Hauses des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi standen. Sechs Tage später erhielt Prodi ein Paket, das beim Öffnen durch den Politiker in Flammen aufging, ihn aber nicht verletzte.
Darauf gingen mehrere Pakete an Vertreter des Europaparlaments und anderer EU-Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die Polizeiorganisation Europol. In einem beigelegten Traktat wurde unter dem Aktionsnamen «Operation Weihnachtsmann» der Kapitalismus kritisiert und mehr internationale Solidarität eingefordert.
Zwei Jahre abgetaucht
In den folgenden drei Jahren setzte die FAI ihre Anschlagsserie in Italien fort, ohne das es Opfer gab. Ziele waren unter anderem Polizeikommissariate, Carabinieri-Kasernen und Auffangzentren für Einwanderer. Ab Mitte Juni 2006 passierte für mehr als zwei Jahre nichts mehr. Im Dezember 2009 tauchte die FAI mit einem Anschlag gegen eine Universität in Mailand wieder auf. Im März 2010 explodierte ein Paket in einer Postverteilungsstelle in Mailand.
(mdr/sda)



























