Feministisches Manifest

31. August 2017 08:46; Akt: 31.08.2017 08:46 Print

SP-Frauen fordern 25-Stunden-Woche

Für Gleichberechtigung in der Familie wollen die SP-Frauen die Arbeitszeit bei gleichem Lohn massiv reduzieren. Eine Utopie, finden die Arbeitgeber.

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Kinder oder betagte Eltern und Verwandte betreuen – diesen Job übernehmen in der Schweiz oft Frauen oder Pflegeangestellte mit tiefem Lohn. Um die so genannte Care-Arbeit gerechter zu verteilen, fordert Natascha Wey, Präsidentin der SP-Frauen, die Einführung der 25-Stunden-Woche. «Die Privilegierten lagern die Care-Arbeit an die weniger Privilegierten aus. Also an Frauen und Migrantinnen. Darum ist die Care-Frage eine feministische Frage», sagt Wey im Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit».

Wenn jeder nur an drei Tagen arbeiten, aber denselben Lohn wie bisher erhalten würde, könnten sich Männer und Frauen die Betreuung von Familienmitgliedern teilen. Die Forderung nach einer 25-Stunden-Woche ist Teil eines feministisches Manifests, das am Samstag in der SP-Delegiertenversammlung in Bern diskutiert werden soll.

Akademiker-Hausfrauen sollen einspringen

«Seit den 1960er-Jahren hat sich die Produktivität in der Schweiz verdoppelt. Die Arbeitszeiten hingegen sind zum Teil sogar gestiegen», heisst es im Manifest. Die wegfallende Arbeitszeit könne durch Frauen, die momentan zu Hause blieben, kompensiert werden. Laut den Berechnungen der SP-Frauen gilt: Würde jeder 20- bis 65-jährige Mensch in der Schweiz arbeiten, könnte man die in der Schweiz anfallenden 6,5 Milliarden Arbeitsstunden (Zahlen von 2006) in 29 Wochenstunden bewältigen. Seither sei die Produktivität noch einmal gestiegen, eine 25-Stunden-Woche würde also reichen.

Die wegfallenden Stunden würden durch die vielen gut ausgebildeten Frauen kompensiert, die momentan vom Arbeitsmarkt fernbleiben würden. Von diesen Akademiker-Hausfrauen gibt es gemäss Recherchen von 20 Minuten in der Schweiz rund 50'000.

«Würde Wettbewerbsfähigkeit schwächen»

Wie eine solche 25-Stunden-Woche finanziert werden soll, sagt Wey jedoch nicht. Auch Tamara Funiciello brachte bei ihrer Wahl zur Juso-Chefin letztes Jahr die Idee einer 25-Stunden-Woche ins Spiel. Wegen der Entwicklungen hin zu Digitalisierung und Roboterisierung brauche es in Zukunft neue Lösungen, damit jeder und jede eine Arbeit finden könne, so Funiciello

Doch für Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband ist klar: «Die Idee, 3 Tage zu arbeiten und dafür den Lohn vom Arbeitgeber für 5 Tage zu erhalten, lehnen wir ab.» Dieser enorme Kostenschub bei den im internationalen Vergleich bereits sehr hohen Schweizer Löhnen würde die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen massiv schwächen und wäre schlicht nicht tragbar.

Ausserdem sei die Erwerbsquote der Frauen in der Schweiz sehr hoch, viele würden jedoch in kleinen Teilzeitpensen arbeiten. «Aus Gleichstellungsüberlegungen muss eine Erhöhung der Pensen der Frauen – und damit Gleichberechtigung auch in dieser Hinsicht – angestrebt werden, zumal die Frauen immer besser ausgebildet sind.» Die Idee der SP-Frauen, die Pensen zu reduzieren, gehe dagegen in die entgegengesetzte, falsche Richtung.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine Frau am 31.08.2017 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    und ich fordere

    Und ich fordere dass solche SP und Co. Frauen nichts mehr zu fordern haben, denn ihr geht mir extrem auf den Wecker mit euren völlig absurden Dauerforderungen.

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  • Knaller am 31.08.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Träumerverein

    Ich wundere mich einfach, dass die sp trotzdem so viele wähler hat.. wir sollten wirklich mehr in bildung investieren.

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  • markus am 31.08.2017 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    168h

    Es sollte eine 168h Woche für Politiker eingeführt werden. Dann haben Sie genug Zeit, um den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ramona Weder am 03.09.2017 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    naive Utopie

    Die Forderung steht, die Lösung fehlt. Das hat System bei den JuSo. Wir sollen überall noch günstiger produzieren. Dienstleistungen dürfen nur einen Hauch teurer sein als im Ausland. Umwelt-und Tierschutzgesetze sind schärfer als anderswo, bezahlen tun es wir. Die Leute fahren dann gerne ins nahe Ausland, weil bei uns ja ausser dem Lohn alles viel zu teuer ist...

  • Thor am 31.08.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch gar nixht so doof

    Ich mach mit meiner Partnerin ein Arbeitsvertrag, erbringe das Salär plus Sozialabgaben, welches ich an denn meinen Steuern abziehen kann. Mein Steuerbares Einkommen sinkt so das ich fast keime Steuern mehr bezahlen muss, die Partnerin kommt gar auf ei Steuerfreies Einkommen. Nei einer trennung habe ich durch die Sozialabgaben wie AHV und BVG beiträge auch keinen Unterhalt oder Trennungskosten. Das finde ich gar nicht doof, werde ich ab Freitag 01.09.2017 einführen. Nur wenn das alle machen, wie kommt bei diesen Steuerausfällen die SP zu ihrem Geld was sie ja so gerne und grosszügig ausgeben.

  • Satiriker am 31.08.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Trauerspiel

    Auf Kosten aller anderen, für wenig.. war das nicht der SP Slogan oder irre ich mich da? Ich bin mir nicht ganz sicher ob Frau Wey bewusst ist, dass Sie in der Politik und nicht im Comedy Club ist. Auch wenn man mehr Zeit möchte um seinen eigenen Namen zu tanzen und sich der Ausdruckstöpferei widmen möchte, Realitätsverlust ist eine ernste Sache. Ich würde Frau Wey zu einem weitern Vorstoss gerne behilflich sein und hätte da auch schon einen passenden Vorschlag: "Soziologie Studium von 21 - 65, zu lasten des Steuerzahlers". Entschuldigung, für SP Frauen natürlich von 21 - 47 und dann in Rente.

  • Nocturnius am 31.08.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SP?

    Mir stellt sich langsam die Frage: Sind die SPler eigentlich Realitäts-fremd/-scheu oder einfach nur faul?

  • marko 32 am 31.08.2017 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    25 Stunden Woche

    Bin voll dafür!