Nach Entlassung

11. November 2012 10:20; Akt: 11.11.2012 10:32 Print

Mörgeli fordert von der Uni Zürich 156 000 Franken

Wenn Christoph Mörgeli nicht wieder an der Universität arbeiten darf, fordert sein Anwalt eine Entschädigung. Die akademische und politische Karriere sei beschädigt worden.

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Es wird eng für die entlassenen Professorin Iris Ritzmann: Sie muss sich wegen mehrfacher Amtsgeheimnisverletzung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat am 12. Juni 2014 gegen die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeitern des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich (MHIZ) Anklage erhoben. Nicht nur Professorin Iris Ritzmann steht unter Beschuss: Regierungsrätin Regine Aeppli soll die Entlassung von Christoph Mörgeli laut der «Weltwoche» gefordert haben. In einer Medienkonferenz am 9. Juni 2014 wies sie die Vorwürfe allerdings zurück. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zur Kritik gegen seine Amtsführung generell und zum jüngsten Vorwurf der «Rundschau», er habe als Professor minderwertige Dissertationen durchgewunken. Insgesamt sind es nicht weniger als 76 Punkte, die Mörgeli am Rundschau-Beitrag kritisiert. Den Medienschaffenden wirft er eine linke Gesinnung vor. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zu den Vorwürfen gegen seine Amtsführung und kritisiert die Medienschaffenden scharf. Der über die schweren Vorwürfen gegen den Titularprofessor unter dem süffisanten Titel «Leichen im Keller des Professors». Das : Seine Vorlesung «Medizinische Museologie» fand mangels Interessenten noch nie statt. Wahl in den Nationalrat (Bild). (Bild) zum neuen Professor für Medizingeschichte. Kandidat Christoph Mörgeli kam nicht mal in die engere Auswahl. informiert die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli erst am 19. September 2012 in der «Rundschau». Einen Tag nach der Publikation von Auszügen aus dem vernichtenden Bericht legt der «Tages-Anzeiger» nach: Fachkollegen aus der Medizingeschichte kritisieren Mörgelis wissenschaftlichen Leistungsausweis: Er sei weder in der Fachliteratur noch in den aktuellen Debatten präsent. Mörgeli spricht von «Brotkorbterror» seiner «linken» Kollegen, die SVP von einer «Schmutzkampagne». Mörgelis Vertraute gibt bekannt, an einem Burnout zu leiden. Daraufhin entbrennt eine Debatte, ob Parlamentarier neben ihrem Mandat, das einer 50- bis 70-Prozent-Stelle entspricht, noch seriös ihren eigentlichen Beruf ausüben können. Mörgeli bezeichnet den Bericht über seine Leistungen als fehlerhaft und verleumderisch. Zudem beschwert er sich, dass der Bericht dem «Tages-Anzeiger» zugespielt worden ist und fordert die Uni auf, ein Disziplinarverfahren gegen seinen direkten Vorgesetzten Flurin Condrau wegen Persönlichkeitsverletzung einzuleiten. Die Uni winkt ab. Auf «Tele Züri» erklärt Mörgeli, er überlege sich, seinen Vorgesetzten Flurin Condrau zu verklagen. Gegenüber 20 Minuten Online spricht er von einem Deal, den er 1999 mit dem damaligen Bildungsdirektor (Bild) über die Arbeitszeit getroffen habe. Buschor dementiert. Die «NZZ am Sonntag» schreibt, . Gleichtags schreibt «Der Sonntag», Mörgeli werde wegen seiner Mobbingvorwürfen gegen den Vorgesetzten Condrau noch im Lauf der Woche fristlos entlassen. Die Uni widerspricht. Und die «SonntagsZeitung» macht publik, dass Berufskollegen das ehemalige Vorstandsmitglied Mörgeli aus der Fachgesellschaft SGGMN ausschliessen wollen. Mörgeli betont, dass er bis zum Erscheinen des Artikels im «Tages-Anzeiger» nichts von den harschen Vorwürfen in Condraus Bericht gewusst habe. In der «Rundschau» sagt die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (Bild), dass Mörgeli schon im November 2011 von den Vorwürfen gegen ihn ins Bild gesetzt worden sei. Ausserdem könne Mörgeli nach dem Ablauf der Gnadenfrist am 21. September seinen Job verlieren, wenn die Beurteilung seiner Leistungen negativ sei. Mörgeli widerspricht und ... ... bekommt Recht: «10 vor 10» und «Blick.ch» veröffentlichen ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Mörgeli selbst dann noch bekommt, wenn die Mitarbeiterbeurteilung am 21. zu seinen Ungunsten ausfällt. Doch nach Ansicht des (Bild) ist eine Entlassung Mörgelis am heutigen Tag theoretisch dennoch möglich: Das Personalgesetz des Kantons Zürich sehe vor, dass auf eine Bewährungsfrist von sechs Monaten in gewissen Fällen verzichtet werden kann. «Von einer Bewährungsfrist kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen kann», so das Personalgesetz. Die Universität Zürich kündigt Christoph Mörgeli per 31. März 2013 und stellt ihn per sofort frei. (Bild) erläutert an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz, das Vertrauensverhältnis sei unwiederbringlich zerstört. Noch während der PK kündigt Mörgelis Anwalt an, gegen den Entscheid zu rekurrieren. Parodie auf Schäfchen-Plakat: Kaum war die Entlassung von Christoph Mörgeli am 21. September beschlossen, geisterte diese Satire durchs Internet. Urheber der Karikatur: die Werbeagentur «Feinheit», die auch gelegentlich Auftrage für die Uni Zürich übernimmt. Es gibt es nicht mehr den klitzekleinsten Zweifel: Die Uni Zürich entlässt Christoph Mörgeli und stellt ihn per sofort frei. Das Arbeitsverhältnis wird unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist per 31. März 2013 aufgelöst, wie die Universitätsleitung mitteilt. Zuvor hatte sie Mörgeli noch rechtliche Gehör gewähren müssen. Christoph Mörgeli will Rektor der Universität Zürich werden, wie er an einer eigens einberufenen Pressekonferenz verkündet. Mörgeli verlangt vor dem Zürcher Verwaltungsgericht, dass Uni-Rektor Andreas Fischer bei seiner definitiven Entlassung am 28. September hätte in den Ausstand treten, weil er sich bereits im Vorfeld zum Thema geäussert hatte. Bekommt Mörgeli Recht, wäre seine Entlassung nicht rechtens. Die «Rundschau» erhebt neue Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli: Dieser soll zusammen mit Beat Rüttimann, dem langjährigen Direktor des medizin-historischen Instituts der Uni Zürich, zwischen 1994 und 2012 mehrere Dissertationen einfach durchgewunken haben. Laut einem anonymen Informanten der «Rundschau» genügte es, Texte zu übersetzen. Die Uni Zürich (Bild) will die neuen Vorwürfe gegen Mörgeli und Rüttimann untersuchen. Mörgeli seinerseits verkündet am 31. März, er werde gegen das Schweizer Fernsehen rechtliche Schritte einleiten. Am 10. April schaltet sich die «Weltwoche» ein: Der Informant der «Rundschau» sei ein Zahnarzt ohne Doktortitel, der als Doktorand bei Christoph Mörgeli kläglich gescheitert sei. Das SRF wiederum bezeichnet die Behauptung umgehend als «Falschmeldung»: Bei ihrem Informanten handle es sich «definitiv nicht um den von der Weltwoche genannten Zahnarzt». Die Universität entlässt die stellvertretende Leiterin des Medizinhistorischen Instituts, Iris Ritzmann. Sie soll der Presse vertrauliche Informationen zugespielt haben. Die Betroffene bestreitet die Vorwürfe. Andreas Fischer, der Rektor der Uni Zürich, gibt sein Amt per sofort ab. Otfried Jarren wird interimistische Rektor der Universität Zürich. Gutachter Heinrich Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes fuer Justiz, bestätigt die Kündigung von Titularprofessorin Iris Ritzmann.

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soll wieder als Medizinhistoriker an der Uni Zürich arbeiten dürfen. Das ist das Hauptziel von Anwalt Manfred Küng. Sollte dies nicht gelingen, fordert er gemäss der Zeitung «Der Sonntag» von der Uni Zürich 156 000 Franken. In Form einer Entschädigung von sechs Monatslöhnen oder total 46 800 Franken. Und in Form einer Abfindung von 14 Monatslöhnen, was 109 200 Franken entspricht.

Das geht aus dem Rekurs Küngs an die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen und aus der Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hervor. Beide Schreiben vom 30. Oktober liegen dem «Sonntag» vor. Küng betont im Rekurs, «die berufliche Karriere des Rekurrenten» werde durch die Kündigung zerstört «und seine wissenschaftliche wie auch politische Karriere beschädigt». Deshalb sei die Abfindung auf das Maximum von 14 Monatslöhnen festzusetzen gemäss den Entschädigungen für eine missbräuchliche Kündigung nach Obligationenrecht.

In den Schreiben zeigt Anwalt Küng erstmals detailliert auf, was aus der Sicht von SVP-Nationalrat Mörgeli geschah, seit Flurin Condrau am 1. Februar 2011 zum Direktor des Medizinhistorischen Instituts und Museums der Universität Zürich berufen wurde - und damit Mörgelis neuer Vorgesetzter war.

Küng lässt kein gutes Haar an Condrau. Obwohl dieser keine Habilitationsschrift verfasst habe, sei ihm der Titel «Professor» verliehen worden. Condrau habe keine Ausbildung in Museologie. Sein akademischer Leistungsausweis und die Zahl seiner Publikationen seien dürftig. Zudem weise Condrau keine Führungserfahrung auf. Pointiert schildert Küng Condraus Rolle als «linker Agitator». Die Uni Zürich wollte die Vorwürfe, die Küng erhebt, nicht kommentieren.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Buchegger am 12.11.2012 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    So demontiert sich Mörgeli ja selber

    Es ist richtig erheiternd zu sehen, wie Christoph Mörgeli sich mit seiner Forderung in aller Öffentlichkeit selber demontiert. Wenn er so weiter macht, wird er wie Ulrich Schlüer von der eigenen Wählerschaft abgewählt, allerdings aus etwas anderen Gründen. Wie Schlüer wird Mörgeli zu einer richtigen Belastung für seine Partei.

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  • Angestellter am 11.11.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kündigungsschutz á la SVP

    So sieht er aus, der Kündigungsschutz, wie sich die SVP dies vorstellt. 1. Unkündbar. 2. Falls doch Kündigung: Klage durch alle Instanzen. 3. Arbeitgeber zahlt grundsätzlich Abfindung, unabhängig vom Verschulden.

  • Ein Steuerzahler am 11.11.2012 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Goldener Fallschirm

    Wenn einer seinen Job nicht richtig macht, ist die Kündigung die richtige Massnahme. Und hier soll selbstverständlich auf dem Buckel der Oeffenlichkeit noch ein goldener Falschirm finanziert werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Ringier am 12.11.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das Theater um C. Mörgeli?

    Es wird viel zu viel Aufhebens gemacht um Herrn Mörgeli. Beruflich hat er versagt - das passiert vielen andern Menschen auch (ohne Tam Tam in der Oeffentlichkeit). Politisch ist er einer der Agitatoren die für das gegenwärtige Politklima massgeblich verantwortlich sind. Charakterlich erfüllt er die Mindestanforderungen nicht.

  • Mike Oberhofer am 12.11.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Winkelried!

    Mörgeli sollte jetzt die Grösse haben, nicht den unschuldigen Steuerzahler für Dinge zahlen zu lassen, die ein paar Linke verbrochen haben. So erschiene er wirklich als moderner Winkelried.

  • Klartext am 12.11.2012 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Mörgeli ist nicht auch noch

    für das verantwortlich, was seine Parteikollegen zu seinem Fall verlauten lassen.

  • Simon am 12.11.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht!

    Personen, unabhängig von Mörgeli...denen gekündigt wurde geht es meistens sehr schlecht! Oft merken sie es nicht einmal selber und dies ist sehr traurig und nicht peinlich! Vorallem, wenn man merkt, dass man gemobbt wurde! Man kann gut reden, wenn man nicht selber in solch einer Situation ist! Also würde ich die grossen Sprüche lassen!! Mörgeli hin oder her! Werweiss, vielleicht ist man selber plötzlich mal in der gleichen Situation!

  • P. Buchegger am 12.11.2012 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    So demontiert sich Mörgeli ja selber

    Es ist richtig erheiternd zu sehen, wie Christoph Mörgeli sich mit seiner Forderung in aller Öffentlichkeit selber demontiert. Wenn er so weiter macht, wird er wie Ulrich Schlüer von der eigenen Wählerschaft abgewählt, allerdings aus etwas anderen Gründen. Wie Schlüer wird Mörgeli zu einer richtigen Belastung für seine Partei.

    • Rückfrager am 12.11.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Für Sie ist es also erheiternd

      wenn eine Person im Zusammenhang mit einer nichtpolitischen beruflichen Tätigkeit in aller Öffentlichkeit via Verbreitung durch Medien demontiert wird?

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