Zugespitzte Warnung

08. August 2017 12:01; Akt: 08.08.2017 14:20 Print

Gibts bei einem AHV-Nein bald keine Rente mehr?

Bundesrat Alain Berset warnt, dass es bei einem Nein zur Altersreform 2020 bald keine AHV mehr geben könnte – «Angstmacherei», finden Kritiker.

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Was passiert eigentlich mit unseren Renten, wenn die Stimmbürger am 24. September mehrheitlich ein Nein in die Urne legen? Gesundheitsminister Alain Berset warnt im «Tages-Anzeiger» die junge Generation: «Wenn ihr Nein stimmt, könnt ihr nicht sicher sein, dass ihr noch eine AHV-Rente bekommt.» Die Kassen würden sich langsam, aber unerbittlich leeren. Der AHV-Fonds wäre bereits Ende der 2020er-Jahre ausserstande, die Renten zu bezahlen.

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Auch JCVP-Präsident Tino Schneider sagt im Interview mit 20 Minuten: «Lehnen wir die Reform ab, wird in einigen Jahren eine noch viel radikalere Lösung vonnöten sein.» Schlimmstenfalls habe die AHV kein Geld mehr – Rentenalter 67 und ein Umwandlungssatz weit unter 6 Prozent seien dann unausweichlich. In der Folge würden die Renten der Eltern-Generation sinken. «Dann müssten wir Kinder finanziell in die Versorgungsbresche springen.»

«Reine Angstmacherei»

Diese Szenarien sind laut Vorsorge-Experte Martin Hubatka «reine Angstmacherei». Bei einem Nein müsste eine neue Reform aufgegleist werden. «Am wahrscheinlichsten ist, dass es keinen 70-Franken-Zustupf in der AHV mehr gäbe, da viele Stimmbürger diesen Ausbau nicht für finanzierbar und notwendig halten. Die genauen Motive für den Stimmentscheid müsste man dann untersuchen.»

Massive Einschnitte seien jedoch nicht zu erwarten. «Das Ganze muss ja auch noch vom Volk angenommen werden.» In der Bevölkerung habe sich zwar die Einsicht durchgesetzt, dass es mit den Renten nicht so weitergehen könne. «Kommt man aber nach einem Nein gleich mit Rentenalter 67, gehen alle Linken auf die Barrikaden.» In einer neuen Reform werde man versuchen, das Notwendigste für die Erhaltung des Rentensystems abzusichern.

«Klar zugespitzt, aber legitim»

Für Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, ist Bersets Warnung fehl am Platz. «Ich habe mich über die Aussage von Herrn Berset sehr gewundert, denn so verunsichert er nur die Jungen.» Seine eigene Reform gefährde die AHV viel eher, denn sie plane einen AHV-Ausbau. «Diesen können wir uns langfristig nicht leisten.» Was nach 2030 passiere, stehe immer noch in den Sternen. «Dann braucht es wegen des Ausbaus eine neue, umfangreichere Reform.»

Darf ein Bundesrat ein unrealistisches Szenario zeichnen? Für Politologe Louis Perron ist Bersets Aussage «klar zugespitzt, aber absolut legitim». Berset setze sich mit vollem Einsatz für das Anliegen ein. «Der Erfolg der Altersreform wird das Urteil über seine Karriere prägen.» Angesichts der zahlreichen gescheiterten Versuche der Altersreform sei kein Szenario undenkbar. «So stellte auch Frau Prof. Häusermann von der Universität Zürich zu Recht fest, dass eine Reform immer radikaler werde, je länger man damit warte.» Berset habe wohl den Jungen klarmachen wollen, dass die Reform auch sie betreffe. «Er will einen Graben zwischen Alt und Jung verhindern.» Die Grenze zieht Perron bei wissentlichen Falschaussagen. «Im Abstimmungskampf bewusst zu lügen, ginge nicht.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomas am 08.08.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Geld

    Noch vor wenigen Jahren haben die Linken bzw. Medien gross herum posaunt, dass dank der Zuwanderung die AHV finanziert sei. Wo ist nun dieses Geld?

    einklappen einklappen
  • Reto Signorell am 08.08.2017 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beim Bund anfangen!

    Dann aber jetzt ganz schnell weg mit den lebenslangen und überhöhten Bundesratspensionen!

  • Abul Berger am 08.08.2017 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann aber schnell ...

    den Pass wegwerfen und sich von der Sozialindustrie verwöhnen lassen. Ja nicht als Schweizer bemerkbar machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alter Sack am 08.08.2017 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    AHV und PKs zusammen haben eine Reserve von 150 Milliarden... diese Reserve reicht längst um eine bessere Reform aufzugleisen. Ziel muss es sein eine Reform zu machen ohne Zweiklassen System

  • Ichindda am 08.08.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drohung

    Aha, und wenns dann nicht nach ihrem Willen geht gleich das Drohen anfangen. Schöne Bundesräte haben wir in Bern zugelassen!

  • Salsa am 08.08.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rente sollte Jungen klarer erklärt werden

    Ein Nein MÜSSTE der jungen Generation ab 2000 dann der Hahn zum Rentenbezug zugedreht werden. Ganz klar, sollten dann halt Banksparer werden,

  • WaleLi am 08.08.2017 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankenversicherungs-Reform

    Wenn die Krankenkassen Prämien ungebremst weiter ansteigen, fressen diese die AHV-Renten bald vollständig weg. Das ist ein echtes Riesenproblem. Herr Berset würde sich besser für eine griffige Krankenversicherungs-Reform stark machen, als den Menschen wegen der AHV-Reform Angst einzujagen.

  • Normaldenker am 08.08.2017 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Ratgeber

    Angst ist ein schlechter Ratgeber. Er kommt dann zum Zug, wenn etwas sein muss, bei dem es noch viele Alternativen gibt. Die sind jedoch mit viel Arbeit und politischem Willen verbunden. Bei der AHV sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange.