«Magic Mushrooms»

28. September 2017 10:08; Akt: 01.10.2017 21:08 Print

Drogenpilz-Sammler gehen vor Trip zum Kontrolleur

von B. Zanni - Vor allem junge Männer besuchen Pilzkontrolleure, um zu erfahren, welche Pilze psychoaktiv wirken. Oft haben sie auch giftige Exemplare dabei.

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Mit 4 Gramm Trockenpilzen plus Schokolade intus legte sich Mättu aufs Bett. Eine halbe Stunde später erschienen ihm geometrische Formen in allen Farben. «Plötzlich lagen mir alle Möglichkeiten, wie man eben richtig leben sollte, offen da», schreibt der Schweizer auf der Website Zauberpilz.com.

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Sebastian (17) hatte einen Bohnensalat mit Pilzen gegessen. «Ich nahm bunte Farbschleier wahr und musste ohne Grund lachen», erinnert er sich im Magazin «Gesundheitstipp».

«Untypische Pilzler kommen vorbei»

Wegen Trip-Erfahrungen mit sogenannten Drogenpilzen, besser bekannt als «Magic Mushrooms», gehen in der aktuellen Saison zahlreiche junge Menschen auf Pilzsuche. «Zauberpilze findet man Ende September im Berner Jura wie Sand am Meer», sagt Pilzsammlerin Marisa Armattera dem «Bieler Tagblatt».

Das bekommen auch die Pilzkontrolleure zu spüren: «Es kommt vor, dass untypische Pilzler bei uns vorbeikommen», sagt Marionna Schlatter, Kontrolleurin und Sprecherin der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane.

Meist seien es junge Männer um die 20. «Sie haben selbst gesammelte Pilze mit der typischen Hutform dabei und wollen wissen, ob diese giftig sind.» Oft würden sie aus Angst vor einer Strafe (siehe Box) nicht direkt sagen, dass sie rauscherzeugende Pilze konsumieren wollen.

Am Goa-Shirt orientieren

Laut Schlatter haben die Sammler häufig lauter giftige Pilze dabei: Düngerlinge, Haarschleierlinge, Samthäubchen, Risspilze. «Manche haben einfach die Hutform auf den Shirts von Goa-Partys im Kopf und glauben, dass alle Pilze mit einem solchen Hut Drogenpilze sind.» Andere orientierten sich an Bildern aus dem Internet.

Doch Pilze mit dem berauschenden Wirkstoff Psilocybin zu finden, wie zum Beispiel der Spitzkegelige Kahlkopf, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Schlatter: «In den Schweizer Wiesen gibt es hundert verschiedene Pilze. Um die halluzinogenen von den anderen unterscheiden zu können, braucht es viel Hintergrundwissen.» Stellen sich die Pilze jedoch als halluzinogen heraus, macht sie die Sammler darauf aufmerksam, dass es sich um Rausch-Pilze handelt. Bestehe jemand darauf, die Pilze mitzunehmen, sei das möglich.

Wenn der Trip zu stark einfährt

Der schweizerische Giftnotruf Tox Info Suisse erhält regelmässig Anrufe von Personen, die halluzinogene Pilze gegessen haben. «Meist rufen sie noch während des Trips an und suchen Hilfe», sagt Direktor Hugo Kupferschmidt. Grund dafür seien unerwartete Symptome. «Zum Beispiel leiden sie unter Halluzinationen, die Angstzustände hervorgerufen haben.» Die Anzahl der Meldungen hängt laut Tox Info Suisse aber nicht von der Pilzsaison ab. Denn die meisten Konsumenten hätten die Pilze gekauft und nicht selbst gesammelt.

Auch Koni Wäch, Präsident der Szeneorganisation Eve & Rave Schweiz, sagt: «Die Schweizer Alpen sind schon seit langer Zeit ein beliebtes Ziel für Sammler von psychedelischen Pilzen.» Drogenpilze seien in allen Altersklassen beliebt. «Sie gelten als naturnah und der Rausch zeigt sich für viele ‹natürlicher› als etwa der von LSD.» Viele Konsumenten seien erfahren im Umgang mit Rauschsubstanzen.

«Hohe Verwechslungsgefahr»

Die Fachleute warnen vor dem Konsum der Pilze. Die Giftmenge könne bis um das Achtzigfache variieren, so Expertin Schlatter. «Es ist möglich, dass jemand drei Pilze gegessen hat und einen schlimmen Rausch erlebt, während man nach 20 Pilzen derselben Sorte aber immer noch nichts merkt.»

Eve & Rave sind Fälle von Vergiftungen bekannt. Wäch: «Die Verwechslungsgefahr ist wie bei anderen Pilzen hoch, wenn man keine Erfahrung im Pilzsammeln hat.» Eve & Rave wolle auch darauf hinweisen, dass der Rausch aufgrund der Dosierung oftmals unberechenbarer ist als bei anderen Substanzen. «Wer Angst vor der Wirkung hat, sollte keine Substanz konsumieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HpM am 28.09.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch Natur

    Eigentlich komisch, dass man von der Staatsanwaltschaft verfogt wir wenn man etwas konsumiert das so einfach in der freien Natur wächst.

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  • Uwe Hendersson am 28.09.2017 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Politik

    Waren das noch Zeiten, als man die Pilze im Smartshop völlig legal kaufen konnte. Danke, Politik, dass Ihr alles immer kriminalisiert... die Dealer und Gangster freuen sich über Euch. Und NEIN, mit Gangster meine ich mal nicht nicht Politiker :-p

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  • Appeeri am 28.09.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Eine sehr gute Aussage!

    Zitat Koni Wäch: «Wer Angst vor der Wirkung hat, sollte keine Substanz konsumieren.» Diese Aussage würde ich sofort unterschreiben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SimiLU am 28.09.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus der Natur ist Legal

    Leute die schon psychisch labil sind odwr ihre verwandte an psychischen krankheiten leiden sollten auch keine Pilze einnehmen. Nie mit Leuten Konsumieren die psychisch labil sind, nur in Gruppe einnehmen und wenn es geht in der Natur, dann kann man es geniessen. Also ich spürte kaum was von den Jura Pilzen, eher von den Mexikanischen und Hawaiianischen die man früher Legal kaufen konnte in Olten und St.Gallen so auch an den Psy Parties.

  • PsiloFan am 28.09.2017 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so schwer

    Wer unsere heimischen Psilos nicht selbst erkennt, sollte wohl eher die Finger davon lassen. Es gibt zwar Pilze die den Psilos auf den ersten Blick zum verwechseln ähnlich sehen und die gelten auch als ungenießbar, sind aber nicht wirklich giftig. Ich sammle schon seit über 20 Jahren und hatte nie ein Problem.

  • Tigris von Gallien am 28.09.2017 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsmann

    Man könnte ja gleich Zwiebel oder rübli usw. verbieten. Wer anbaut oder konsumiert wird abkassiert. Rentiert sicher

  • Albert am 28.09.2017 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel vernunft

    Find ich sehr gut vorsicht ist die mutter der porzelankiste.

  • Jokerf4ce am 28.09.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Naturrecht

    Ein Problem hierbei ist das Positive Recht bzw das Menschen-gemachte Gesetz, es ist willkürlich, interessensorientiert und nicht legitim Um ein krasses Beispiel zu bringen, mit Positiven Recht könnten wir morgen die Schwerkraft für ungültig erklären, trozdem wäre sie noch da. Das einzige wirkliche Gesetzt ist das Naturrecht : 1. Recht auf Privateigentum 2. Don't tread on me ( das Recht seine Familie und sein Privateigentum zu schützen, im Extremfall auch mit Gewalt) 3. Jeder ist für seine Handlungen selber Verantwortlich ( ein Vollsteckungsbeamter, der in deine Wohnung eindringt, ist selber dafür verantwortlich, er kann nicht im Auftrag des Staates handeln, er handelt immernoch mit seinem freien Willen, somit ist er für Konsequenzen zB. Gegenwehr, selber verantwortlich ) 4. Vertragsfreiheit