Website Jugendpolitik

24. Februar 2012 11:12; Akt: 06.03.2012 14:44 Print

Parlament stösst Jugend-Verbände vor den KopfParlament stösst Jugend-Verbände vor den Kopf

von Jessica Pfister - Um mehr Junge für Politik zu begeistern, haben die Parlamentsdienste diese Woche eine neue Website aufgeschaltet. Allerdings weiss niemand davon - Jugendverbände sind erstaunt.

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Das neue Internetportal des Parlaments richtet sich an die politisch interessierte Jugend. Erfahren werden diese momentan aber kaum davon.

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Die Beteiligung von jungen Schweizerinnen und Schweizern an Wahlen und Abstimmungen liegt in der Schweiz sehr tief. Nur etwa jeder Dritte zwischen 18 und 25 Jahren geht regelmässig an die Urne. In den vergangenen Jahren haben Jugendverbände mit diversen Projekten versucht, das Interesse der Jungen für Politik zu erhöhen - etwa mit der Jugendsession und der Wahlplattform Easyvote.

Nun wollen auch die Parlamentsdienste, das Backoffice der Bundesversammlung, bei der politischen Aufklärung der Jungen mitmischen. Am Mittwoch haben sie die Website «JuniorParl» aufgeschaltet. Auf dem Portal «für die politisch interessierte Jugend» findet man unter anderem Videobeiträge mit Jungpolitikern, Erklärungen zum Parlament und dem Ratsbetrieb oder Informationen zu Besuchen im Bundeshaus. «Wir hatten bereits verschiedene Angebote für Jugendliche, nun wollten wir diese auf einem Portal zusammentragen und ergänzen», sagt Daniel Schweizer, Leiter Internetdienst der Parlamentsdienste.

«Sonst erfahren Jugendliche gar nicht davon»

Was schön und gut klingt, hat einen Haken: Vom neuen Portal weiss eigentlich niemand - nicht einmal die Jugendverbände, die sich seit Jahren für die Anliegen der Jungen in der Politik engagieren. «Wir sind erstaunt, dass wir von den Parlamentsdiensten nie angefragt wurden, uns an dem Projekt zu beteiligen oder wenigstens dafür zu werben», sagt Matthias Fiechter von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV). Die SAJV sei immerhin die vom Bund anerkannte politische Vertreterin der Jugend.

Ähnlich klingt es beim Dachverband Schweizer Jugendparlamente: «Wir haben noch nichts von dieser Webseite gehört», sagt Sprecher Alexander Tschumi. Dabei sei es wichtig, dass in diesem Bereich Synergien von bestehenden Organisationen und Projekten optimal genutzt werden. Ausserdem müssten diese regelmässig über verschiedene Kanäle beworben werden. «Sonst erfahren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gar nicht davon», kritisiert Tschumi.

«Warten Rückmeldungen ab»

Auch das Portal selbst kommt bei den Jugendverbänden nicht nur gut weg. Zwar sehe die Seite auf den ersten Blick ansprechend aus, sagt Fiechter. «Es scheint allerdings, dass die Jugendlichen selber wenig beitragen konnten.» Dabei sei entscheidend, dass Jugendliche selbst die Themen und den Rahmen der Diskussion mitgestalten, wie dies beispielsweise an der Eidgenössischen Jugendsession seit 20 Jahren getan werde. «Wenn Politik nur von Erwachsenen erklärt und vermittelt wird, reicht das meist nicht.»

Laut Herrn Schweizer von den Parlamentsdiensten wurde die Seite in einer Arbeitsgruppe erarbeitet. Die Leitung übernommen habe eine junge Praktikantin im Internetdienst. «Auch die Texte und Interviews stammen von Lernenden der Parlamentsdienste», wehrt er sich. Allerdings habe man sich bewusst dagegen entschieden, eine Medienmitteilung zu verschicken. «Wir warten jetzt erst einmal die Rückmeldungen ab», sagt Schweizer. Viele werden es bisher wohl kaum sein. Denn der direkte Link zur Seite ist momentan lediglich auf der Internetseite parlament.ch zu finden. Eine Adresse, welche selbst Erwachsene - es sei denn, sie sind Politiker oder Journalisten - kaum aufsuchen.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde die Seite gut gemacht. Ausbaubar ist sie allemal, aber Gratulation an die Lernenden des Parlamentsdienstes! Dies ist ein guter Anfang! – René Brügger

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  • Hinterfrager am 25.02.2012 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Warum braucht unsere Jugend

    eigentlich im ganzen Leben Sonderzüglein? Ich dachte immer, nach der Kindheit sei man erwachsen. Da braucht es keine Sonderbehandlung mehr. Das erinnert mich eher an faule Tricks, mit denen man junge Geister irreführt, statt dass diese sich mit zunehmender Eigenerfahrung in die Realität einleben. Deshalb gibt es auch so schräge "Jungparteien", die zwar denselben Namen tragen, wie deren Mutterpartei, aber inhaltlich um Kilometer entfernt sind.

  • Marco steiner am 24.02.2012 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Easyvote

    Muss als Open-Source unter GNU-Lizenz laufen sonst macht das alles nur Unsinn.

  • Der Egon am 24.02.2012 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht 

    Schreibtischtäter an der Arbeit! Die Info- Seite macht gewiss Sinn, aber das muss man dann auch von der Jugend befüllen lassen. Und zwar kooperativ und ganz bestimmt nicht so.