Werber Frank Bodin

27. Januar 2016 21:01; Akt: 27.01.2016 21:01 Print

«Der Benimm-Flyer ist gut gemacht»

Der Kanton Luzern hat am Mittwoch extra auf die Fasnacht hin einen Flyer mit Dos and Don’ts für Migranten vorgestellt. Starwerber Frank Bodin hat ihn sich angeschaut.

Bildstrecke im Grossformat »
Mit diesem Piktogramm werden Asylsuchende darauf hingewiesen, dass sexuelle Übergriffe gegen Frauen in der Schweiz nicht geduldet werden. Die Darstellung ist Teil des neuen Luzerner Benimm-Flyers, mit dem Rechte, Pflichten und Verbote in der Schweiz erklärt werden. Frank Bodin, Chairman und CEO der Werbeagentur Havas Worldwide, hat den Luzerner Benimm-Flyer für 20 Minuten genauer unter die Lupe genommen. Sein Fazit: «Der Flyer aber gut gemacht. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wie man so etwas besser gestalten könnte.» Auf dieser Seite des Merkblattes werden Rechte von Kindern erläutert. Auch das öffentliche Leben in der Schweiz wird den Asylsuchenden näher gebracht. Beispielsweise ist es höflich, einander mit «Grüezi» zu begrüssen und sich mit «Ade» zu verabschieden. Unter dem Titel «Demokratie und Rechtsstaat» ist etwa vermerkt, dass Gesetze über religiösen Vorschriften stehen und dass die Gesetze für alle gelten, unabhängig von Geschlecht oder Religion. Das ist das Titelblatt des Werks: «Grundregeln für das Zusammenleben». Weiter heisst es: «An diese Regeln müssen sich alle halten.» Als Vorbild für den Luzerner Flyer diente dieses Merkblatt des österreichischen Bundesministeriums für Inneres. Explizit erwähnt sind darin Gewalt in der Familie und Gewalt gegen Kinder. Ein Piktogramm, das zeigen würde, dass sexuelle Übergriffe gegen Frauen nicht geduldet werden, fehlt allerdings im Gegensatz zum Luzerner Flyer. Noch vor dem Fasnachtsbeginn am 4. Februar wird der neue Flyer in allen Asylunterkünften des Kantons Luzern verteilt. Damit reagiert der Kanton auch auf besorgte Reaktionen von Bürgern nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten. Das Asylzentrum Hirschpark in Luzern: Hier wurde der neue Benimm-Flyer für Asylsuchende vorgestellt. Im Kanton Luzern leben derzeit rund 1800 Flüchtlinge. Andere Kantone wollen den Luzerner Flyer übernehmen, Verhandlungen dazu laufen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Bodin, der Kanton Luzern stellte am Mittwoch einen Benimm-Flyer für Asylsuchende vor. Er enthält auch ein Anti-Grapsch-Piktogramm, das sexuelle Übergriffe auf Frauen, wie sie in Köln geschehen sind, verhindern soll. Welchen Eindruck haben Sie als Werber von dem Flyer?
Er ist auf eine einfache Art und Weise gestaltet. Der Text ist sehr klar. Zwar sind die Illustrationen nicht besonders schön, das müssen sie aber in diesem Zusammenhang auch nicht sein, denn das Merkblatt soll ja in erster Linie der Informationsübertragung dienen.

Umfrage
Was halten Sie vom Fyler mit Benimm-Regeln für Asylbewerber?
41 %
18 %
41 %
Insgesamt 10236 Teilnehmer

Was vermittelt der Flyer auf den ersten Blick?
Anhand der Illustrationen wird schnell deutlich, dass es um zwischenmenschliche Beziehungen, Rechte, Pflichten und Verbote geht.

Erfüllt der Benimm-Flyer seinen Zweck?
Meiner Meinung nach Ja. Der Flyer ist unmissverständlich und hat einen edukativen Charakter. Die Asylsuchenden wissen gleich, was erlaubt und verboten ist. Zudem ist das Merkblatt sehr neutral gestaltet. So wird unsere Kultur nicht unnötig hochgeschaukelt oder mit dem Zeigefinger auf Asylsuchende gezeigt.

Ist der Flyer auch für Asylsuchende verständlich?
Rein von den Illustrationen her nein. Sie brauchen den Kontext. Erst dann wird klar, was genau gemeint ist. Ohne den Text könnte beispielsweise das Bild mit dem Kuss so verstanden werden, dass man in der Schweiz jeden küssen darf oder man hier andere Menschen mit einem Kuss begrüsst. Deshalb hoffe ich, dass der Text in die verschiedenen Sprachen übersetzt wird. Ähnlich wie Anweisungen in anderen Ländern, die die Touristen führen sollen. Dass das Merkblatt aber auch auf Deutsch zu haben ist, ist gar nicht mal so schlecht. Denn auch Einheimische verstossen gegen solche Grundregeln. Mit dem Flyer werden sie noch einmal daran erinnert, was sie eben nicht machen sollten.

Wie sinnvoll ist so ein Flyer Ihrer Meinung nach?
Auch ohne den aktuellen Bezug – also die Vorfälle in Köln und die Befürchtung, dass es an der Fasnacht zu ähnlichen Vorfällen kommen kann – sind solche Merkblätter sinnvoll. Menschen auf der Flucht kommen nicht so einfach an Informationen. Zudem sind sie eine andere Kultur gewohnt. Mit einem solchen Faltblatt können wir ihnen unsere Kultur und unsere Werte neutral näherbringen.

Was würden Sie am Flyer verändern oder verbessern?
Es wäre schön gewesen, wenn irgendwo noch «willkommen in der Schweiz» und eine kleine Einleitung, beispielsweise mit Informationen zu unserem Land, stehen würden. Zusammengefasst ist der Flyer aber gut gemacht. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wie man so etwas besser gestalten könnte.

(qll)