Schweiz

05. September 2017 18:31; Akt: 05.09.2017 20:13 Print

Hersteller senken freiwillig Zuckeranteil in Müesli

Frühstücksprodukte sollen gesünder werden. Wie der freiwillige Ansatz funktioniert, erklärt Bundesrat Alain Berset im Video.

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Der durchschnittliche Gehalt von Zucker in Joghurts und Frühstücksflocken soll weiter sinken. Bundesrat Alain Berset hat mit den Schweizer Lebensmittelproduzenten und Detailhändlern neue Ziele vereinbart.

Weniger Zucker in Joghurt und Müesli: Zwei Jahre nach der «Erklärung von Mailand» zieht der Innenminister mit der Branche eine erste Bilanz. (Video: SDA)

Der freiwillige Ansatz funktioniere sehr gut, sagte Berset am Dienstag vor den Medien in Bern. Er stosse auch in anderen Ländern auf Interesse. Vor zwei Jahren hatten der Bund und mehrere Unternehmen an der Expo in Mailand vereinbart, den Zucker zu reduzieren.

Freiwilliger Ansatz fruchtet

Seither ist der durchschnittliche Gehalt an zugesetztem Zucker in Joghurts um rund 3 Prozent gesunken, in Frühstückscerealien um rund 5 Prozent. Das ergab eine Erhebung des Bundes von diesem Sommer. Es handelt sich um einen Durchschnittswert über alle Produkte, wobei der Marktanteil der einzelnen Produkte mit mehr oder weniger Zucker nicht berücksichtigt ist.

Die Entwicklung sei sehr erfreulich, sagte Berset. Bis Ende 2018 soll der Zuckergehalt bei den Joghurts nun um weitere 2,5 Prozent reduziert werden, bei den Frühstückscerealien um 5 Prozent. Zudem haben weitere Unternehmen die «Erklärung von Mailand» unterzeichnet. Inzwischen sind laut Berset alle grossen Hersteller und Detailhändler an Bord.

Konsumenten haben die Wahl

Der Vizepräsident von Emmi Schweiz, Marc Heim, hob vor den Medien die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten hervor. Diese könnten weiterhin Produkte mit viel Zucker kaufen. Sie könnten sich aber auch für ein Produkt mit wenig Zucker entscheiden. Wichtig sei, dass diese Produkte angeboten würden. Zudem sei es wegen der Gewohnheiten der Konsumenten sinnvoll, den Zuckergehalt in kleinen Schritten zu senken.

Vor zwei Jahren enthielten Joghurts im Durchschnitt 17 Gramm Zucker pro Becher, was rund 5 Würfelzuckern entspricht. Frühstückscerealien enthielten 18 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Das Joghurt mit dem geringsten Zuckergehalt enthielt 10 Gramm, jenes mit dem höchsten über 30 Gramm. Bei manchen Frühstückscerealien machte der Zuckeranteil fast 50 Prozent aus.

Weitere Lebensmittel folgen

Die «Erklärung von Mailand» wird nach 2018 im Rahmen des Aktionsplans der Schweizer Ernährungsstrategie bis 2024 weitergeführt. Dabei sollen weitere Lebensmittelgruppen einbezogen werden. Die laufenden Arbeiten zu Salz und Fetten sollen zudem intensiviert werden.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat zum Thema auch Forschungsaufträge ausgeschrieben. Die Arbeiten sollen Erkenntnisse bringen, um wie viel der Zuckergehalt reduziert werden kann, ohne dass dies wahrgenommen wird.

Hohe Gesundheitskosten

Der Grund für all diese Bemühungen: Wir bewegen uns zu wenig, essen zu energiereich, zu süss, zu salzig und zu fett. Das führt zu einer Zunahme von Fettleibigkeit und nichtübertragbaren Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Folgekosten solcher Krankheiten für die Schweiz werden auf 52 Milliarden Franken pro Jahr beziffert.

Die Krankheiten seien damit für 80 Prozent der direkten Gesundheitskosten in der Schweiz verantwortlich, heisst es in der «Erklärung von Mailand». Damit stellten sie nicht nur für unsere Gesundheits- und Sozialsysteme eine grosse Herausforderung dar, sondern für die gesamte Volkswirtschaft.

Innovation als Heilmittel

Der Bund und die Unternehmen sind sich einig, dass Innovationen in der Lebensmittelproduktion dazu beitragen können, die Herausforderungen zu meistern. Verarbeitete Lebensmittel machen einen bedeutenden Teil der täglichen Ernährung aus. Ihre Zusammensetzung hat somit einen grossen Einfluss auf die tägliche Aufnahme von Energie, Salz, Fett und Zucker.

(oli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nubinu am 05.09.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ersatz

    Dann kann man jetzt mal nur hoffen, dass der Zucker nicht durch künstlich Süßstoff ersetzt wird... Ich werde doch besser bei meinem Naturejoghurt bleiben ;)

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  • Feau am 05.09.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meist gar nicht nötig

    Ich würde lieber gar keinen Zucker in Lebensmittel haben bei denen ich nicht einmal an Zucker als Inhaltsstoff denke! Das ist weder bei Joghurts noch Cornflakes der Fall. Zucker ist überall versteckt, man merkt es aber erst dann, wenn man auf Zucker verzichten muss....

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  • Mama Elena am 05.09.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kleinpackungen Snacks bitte auch

    Das reicht nicht, dann müssen alle Kleinpackungen von Snacks, die ja auf Jugendliche und Kinder "ausgerichtet" sind, die Zuckermenge ebenfalls senken. Denn dort sind es zwischen 38% und 45%, dann noch viel Fett, z.B. bei Bärentatzen (MMM) mit Himbeeraroma und solcher Mist. Dazu noch sehr teuer!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cherrymelone am 07.09.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum überhaupt Zucker

    der Mensch ist anpassungsfähig. Lässt man nach und nach überall den Zucker irgendwann ganz weg wird es bald keiner mehr vermissen. Wir nehmen bereits aus natürlichen quellen Zucker zu uns. Alles zusätzliche ist zu viel und macht krank.

  • Swissgirl am 07.09.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raffinierten Zucker braucht es nicht

    Der Zucker in Gemüse und Früchten ist genug. Den raffinierten Zucker braucht es nicht. Der wird nur zum Haltbarmachen und übersüßen von Fertigprodukten und zum Apettit anregen bei den Konsumenten, sprich zum Überfüttern gebraucht. Reine Kalkül der Hersteller. Es wird Zeit dass die Konsumenten sich dagegen wehren und diese krankmachenden Nichtlebensmittel meiden. Es würde das Portemonnaie der Leute schönen, Gesundheitskosen senken und viele Krankheiten vermeiden.

  • Melissa am 06.09.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich probiere sehr stark

    mein Zuckerkonsum tief zu halten, was mich immer wie mehr stört ist die Tatsache, dass alles was man kaufen will so überzuckert ist und da frage ich mich warum? Können wir wirklich nicht mehr Lebensmittel ohne ein HAUFEN ZUCKER geniessen? Die einzigen, die davon profitieren sind die Zahnärzte und Ärzte, wegen diabetes. Mein Sohn hat mit bald 27 Jahre, noch kein einziges Loch, dann gibt es wieder Kinder, die schon mit 7 jährig Löcher haben - muss das sein! Ich wäre sehr dafür, das Zucker in allem, 50%, wenn nicht mehr reduziert wird!

    • Thomas Schmid am 08.09.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      DasLiedVomZucker

      Schon gemerkt, dass es Werbung nur für Zucker gibt? Die Zuckerlobby ist in der Politik stark vertreten. Nicht zuletzt ist es der Bauer, welcher besonders geschützte Position geniesst und sogar gepusht wird und dann jammert, wenn wegen des grossen Angebots die Preise sinken.

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  • HpTaff am 06.09.2017 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung allpräsent!

    Unglaublich, diese Bevormundung, und alles hinter unserem Rücken. Was mich verwundert: Wie unterwürfig die Firmen da mitmachen. Rückgrat geht anders. Wo setzen die am staatlichen Tropf sich fürstlich nährenden, alles besser wissenden Ideologen als nächstes an?

    • Georgie Minck am 08.09.2017 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      "BEVORMUNDUNG!"

      Wer die Produktangaben liest und denken kann, ist fähig, selbst zu denken. Die Anderen brüllen: " Bevormundung!" Du kannst ja nachschütten, wenn du gerne alle Nachteile des Zuckerkonsums wünschtst...

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  • Sandra am 06.09.2017 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Film "Die grosse Zuckerlüge" schauen

    Schaut Euch doch einfach mal den Film "Die grosse Zuckerlüge" an und urteilt dann nochmal, wieviel davon ihr wirklich braucht und ob diese Zuckeraustauschstoffe wirklich sinnvoll sind.... Ich verzichte seither auf mindestens die Hälfte dieser Sachen! Wir werden von der Zuckerindustrie seit Jahrzehnten manipuliert und angelogen. Die meisten Konsumenten wissen es nicht einmal.