Poschiavo GR

09. Oktober 2017 18:52; Akt: 09.10.2017 21:03 Print

Armee-Rakete in den Bündner Bergen gefunden

Ein Tourist fand in Poschiavo Überreste einer Armeewaffe. Funde von Blindgängern in den Bergen oder auf Gletschern sind häufig – gerade im Kanton Graubünden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

An seine Pressereise in Graubünden dürfte sich Milos Willings noch lange erinnern. Nicht nur wegen des atemberaubenden Bergpanoramas, sondern auch aufgrund einer seltsamen Entdeckung: Auf einer Wanderung fand er im Gras einen grünlich schimmernden, raketenförmigen Gegenstand. «Weiss jemand von euch, was das ist?», fragt er die Facebook-Community.

Umfrage
Sind Sie schon einmal auf einen Blindgänger oder Munitionsreste gestossen?

«Es sieht militärisch, gleitfähig und explosiv aus», meint User Mario von Berg. Oliver Höfinghoff tippt auf Flares beziehungsweise deren Hülsen, womöglich von einem Helikopter stammend. Marcus Schwarz dagegen glaubt an die Übungsrakete einer Panzerabwehr-Waffe. Patrick Steinke wiederum schliesst nicht aus, dass es sich um etwas «Scharfes» handelt und würde deswegen zusehen, «dass ich paar hundert Meter Abstand gewinne».

Leute nehmen Blindgänger manchmal mit

Tatsächlich handelt es sich um die Überreste einer Übungsrakete 64 (Urak 64), wie die Schweizer Armee auf Anfrage bestätigt. «Diese Munition wird seit mehreren Jahren nicht mehr verwendet», sagt Armeesprecher Daniel Reist. Im konkreten Fall sei vom Fundobjekt keinerlei Gefahr ausgegangen. «Es war kein Explosivstoff mehr drin», so Reist.

Je nach Gelände könne es sehr lange dauern, bis Munitionsgegenstände – etwa nachdem sie durch Steine abgelenkt worden sind – von jemandem gefunden werden.

Nicht immer würden die Leute bei solchen Funden verantwortungsvoll handeln. «Manchmal packen sie den Blindgänger in ihren Rucksack und legen ihn später irgendwo wieder ab», sagt Reist.

573 Blindgängermeldungen im letzten Jahr

Stattdessen empfiehlt die Armee, die Gegenstände nicht zu berühren, sondern lediglich zu markieren und der nationalen Blindgänger-Meldezentrale (BMZ) mit Foto und Koordinaten zu melden. Dies wurde auch im vorliegenden Fall getan. «Mitarbeiter des Kommandos für Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung (Kamir) waren am Montagmorgen damit beschäftigt, das Objekt zu beseitigen», sagt Reist.

2016 gingen bei der BMZ landesweit 573 Meldungen ein, wie aus einer Armee-Statistik hervorgeht. Der Kanton Graubünden findet sich mit 84 Meldungen auf Platz zwei. Nur aus dem Kanton Bern wurden der Behörde noch mehr Blindgänger gemeldet (126). Blindgänger und Munitionsreste finden sich häufig auf Schiessplätzen, in Zielgebieten in den Bergen und auf Gletschern.

500 bis 700 Blindgängermeldungen pro Jahr

Insgesamt beseitigt – also nicht nur aufgrund von Blindgängermeldungen, sondern auch im Rahmen von regelmässig stattfindenden Geschoss- und Aufräumaktionen auf Schiessplätzen und in Zielgebieten der Schweizer Armee – wurden letztes Jahr 2101 Blindgänger respektive Munitionsstücke.

Prominent vertreten ist auch die Übungsrakete 64. Ganze 209 Stück wurden gefunden. Nur von der Sprengkapsel Nr. 8 wurden noch mehr Exemplare eingesammelt.

Wie die Armee weiter festhält, hat sich die Anzahl der Blindgängermeldungen in den letzten zehn Jahren zwischen 500 und 700 Meldungen pro Jahr bewegt. Die Anzahl Meldungen sei in dieser Zeit kontinuierlich zurückgegangen.

(sul)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 09.10.2017 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sammeln

    Als Jungs haben wir die Dinger eingesammelte und im Kinderzimmer aufgestellt. Das waren noch schöne Zeiten als wegen sowas nicht gleich auf Panik gemacht wurde.

    einklappen einklappen
  • Lord of War am 09.10.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Deko

    Mitnehmen und auf tutti verticken, gibt es da gerade auch für 120Fr zu kaufen, die Ürak 83mm.

  • Fred vom Mars am 09.10.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Früher

    Als früher im Zürcher Reppischtal noch Rackrohre geschossen wurde , konnte man solche dinger zuhsuf aus dem Boden ziehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Don jonson am 10.10.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Warum waren die grün?

    Hatte mich damals schon immer gefragt.. Gefärbtes Metall?

    • Thomas am 10.10.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo Don

      Die Ue-Rak ist aus Aluminium, diese wurde grün eloxiert.(Oberflächenbehandlung, galvanisches Verfahren). Und weil die Armee grün liebt..

    einklappen einklappen
  • karl schwendi am 10.10.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    die gipsköpfe

    ach ja die gipsköpfe... oder silberfische (URAK64). hatten wir auch zuhause rumliegen. heute kennt man diese dinger halt nicht mehr. da ist es naheliegend, dass man davon ausgeht die dinger seinen noch explosiv

  • Wörni am 10.10.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die Armee ein Blindgänger?

    Bei dieser hohen Anzahl an verlorengegangenen Blindgängern frage ich mich, ob es vielleicht sein könnte, dass die beste Armee der Welt auch ein Blindgänger ist... ein bisschen mehr Kontrolle über die eigenen Bestände dürfte man wohl schon erwarten. Immerhin wurden wir im Militär bestraft, wenn wir einen HG-Ring behielten - als ob das Ding eine Gefahr darstellte...

    • Anti Wörni am 10.10.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Arme

      Das Ist kein Blindgänger.. Das ist die Antriebsrakete, der Sprengkopf ist weg. Also ausgebrannt und ungefährlich.

    einklappen einklappen
  • HomerJ am 10.10.2017 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Die Dinger gibt es wie Sand am Meer. Zuhause steht eine als Deko bei mir in der Vitrine.

  • Faules Schwein am 10.10.2017 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Panzerabwehhr

    Fand ich des öfteren in Sandbeete, nahm sie nach Hause , verchromte sie und fertig war das Sparschwein. ;-)