Nationalrat

14. Dezember 2016 11:39; Akt: 14.12.2016 13:30 Print

Junge sollen deutlich weniger Prämien zahlen

Die Last der Krankenkassenprämien soll für Familien stark sinken – wenn es nach dem Willen des Nationalrats geht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Nationalrat hat heute konkrete Massnahmen beschlossen, um die Prämienlast der Familien zu senken. Die 19- bis 25-Jährigen sollen via Risikoausgleich entlastet werden. Heute wird nur rund ein Drittel der Prämien dieser Altersgruppe für medizinische Leistungen aufgewendet, den Rest zahlen die Krankenkassen in den Risikoausgleich ein.

Diese Einzahlungen sollen um 50 Prozent reduziert werden. Das erlaubt den Krankenkassen, Prämienrabatte von schätzungsweise 92 Franken pro Monat zu gewähren, wie Kommissionssprecherin Ruth Humbel (CVP/AG) sagte. Auf der anderen Seite würden die Prämien Erwachsener um rund 10 Franken steigen.

Tiefere Kinderprämien

Dank der Entlastung sind aber weniger junge Erwachsene auf Prämienverbilligungen angewiesen. Dadurch sparen die Kantone laut Humbel schätzungsweise 70 bis 75 Millionen Franken. Dieses Geld sollen sie für die Subventionierung der Kinderprämien von Familien mit tiefen und mittleren Einkommen einsetzen: Der Nationalrat verpflichtete die Kantone, Kinderprämien um mindestens 80 Prozent zu verbilligen. Heute sind es 50 Prozent.

Die Mehrheit von SVP und FDP wollte beim geltenden Recht bleiben. «Es ist an den Kantonen, zu entscheiden, ob sie mit den Einsparungen Prämienverbilligungen finanzieren wollen oder nicht», sagte Bruno Pezzatti (FDP/ZG). Das Föderalismus-Argument sei bloss eine Verschleierung der Tatsache, dass man nichts für die Familien machen wolle, kritisierte Barbara Gysi (SP/SG).

Gesundheitsminister Alain Berset unterstützte das Anliegen. Auch der Bundesrat wolle, dass sich für die Familien etwas verändere, sagte er. Mit 96 zu 91 Stimmen bei 4 Enthaltungen setzten sich die höheren Prämienverbilligungen für Kinder nur knapp durch.

SVP sieht keinen Handlungsbedarf

Die SVP hatte ohnehin keinen Handlungsbedarf gesehen und beantragt, nicht auf die Gesetzesänderung einzutreten. «Wir wollen keine zusätzliche Entlastung von Kindern und jungen Erwachsenen», erklärte Toni Brunner (SG). Sonst würden die Erwachsenen noch stärker belastet, was angesichts der ohnehin steigenden Prämien unverantwortlich sei. Der Nationalrat lehnte den Antrag der SVP auf Nichteintreten mit 116 zu 60 Stimmen bei 13 Enthaltungen ab.

Die SP scheiterte mit dem Antrag, einen neuen Risikoausgleich für Kinder einzuführen. Mit diesem wollte die Fraktion die Solidarität unter den Kindern stärken und einer Risikoselektion vorbeugen. Auch unter Kindern gebe es sehr schwere Krankheiten, deren Behandlung von der Grundversicherung gedeckt werden müsse, sagte Gysi. Heute unterstehen Kinder nicht dem Risikoausgleich.

Die Gesetzgebungsarbeit geht auf zwei parlamentarische Initiativen zurück. Beide haben zum Ziel, die Last von Familien durch Krankenkassenprämien zu verringern. Die Vorlage geht nun an den Ständerat.

(rub/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Richter am 14.12.2016 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzloses agieren des Parlament

    Und weiter geht das gebastel mit den Krankenkassenkosten. Statt einer nachhaltigen soliden Lösung und eine gute Vorsorge für die Bevölkerung zu erarbeiten geht das Flickwerk der Politiker weiter. Ich frage mich schon zu was das Parlament in Bern eigentlich noch sinnwoll ist. Ausser der Verschwendung von Steuergelder wird dort eigentlich seit Jahren nichts sinnvolles mehr proziert.

  • Heulsuse am 14.12.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bei allem Verständnis für Familien

    aber für wen und was soll ich noch alles zahlen? Jahr für Jahr steigen die Belastungen (höhere Steuern für neue Schulen, ÖV, Krankenkasse, weniger BVK usw.) und der Lohn wird immer weniger. Zudem schaue ich, dass ich nur dann zum Arzt gehe, wenn ich auch muss. Mir stinkts.

    einklappen einklappen
  • Rechnung am 14.12.2016 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Milchbüechli

    Wer zahlt dann die Differenz? Wenn einer weniger zahlt, muss der andere mehr bezahlen, um die Differnz auszugleichen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mäsi80 am 14.12.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsvorschlag

    Ich wäre für ein Bonus system, wer weniger kosten verursacht soll weniger zahlen.

    • Ramoc am 14.12.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mäsi80

      Unter dem Motto "jeder ist selber schuld, dass er krank wurde". Würde dann jede Frau nach der Geburt den Bonus verlieren? Kein guter Vorschlag, sorry

    einklappen einklappen
  • fräulein wunderbar am 14.12.2016 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ampel auf rot

    Ich hab von diesen Dingen nun wirklich keinen Plan, aber kann man das nicht anders lösen..anstatt dass der andere immer der gelackmeierte ist? Ich als Lehrling sehe rot..ich frage mich wie man das alles schaffen kann wenn man so auf sich alleine gestellt ist...Riesen Dank an meine Eltern!

  • Anubis am 14.12.2016 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber nein

    Da sieht man wie wichtig es ist wen man wählt. Ich wähle nur noch nicht Akademiker und Büezer in den Nationalrat. Die Jungen haben heute alles, sie können sich immer das neueste Handy leisten und fahren als Erstfahrzeug schon einen fetten BMW. Die Familien und Geschiedenen Mütter und Vätter müssen entlastet werden nicht die Jungen.

    • Michel7 am 14.12.2016 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anubis

      Wieso muss immer die Familie entlastet werden? Alle sollten entlastet werden. Streicht die Prämien der Broker, das spart mindestens Millionen!

    • Anubis am 14.12.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michel7

      Weil sie grösste Verantwortung in der Gesellschaft tragen und unsere Zukunft sind und weil der Volkswirtschaftliche Nutzen von Schweizer Kindern den meisten noch gar nicht bewusst ist und weil eine Mutter und ein Vater nicht die Wahl haben ob es heute Brot mit Mayonnaise gibt oder Wurst mit Rösti, da Kinder jeden Tag etwas anständiges brauchen.

    • Michel7 am 15.12.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anubis

      Das Leben dreht sich nicht nur um Verantwortung und Wirtschaft. Ein Kind kostet, man entscheidet sich freiwillig dafür. Also tragen Sie die Kosten bitte mit. Oder Finden Sie es fair, dass wir Kinderlose Ihre Kosten tragen müssen, damit Sie entlastet werden?

    • Anubis am 15.12.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michel7

      Diese Meinung hört man viel aber spätestens wenn man Alt wird zahlen die Kinder von den Eltern die sich dafür entschieden haben den Kinderlosen die AHV. Sie sind ebenfalls die Konsumenten der Zukunft. Das Egosistem geht ohne Kinder nicht auf ausser wir importieren Sie.

    • Michel7 am 15.12.2016 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anubis

      Jaa, vor 60 Jahren gab es auch sehr viele Kinder. Diese sind nun Pensioniert und beziehen Renten und reissen ein Loch in die Sozialwerke. Heute mehr Kinder zu kriegen und dies zu kompensieren führt nur dazu, dass die nächste Generation diesbezüglich noch grössere Probleme haben wird. Also, anstatt das heutige Symptom zu bekämpfen sollte man einen Weg suchen, das Problem generell zu lösen.

    einklappen einklappen
  • Siegrist C. am 14.12.2016 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sparmassnahmen

    Es ist schade das es kein Forum gibt bei dem "normale" Menschen ihre Sparvorschläge deponieren könnten. Ich sehe sehr viel Sparpotenzial kann es aber niergends anbringen. Das Volk würde gerne mitdenken...aber wie so oft lässt man es nicht Schade.

  • Roland Hegglin am 14.12.2016 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Job

    Wenn man vor lauter Wald den Baum nicht sieht. Man löst ein Problem und schafft zwei neue Probleme. Das Gesundheitswesen ist ein Milliarden Markt, wer will da auf die Gewinne verzichten. Was die Politik betreibt ist der Schutz vom Gesundheitskartell, und die Spaltung der Generationen.