Schwerer Stand für Hausmänner

02. August 2017 12:33; Akt: 02.08.2017 12:33 Print

«Teilzeit-Männer gelten als schwach – so ein Unsinn»

von D. Pomper - Die meisten Frauen wollen keine Hausmänner, und Männer keine Karriere-Mütter. Clivia Koch, Präsidentin der Wirtschaftsfrauen Schweiz, weiss, warum.

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Frau Koch, die Mehrheit der Schweizer wünscht sich, dass Mann und Frau erwerbstätig sind und sich beide gleich viel um Haushalt und Kinder kümmern. Doch die meisten Mütter wollen gar nicht Vollzeit arbeiten und Väter nur beschränkt reduzieren. Ist das nicht widersprüchlich?
Junge Männer und Frauen teilen sich die Hausarbeit jahrelang partnerschaftlich auf und arbeiten beide etwa gleich viel. Doch sobald Kinder da sind, verfallen sie in die klassische Rollenverteilung der Eltern. Das sind Verhaltensweisen und Reflexe, die wir in uns tragen. Im Gegensatz zu den Tieren können wir diese überwinden – aber nur, wenn wir ein grosses Bewusstsein dafür haben.

Wie meinen Sie das?
Wir entscheiden uns für den Status quo, weil wir wissen, dass es so funktioniert. Das haben wir bei unseren Eltern gesehen. Stattdessen sollten wir mutiger sein und neue Wege ausprobieren. Es ist eigentlich wie beim Fussball: Entweder machen wir hinten zu, um das Risiko zu minimieren, ein Goal zu kassieren. Oder aber wir gehen das Risiko ein, damit wir selber ein Tor schiessen können.

Was ist denn so schlimm daran, dass die meisten Frauen nur Teilzeit arbeiten wollen, wenn sie Kinder haben? Hauptsache, sie sind glücklich, oder nicht?
Das mit dem Glücklichsein ist recht kurzfristig gedacht. Was ist, wenn wir in eine Wirtschaftskrise schlittern, der Partner erkrankt oder stirbt? Wenn beide arbeiten, lastet das Risiko nicht länger nur auf den Schultern des Mannes. Das entlastet auch ihn vom Versorgungsdruck.

Muten sich die Männer zu viel zu?
Karriere und Erfolg sind bei Männern positiv besetzt. Geben sie hier nicht Vollgas, droht der Statusverlust.

Scheuen sich deshalb viele Männer davor, beruflich kürzer zu treten?
Ich habe bei einem Workshop einen jungen Mann kennengelernt, der sehr gern auf 80 Prozent reduziert hätte. Doch er befürchtete, von seinen Kollegen nicht mehr ernst genommen zu werden, das Gesicht zu verlieren. Männer, die weniger als 100 Prozent arbeiten, signalisieren Schwäche. Beide Geschlechter laufen Gefahr, vom Radar ihres Vorgesetzten zu fallen, wenn es um spannende Projekte oder Beförderungen geht. Was natürlich totaler Blödsinn ist. Wir sollten im Job eine Ergebniskultur leben und nicht eine Präsenzkultur.

Die meisten Frauen wollen zwar einen Mann, der sich um Familie und Haushalt kümmert. Aber weniger als 80 Prozent soll er nicht arbeiten, finden die meisten. Und einen Hausmann wollen sie schon gar nicht. Warum nicht?
Auch ich beobachte, dass viele Frauen zwar für Gleichberechtigung im Berufs- und Privatleben plädieren. Doch gleichzeitig wollen sie auch einen reichen, starken Mann, mit dem sie sich zeigen können. Vielleicht ist auch das ein innerer Drang, den es zu überwinden gilt.

Während Frauen keine Hausmänner wollen, wollen die meisten Männer keine Karriere-Mamis. Warum nicht?
Oh, das ist viel zu anstrengend. Da haben sie ständig Auseinandersetzungen, müssen mehr organisieren und persönlich vielleicht auch mal zurücktreten. Als mein ehemaliger Partner erfuhr, dass ich mehr verdiente als er, hat er eine Woche lang nicht mit mir gesprochen. Und ich hatte noch gedacht, jetzt macht er einen Champagner auf! Als wir uns trennten, sagte er mir, dass er nie mehr eine Business-Frau wolle. Er hatte danach eine Künstlerin. Es wurde aber nicht weniger anstrengend, glaube ich.

Blicken wir in die Zukunft: Wird es in Zukunft mehr Karriere-Mamis und Hausmänner geben – oder entspricht das einfach nicht unserer Natur?
Ich glaube, dass sich die Rollenbilder sehr langsam ändern werden. Der Wandel hängt auch vom wirtschaftlichen Druck ab. In konservativen Ländern wie Italien oder Spanien ist die Gesellschaft berufstätigen Frauen gegenüber weniger kritisch eingestellt. Schlicht und einfach deshalb, weil sie von ihnen abhängig ist. Schlussendlich ist es auch im Interesse der Schweiz, Frauen im Arbeitsleben zu behalten.

Warum?
Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz sichern. Ausserdem bilden wir Millionen Frauen aus. Anstatt neue Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen, sollten wir das brachliegende Potenzial nutzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.Hust am 02.08.2017 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sharing

    Seit unser Kind geboren wurde, arbeite ich noch 80% und meine Frau 40%. Einen Tag in der Woche schauen unsere Eltern (abwechselnd) auf das Kind und ich den anderen Tag. Das Geld reicht so ganz gut. Das ganze läuft seit einem halben Jahr so und wir sind beide zufrieden. Mir würde es jedoch wieder sehr Mühe bereiten auf 100% zu erhöhen, hätte nie gedacht, dass eine 4-Tages Woche so viel mehr bringt! Falls die Möglichkeit besteht, kann ich es nur jedem empfehlen. Pfeift auf das Geld, die gewonnene Zeit/Möglichkeiten machen dies definitiv wett.

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  • Martin S. am 02.08.2017 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist auch eine finanzielle Frage

    Im Vordergrund steht nicht was man will sondern was man sich leisten kann. Priorität müsste das Kindswohl haben. Wenn man es sich also leisten kann sollte ein Kind die Nähe zur Mutter erleben dürfen und den Vater nicht nur als ausgebranntes Frack von der Arbeit her kennen. Beide sind wichtig für die Erziehung, die Mutter jedoch wichtiger. Nicht weil es gewisse Politiker so wünschen sondern weil es in unserem Urinstinkt ist.

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  • Peter Notfallpfleger am 02.08.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das nur für eine Zwängerei?

    Die Mutterschaft liegt in der Natur der Frau, als Folge davon auch die genetische Rolle des Mutterseins! Warum tun wir uns so schwer damit, diese Rolle weiterhin zu akzeptieren! Es ist doch schön, wenn Mütter gute, interessierte Mütter sind! Wenn sie dann auch noch bis 50 % ihren erlernten Beruf weiter ausüben will, ist das grossartig. So geht die Investition ins berufliche Wissen nicht verloren und sie bleibt dem Arbeitsmarkt erhalten! Da müssten Mütter geschützt werden! Aber diese Zwängerei der windelwechselnden Vollarbeitszeitpapis ist mühsam! Lasst die Papis weiter einen guten Job tun!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pepe am 02.08.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Ich kenne noch Mütter die 50% arbeiten, obwohl die Kinder schon 11 sind. Dann aber "jammern" wenn das Geld für nichts reicht. Mal ehrlich, mit 11 braucht man nicht eine Mutter die 50% daheime rumwerkelt. Die Kinder können auch 1-2h alleine zuhause sein bis die Eltern nach hause kommen. Klar, ich würde auch am liebsten die ganze Zeit Zuhause bleiben bei meinen Töchtern, aber dann reicht es vermutlich nicht mehr für die Hypothek, für Ferien auch nicht und auch für sonst nicht so viel. Dann arbeite ich lieber 80% und man lebt nicht an der Armutsgrenze.

  • SP am 02.08.2017 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    An alle die meinen, das "Muttersein" liege in der Natur der Frau: Ich komme aus einer Familie, in der die Mutter vorwirgend für den finanziellen Unterhalt gesorgt hat und der Vater "nur" selbstständig tätig war und die Mehrheit des Haushalts erledigt hat. Sie waren beide tolle Eltern! Meiner Meinung nach hat das weder mir noch meiner Schwester geschadet. Wir sind beide "ganz normale" junge Frauen geworden. Für meine Zukunft wünsche ich mir eine Aufteilung der Aufgaben zwischen meinem Partner und mir. Ich kann mir gut vorstellen, den Mutterschaftsurlaub etwas zu verlängern (6-12Monate), danach möchte ich aber etwa 60% arbeiten. Mein Partner sollte dann auch nicht mehr als 80% beschäftigt sein.

  • wianve am 02.08.2017 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit zu Hause

    Als unsere Kinder zwei- und einjährig waren, blieb ich zuhause, weil ich niemand für die Betreuung der Kinder hatte. Mein Mann verstand nicht, warum ich nicht nebenbei Berufstätig war. Also nahm ich eine Arbeit am Samstag an, damit er die Kinder betreuen konnte. Es sei ja eh ein Schoggijob einfach nur mit den Kindern am Sandkasten zu sitzen. Ich lies mich nicht zweimal bitten. Wer nach ein paar Samstagen flehend um Aufgabe der Berufsarbeit bat, war mein Mann. Lieber gehe er arbeiten, als einen Tag alleine mit den Kindern, dass sei ja unglaublich anstrengend. Seither schätzte er meine Arbeit.

  • Peter am 02.08.2017 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Karten wenn man 100% arbeitet

    Solange eine Ehe gut geht, dann ist es völlig egal wer was macht. Kommt es aber zu einer Scheidung, dann ist der Mann in einer schlechten Position, wenn er bis zu 100% arbeitet. Bis vor kurzem bekamen mehrheitlich die Mütter das alleinige Sorgerecht. Das heisst: Die Männer mussten auch hohe Alimenten bezahlen.

  • Berlisch am 02.08.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht...

    Wenn ein Mann mit 50% Gehalt leben kann wieso denn nicht? Ich finde solange sich niemand vom Anderen abhängig macht ist doch egal wer wieviel % arbeitet ! Unsexy ist nur wer durch Faulheit vom RAV abhängig ist und nichts dagegen unternimmt-also sich nicht bewirbt