HSG zeigt Schummler an

06. Januar 2016 12:22; Akt: 06.01.2016 14:49 Print

200 Studenten schrieben ihre Arbeiten nicht selbst

Studierende lassen ihre Arbeiten immer öfter von Ghostwritern schreiben. Die Universität St. Gallen hat reagiert und eine Strafanzeige eingereicht.

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Die Zahl der gekauften Arbeiten nimmt zu: Studenten in der Universität Zürich. (13. April 2015) (Bild: Keystone/Petra Orosz)

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Wenn Studenten ihre Arbeiten abgeben, dann muss dies nicht bedeuten, dass sie sie auch selbst geschrieben haben. Wie die Sendung «Rundschau» des SRF berichtet, boomt das Geschäft von Ghostwritern. Nach Angaben des Senders haben im vergangenen Jahr mindestens 200 Studenten gekaufte Arbeiten an Schweizer Universitäten eingereicht.

Die Uni St. Gallen hat darauf bereits reagiert. Nach Angaben des Prorektors Lukas Gschwend sei eine Strafanzeige eingereicht worden. «Unsere Strafanzeige richtet sich nicht gegen eine spezielle Person, Ghostwriting ist ein Offizialdelikt», sagt Gschwend zur «Rundschau». Die Staatsanwaltschaft St. Gallen werde nun abklären, wer in welcher Form beteiligt ist.

Merkblätter ergänzt

Zudem würden die Studierenden darauf hingewiesen, dass Ghostwriting ein schwerwiegendes Vergehen ist, schreibt HSG-Sprecher Jürg Roggenbauch in einer Mitteilung. Dies könne sowohl disziplinarische wie auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Die entsprechenden Merkblätter für Studienarbeiten werden deshalb nochmals ergänzt.

«Es wurden in den vergangenen Jahren an der Universität St. Gallen keine Disziplinarverfahren wegen Ghostwritings eröffnet oder durchgeführt, da uns keine Fälle von eingereichten Ghostwriting-Arbeiten bekannt sind», schreibt Roggenbauch. Man nehme die Problematik allerdings sehr ernst. Da die HSG der Ansicht sei, dass bereits mit dem Arbeiten solcher Dokumente die Möglichkeit für das Begehen von Offizialdelikten bestehe, habe man eine Strafanzeige erstattet. Zum Verfahren selbst wollte sich die HSG nicht äussern.

Lohnendes Geschäft

Einer, der Arbeiten für Studenten schreibt, ist Thomas Nemet. Der Geschäftsführer der Acad-Write, der grössten Ghostwriting-Agentur im deutschsprachigen Raum, bestätigt die zunehmende Nachfrage. «200 Studierende aus der Schweiz liessen 2015 ihre Arbeit von uns schreiben.» Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen drei Millionen Franken Umsatz gemacht. Mittlerweile sind 300 Ghostwriter für die Acad-Write im Einsatz und schreiben gegen Bezahlung wissenschaftliche Arbeiten.

Michelle Bergadaà, Genfer Uni-Professorin und Expertin für Plagiate, ist alarmiert. Sie schätzt, dass rund die Hälfte aller Studenten mindestens einen Teil ihrer Arbeit kaufe oder sich zumindest dabei helfen lasse. «10 Prozent lassen sich ausser Einführung, Fazit und Verdankung alles von einer Drittperson schreiben», sagt sie im Bericht. Sie fordert, dass die Universitäten härter gegen Schummler vorgehen.

Haben Sie selbst einen Teil Ihrer Arbeit von jemand anderem schreiben lassen? Oder sind Sie ein Ghostwriter? Melden Sie sich auf redaktion@20minuten.ch und geben Sie Ihre Telefonnummer an – auf Wunsch werden wir Sie selbstverständlich anonymisieren.

(dia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • petra am 06.01.2016 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Beachtlich

    An der Uni Zürich und sogar an der ETH werden die Arbeiten kaum überprüft, DAS ist schon eher drastisch. Gut dass die HSG handelt.

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  • Nanana am 06.01.2016 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Und die behaupten immer sie seien die besten ;-)

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  • VosoV am 06.01.2016 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegal?

    Ist es auch illegal als Ghostwriter zu arbeiten oder bloss einen zu engagieren? Ansonsten sollte ich vielleicht einen Berufswechsel vornehmen. Ghostwriting ist ziemlich lukrativ und ich schreibe für mein Leben gerne wissenschaftliche Arbeiten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial Kohler am 07.01.2016 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Prestige Studium !

    HSG, eine Uni für Fils/Filles à Papa... Es braucht nicht unbedingt sehr viel Intelligenz, nur genug Kohle vom Senior, that's it...!

  • D. H. am 06.01.2016 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Delegationsprinzip

    Setzen das Gelernte eben direkt in die Tat um. Zumindest einige mit offenbar grossem Portemonnaie und wenig Skrupel.

  • KHMeier am 06.01.2016 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dr

    In den USA ist das Verhältnis Professor zu Studenten 1:12, bei Doktorarbeiten 1:4, optimale Betreuung ist garantiert, Schummelei unmöglich. Bei uns besteht ein Verhältnis von 1:500, das sagt schon alles... Eine Kuh wird pro Jahr mit Fr. 6'000 subventioniert, ein Schüler/Student mit Fr 3'500, ich wusste bis dato nicht, welch klugen Kühe bei uns grasen und nebenbei Doktorarbeiten verfassen....

  • Klempnerin am 06.01.2016 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rohre verlegen

    Es liegt einfach daran, dass auf den Klos der Uni kein warmes Wasser fliesst...

    • Martial Kohler am 07.01.2016 18:39 Report Diesen Beitrag melden

      Warm Duscher ?

      Selbst mit warm Wasser würden sie die Hände nicht waschen. Gehört zum besseren Ton, man ist unter sich...!

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  • TimTam am 06.01.2016 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was mich noch interessieren würde...

    Haben Studenten welche Ghostwriter beauftragen ihre eigenen Arbeiten zu verfassen, keine Bedenken sich so in Zukunft erpressbar zu machen?

    • Geldesel am 06.01.2016 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Papi zahlt

      Dann zahlt der Papi halt an die Erpresser. Diese Familien wissen das alles seinen Preis hat den man bezahlen muss.

    • Vanessa am 07.01.2016 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Die Agentur hat sicher

      kein Interesse ihre Kunden zu verlieren.

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