Vaterschaftsurlaub

25. Mai 2016 08:45; Akt: 25.05.2016 08:45 Print

«Vier Wochen Ferien für Papis? Nützt doch nichts!»

Väter sollen zwanzig Tage Ferien erhalten, fordert eine Initiative. Teilzeitarbeit aber würde die Vater-Kind-Beziehung mehr stärken, sagen Politiker.

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Stefan Müeller-Altermatt, Präsident Transfair, Markus Theunert, Generalsekretaer Maenner.ch, Clivia Koch, Vorstand Alliance F, Adrian Wüthrich, Präsident Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt!» und Präsident Travailsuisse, Arnos Kest, Präsident Syna, und Gerhard Andrey, Liip AG (von links nach rechts), lancieren am Dienstag, 24. Mai 2016 in Bern die Volksinitiative für einen vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Auch die Vätervereinigung Avanti Papi, hier an einer Kundgebung für familienfreundliche Wohnungen in der Stadt Zürich vom 29. September 2001, unterstützt die Initiative. Der Gründer Michael Gohlke sagt, ein Vaterschaftsurlaub sei dringend nötig, da die Schweiz neben Albanien und Irland mittlerweile das einzige europäische Land sei, das einen solchen noch nicht kenne. Marcel Dobler, FDP-Nationalrat und zweifacher Vater, hält von einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub nicht viel: «Damit werden purer Aktionismus und Klientelpolitik betrieben.» Der Appenzeller FDP-Ständerat Andrea Caroni findet es grundsätzlich wichtig, dass Väter von Anfang bei ihren jungen Familie sein und in voller «väterlichen Verantwortung» stehen könnten. Dafür müssten aber nicht die Sozialwerke ausgebaut, sondern der heutige Mutterschaftsurlaub in Richtung eines sogenannten Elternurlaubs geöffnet werden. Der grüne Nationalrat Jonas Fricker und bald dreifache Vater meint: «Es ist eine Illusion, dass ein Vater in der kurzen Zeit des Vaterschaftsurlaubs eine enge Beziehung zum Kind aufbauen kann.» Dennoch sei der Vaterschaftsurlaub ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nationalrat Martin Candinas (CVP, GR) unterwegs auf einer Wanderung am 4. August 2015 in Laus. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

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Der Startschuss ist gefallen, die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» läuft. Die Initiative will, dass Väter innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes flexibel und tageweise vier Wochen Vaterschaftsurlaub beziehen können.

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Was halten Sie von den geforderten vier Wochen Vaterschaftsurlaub?
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26 %
6 %
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Insgesamt 5065 Teilnehmer

Auch die Vätervereinigung Avanti Papi unterstützt die Initiative. Ihr Gründer Michael Gohlke sagt, ein Vaterschaftsurlaub sei dringend nötig, da die Schweiz neben Albanien und Irland mittlerweile das einzige europäische Land sei, das einen solchen noch nicht kenne. «Väter sollen sich von Beginn an am Elterndasein erfreuen und die Lasten der Elternschaft mit der Mutter teilen», sagt Gohlke. Ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub sei dabei wichtig – habe doch die vor allem an der Privatsphäre ausgerichtete Familienpolitik keine echten Fortschritte gebracht. Die vier geforderten Wochen seien zwar noch nicht viel, aber immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung. Langfristig müssten sich die Väter vermehrt in der Betreuungsarbeit engagieren.

Teilzeitstellen und Elternurlaub

Der FDP-Nationalrat und zweifache Vater Marcel Dobler hält von einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub nicht viel: «Damit werden purer Aktionismus und Klientelpolitik betrieben. Was ist dieser Monat Ferien genau ausser einem Geschenk und nice to have?», fragt Dobler. Ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub stärke die Beziehung zwischen Kind und Vater kaum nachhaltig. Nachhaltiger wäre es laut Dobler stattdessen, wenn die Unternehmen bei Vätern Teilzeitstellen förderten. «Nur wenn der Vater auch im Alltag Zeit mit dem Kind verbringt, kann er seine Vaterrolle stärker wahrnehmen.»

Der Appenzeller FDP-Ständerat Andrea Caroni findet es grundsätzlich wichtig, dass Väter von Anfang bei ihren jungen Familie sein und in voller «väterlichen Verantwortung» stehen könnten. Dafür müssten aber nicht die Sozialwerke ausgebaut, sondern der heutige Mutterschaftsurlaub in Richtung eines sogenannten Elternurlaubs geöffnet werden. Zudem könne ein Vater auch seine Ferien auf die Geburt des Nachwuchses legen oder um unbezahlten Urlaub ersuchen. «Die Aufteilung und Regelung der Kindererziehung ist keine Frage des Staates, sondern primär eine der Selbstverantwortung.»

«Ein erster Schritt in die richtige Richtung»

Der grüne Nationalrat Jonas Fricker und bald dreifache Vater meint: «Es ist eine Illusion, dass ein Vater in der kurzen Zeit des Vaterschaftsurlaubs eine enge Beziehung zum Kind aufbauen kann.» Dennoch sei der Vaterschaftsurlaub ein erster Schritt in die richtige Richtung. «Da der Urlaub die Väter früh mit der Familienarbeit vertraut macht, ist es wahrscheinlich, dass sie später auch mehr Familienarbeit übernehmen und damit eine stärkere emotionale Beziehung zum Kind aufbauen.»

Entstanden als eine Reaktion auf die Ablehnung einer parlamentarischen Initiative für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub von CVP-Nationalrat Martin Candinas (GR), wird die Initiative von den von den vier Dachverbänden Travailsuisse, Männer.ch, Alliance F und Pro Familia getragen. Die Frist der Unterschriftensammlung läuft am 24. November 2017 aus.

(jh/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 25.05.2016 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Aber aber aber

    so und jetzt wieder alle Wirtschaftsfreaks zusammen: Wer soll das finanzieren "heul" "schluchz" mimimimimimi Unser Leben dreht sich nur um Geld und der Rest ist egal blablablablabla Wieso mehr Ferien wenn weniger Geld...oh so schlimm, die Finanzen, und das Geld, und was ist mit den armen Firmen... Ich hoffe ich sterbe eines Tages mit 2Mio. aufm Konto... denke das wird mich glücklich machen... Viel mehr als 4 Wochen mit meinem Kind zu verbringen... Ich hoffe irgendwann kommen wir von unserer kranken Geldgeilheit weg...

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  • Chichi am 25.05.2016 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Hab selber keine Kinder, aber wäre der Vater nicht eine grosse Unterstützung für die Mutter in dieser Zeit?

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  • Marco am 25.05.2016 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar

    Natürlich möchte der Arbeitgeber lieber Teilzeitschaffende. Weniger PK/AHV Beiträge zahlen, am besten die 90% angestellten die dann doch 100% arbeiten. Man gönnt hier in diesem Land den Eltern nichts. Es ist beschämend, das Wirtschaften wie Schweden über 400 Tage aufbringen können aber hier scheint nichts möglich zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MM am 26.05.2016 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Macht der Frauen

    Die Frauen haben einen 14-wöchigen und von der Allgemeinheit bezahlten Mutterschaftsurlaub. Trotzdem sind viele Frauen gegen einen 4-wöchigen Vaterschaftsurlaub. Der Grund dürfte folgender sein: Die Frauen wollen ihre Macht die sie zusammen mit den Kindern gegen den Vater ausüben können nicht aus der Hand geben. Aber das ist nur noch eine Frage der Zeit bis die Frauen ihre vielen Privilegien eins nach dem anderen abgeben müssen.

    • BB am 26.05.2016 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Anerkennung

      Wenn sie schon Kinder hätten dann wüssten sie dass ein Mutterschaftsurlaub keine Ferien sind! Empfohlen wird 6 Monate zu stillen da wäre es eigentlich richtig dass Mütter 4 Wochen mehr bekämen!! In dieser Zeit leistet eine junge Mutter enorm viel!!!! Es wäre schön wenn Männer das mehr anerkennen würden!!

    • MM am 26.05.2016 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BB

      Da muss ich sie aber fest enttäuschen. Ich habe selber Kinder und hüte jede Woche noch zusätzlich 3 Kinder. Deshalb weiß ich genau wie der Hase läuft. Jetzt kommen zuerst die Männer mit dem 4-wöchigem Vaterschaftsurlaub an die Reihe. Leider wollen die Frauen immer mehr und mehr.

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  • s.elbstständig am 26.05.2016 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    oje. Hat die arme Mutter nebst dem Neugeborenen noch einen gelangweilten Mann zu Hause

    • MM am 26.05.2016 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @s.elbstständig

      Deine Bemerkung ist nicht brauchbar. Du hast den Puck nicht verstanden.

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  • Emma Peel am 26.05.2016 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterschaftsurlaub

    Liebe Männer Nehmt doch diesen Urlaub wenn eure Söhne so 12 Jahre alt sind. Sie brauchen dann einen Vater moch viel mehr!!! Und einen der dann nur noch extrem Sport alleine betreibt und nie Zeit hat!!

    • Chloeni am 26.05.2016 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Emma Peel

      Aber bitte auf eigene Kosten, denn die moisten haben 4 Wochen und mehr Ferien, sowie bezahlte Feiertage, 13.Mt.Lohn.......na? wer soll das bezahlen.....laeck ist das eine unzufriedene Abzogger-Gesellschaft...keine Ahnung woher die Kohle kommt.....wie wird denn die naechste Generation, welche diese in die Welt setzt?

    • Emma Peel am 26.05.2016 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Emma Peel

      Ich meinte natürlich keinen der nur noch Zeit für sich alleine beansprucht!!sorry

    • MM am 26.05.2016 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Emma Peel

      Von einer Frau hätte ich einen anderen Vorschlag erwartet. Nicht jede Frau nur weil sie eine Frau ist, ist auf der Höhe.

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  • PM am 26.05.2016 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Männer generieren genügend Geld

    Dank der Umverteilung erhalten die Frauen über eine Vielzahl von Kassen und Gesetzen 15 bis 20 Milliarden Franken jährlich von den Männern. Das heißt: Die Männer generieren genügend Geld, dass es für einen 4-wöchigen Vaterschaftsurlaub reicht.

    • Jessaes am 26.05.2016 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      @PIM

      Absolutely not.....Geld generiert, umverteilt ,zweckentfremdet, stiehlt man nicht, sondern verdient es, oder eben nicht

    • PM am 26.05.2016 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jessaes

      Ja das ist hart verdientes Geld das den Männern weggenommen wird, damit die Frauen mit 64 statt mit 68 in die Pension gehen können. Bei den Krankenkassenprämien würden die Frauen im Schnitt pro Jahr ca. 1000 Franken höher liegen. Die Männer in der Schweiz werden als Geldesel missbraucht damit die horrenden Mehrkosten der Frauen jährlich gedeckt werden können.

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  • Leser am 26.05.2016 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach!!

    Da haben wir aber ein absolutes Luxusproblem...!!!

    • Willi am 26.05.2016 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Ganz einfach!!!!

      Welches Luxusproblem? Will da wieder Jemand profitieren vom Luxus Anderer, welche ihn hart verdient haben???? Luxus hat man nicht einfach, wenn man nichts leisten will, hat man sich mit dem zufrieden zu geben, das man erntet durch seine Arbeit, schielt aber nicht auf Jene, welche sich durch ARBEITEN mehr leisten koennen. Man bildet sich aus...und weiter...und kann das Leiterli hochsteigen und sich eines Tages etwas leisten, oder bleibt wie der Schuster bei seinen Leisten....ist das so schwierig? NIX UMVERTEILEN, oder ABZOGGEN, selber verdienen, oder veraichten, gell. Gans einfach!

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