Gesundheitswesen

16. August 2017 16:40; Akt: 16.08.2017 18:05 Print

Berset spart halbe Mrd. bei Spezialärzten ein

Die Tarmed-Änderung soll Operationen für Ärzte finanziell weniger interessant machen. Das könnte sich bereits schon nächstes Jahr auf die Prämien auswirken.

Einige Operationen wurden tiefer bewertet: Innenminister Alain Berset spricht über die Anpassung der Tarifstruktur Tarmed in Bern. Video: SDA
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Der Bundesrat kürzt die Vergütungen von Spezialärzten und Spitälern, die ambulante Leistungen erbringen. Mit der Änderung des Ärztetarifs Tarmed spart er ab 2018 fast eine halbe Milliarde Franken. Das könnte sich schon nächstes Jahr auf die Prämien auswirken.

Der Eingriff in die Tarifautonomie von Krankenkassen, Ärzten und Spitälern ist keine Überraschung. Jahrelang haben diese über die Anpassung des Tarifs verhandelt, der die Vergütung ambulanter ärztlicher Leistungen regelt. Einige der rund 4600 Positionen sind unbestritten nicht mehr sachgerecht.

Der Bundesrat beschloss einzuschreiten, nachdem die Tarifpartner die Gespräche letztes Jahr ohne Ergebnis abgebrochen hatten. Dazu sei er gezwungen, weil es sonst ab 2018 keinen Tarif mehr gebe, erklärte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Bundeshausmedien.

Günstigere Operationen

Die Regierung entschied unter anderem, Leistungen, die wegen des medizinischen oder technischen Fortschritts weniger Zeit in Anspruch nehmen, tiefer zu bewerten. Weniger Geld gibt es damit für Operationen des grauen Stars, Darmspiegelungen, Augeninjektionen oder für Radiotherapien.

Ärzte, die Operationen durchführen, erhalten in Zukunft generell weniger Geld. Ihre Vergütungen werden linear um 10 Prozent gesenkt. Damit will der Bundesrat die Produktivität erhöhen und gleichzeitig operative Eingriffe wirtschaftlich weniger interessant machen. Dadurch soll es auch zu weniger unnötigen Eingriffen kommen. Auch die Vergütungen für Anlagen, Geräte und Apparate werden um 10 Prozent gesenkt.

Mehr Geld für Hausärzte

Weiter werden ärztliche Leistungen künftig nicht mehr nach der unterschiedlichen Dauer der ärztlichen Weiterbildung bewertet. Das führt dazu, dass die Leistungen der Grundversorger gegenüber jenen der Spezialisten aufgewertet werden. Schon 2014 hatte der Bundesrat pauschal 200 Millionen Franken von den Spezialisten zu den Haus- und Kinderärzten verschoben.

Der Bundesrat hat auch die Regeln angepasst, mit denen Ärztinnen und Ärzte Leistungen in Abwesenheit des Patienten oder der Patientin abrechnen können. Möglich ist das etwa für das Aktenstudium oder für Gespräche mit Experten oder Angehörigen. In Zukunft müssen diese Leistungen präziser ausgewiesen werden.

Zudem dürfen höchstens 30 Minuten pro Quartal abgerechnet werden. Heute sind es 60 Minuten. Die Leistungen in Abwesenheit stehen im Verdacht, nicht in jedem Fall gerechtfertigt und massgeblich für das Kostenwachstum der letzten Jahre verantwortlich zu sein.

Notfallzuschläge beibehalten

Die Dauer von Grundkonsultationen bleibt auf 20 Minuten beschränkt. Bei kleinen Kindern und älteren Personen ist aber erfahrungsgemäss mehr Zeit für die Behandlung nötig. Bei Patienten unter sechs Jahren und über 75 Jahren dürfen die Ärzte daher 30 Minuten abrechnen. Bei anderen Patienten mit erhöhtem Bedarf können sie die Dauer der Grundkonsultation nach Absprache mit den Versicherern verlängern.

Eine wichtige Korrektur hat der Bundesrat aufgrund der Kritik in der Vernehmlassung gemacht. Zunächst hatte er vorgeschlagen, dass Spitäler mit Notfallstationen keine Notfallzuschläge mehr abrechnen können. Das sollen sie nun aber weiterhin tun können, falls tatsächlich ein bedrohlicher Notfall vorliegt.

Keine Qualitätseinbusse

Die Einsparungen zu Lasten der Spezialärzte und der Spitalambulatorien beziffert der Bundesrat auf 470 Millionen Franken pro Jahr. Mit der Vorlage, die er in die Vernehmlassung geschickt hatte, wären es 700 Millionen Franken gewesen. Das hat unter anderem mit den Anpassungen bei den Notfallzuschlägen und der längeren Grundkonsultation für Kinder und Ältere zu tun.

Der Bundesrat ist überzeugt, dass die Einsparungen die Qualität der medizinischen Leistungen nicht beeinflussen. «Die Versicherten müssen mit keinerlei Einschränkung der Leistungen rechnen», sagte Berset.

Hingegen können sie sich auf etwas weniger stark steigende Prämien freuen. Laut Berset entsprechen die Einsparungen rund 1,5 Prämienprozente. Die Krankenkassen müssen die Tarifänderungen bereits 2018 berücksichtigen.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • paul am 16.08.2017 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    bla bla,

    ich lasse mich überraschen, bisher war alles heisse Luft und die KK jedes teurer. Aber die Medikamenten-Preise werden wieder nicht angerührt? Die ganze Polit-Elite beschützt die Pharmaindustrie und deren Inland-Preise.

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  • Skepsis am 16.08.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst mal schauen

    Berset verspricht Einsparungen von einer halben Milliarde... und Prämiensenkungen - kurz das Blaue vom Himmel.. Wers glaubt. Das will ich dann erst sehen und konkret in meinem Portemonnaie erleben. Geredet und versprochen werden kann viel, wenn der Tag lang ist.

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  • MSCH am 16.08.2017 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es wurde schon so viel versprochen

    ...aber wurde jemals etwas Realität?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CH-Meinung am 20.08.2017 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    ÄRZTE-LÖHNE SIND VIEL ZU HOCH

    Damit diese Fallen müssen auch die KK-Prämien + Franchisen fallen. Man kann nicht einfach weniger Leistungen bieten, und gleicher Lohn beziehen wie bis anhin. ÀRZTE / ZAHNÄRZTE + CHEMIKER + RECHTSANWÄLTE + POLITIKER VERDIENEN EINFACH VIEL ZU VIEL und ist dem Volk ein Dorn im Auge.

  • Realist am 20.08.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    SPAREN + LÖCHER WERDEN IMMER GRÖSSER

    Die Rechnung geht so einfach nicht auf - alles ist nur eine Augenwischerei. KK-Prämien müssen entlich von A-Z für alle wenn schon reduziert werden und die Franchisen ganz wegfallen. Das gesammte Gesundheitswesen inkl. KK kostet das Volk zu viel und kann sich die zusätzlichenn KK-Kosten-Behandlung gar nicht mehr leisten.

  • Niklaus am 20.08.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der Rotstift

    Was nützt einem eine KK wenn man ein solches teueres Gesundheitssystem hat das auf Dauer nicht mehr bezahlbar ist das man jetzt an den Spezialärzten sparen will ist richtig aber leider nur ein Tropfen auf einen heissen Stein es müssen auch die Preise der Operationen genau geregelt werden ist ja unverschämt was die da verlangen.

  • Versicherungsnehmer am 20.08.2017 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Korruption?

    Als BR Berset die Tätigkeit als Bundesrat aufgenommen hat, versprach er dass die KK-Prämien sinken werden. Genau das Gegenteil ist eingetreten. Warum denn das? Zudem hat er das Grundpaket deutlich ausgeweitet statt gestrafft. Kein Wunder dass so jährlich die Prämien steigen. Hinzu kommen noch die überteuerten Medikamente welche im Ausland (zB Deutschland und Spanien) 50% kosten und für die meisten Medi kein Arztrezept notwendig ist. Herr Berset bitte halten Sie ihr versprechen. Danke im Namen der Versicherungsnehmer.

  • Realist am 19.08.2017 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Warum will er jetzt sparen ?

    Damit beim Departement-Wechsel ein Riegel geschoben werden kann - er weiss genau was hnter verschlossenen Türen abläuft, und wie der Haase in zukunft läuft. Das Volk wird von diesem Amtswechsel überhaupt nicht profitieren, und wird auf einer anderen Stufe abgezockt.