Mundtabak

01. November 2016 17:55; Akt: 02.11.2016 15:39 Print

Snus-Konsum beunruhigt Schweizer Zahnärzte

von J. Büchi - Trotz Verbot ist der Snus-Boom ungebrochen. Nun schlagen Zahnmediziner Alarm.

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Unter der Lippe haben sich gräulich-weisse Knubbel gebildet, das Zahnfleisch über dem Eckzahn hat sich zurückgezogen: Mit Bildern wie diesen sind Schweizer Zahnärzte immer häufiger konfrontiert. Leukoplakie heisst die verdickte, hell verfärbte Mundschleimhaut im Fachjargon. Als Ursache gilt der Konsum von Snus, der in der Schweiz derzeit – trotz Verkaufsverbot – einen regelrechten Boom erlebt (siehe Box).

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«Dadurch, dass die Popularität von Snus in der Schweiz innert kurzer Zeit stark zugenommen hat, sind auch die Zahnärzte immer öfter mit den Folgen des Konsums konfrontiert», sagt Christoph A. Ramseier, Oberarzt an der Klinik für Parodontologie der Universität Bern. Zusammen mit weiteren Zahnmedizinern hat er im September in der Fachzeitschrift der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft vor «Beeinträchtigungen der Mundgesundheit» durch Snus gewarnt.

Studie mit Schweizer Rekruten

«Die Mundschleimhaut reagiert sehr empfindlich auf den Tabak und die Giftstoffe in Snus-Produkten», so Ramseier. Bei der Untersuchung von 615 Schweizer Rekruten im Jahr 2010 stellten Forscher achtmal die Diagnose Leukoplakie – alle acht Betroffenen gaben an, Snus zu konsumieren. Eine amerikanische Studie aus den 90er-Jahren beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Snus-Konsumenten an Leukoplakien leiden, auf gut 78 Prozent.

Dr. Marcus Eberhardt, Zentrumsleiter bei zahnarztzentrum.ch in Baden, kennt das Problem aus der Praxis: «Insbesondere in der Altersgruppe zwischen 16 und 20 gibt es vermehrt Snus-Konsumenten.» Fast alle seien männlich, «und viele sind sich der Risiken von Mundtabak nicht bewusst». Es sei deshalb Aufgabe der Zahnärzte, die Risikogruppe ganz genau auf Schleimhaut-Veränderungen zu untersuchen. Während der Zigarettenkonsum bei Patienten bereits heute standardmässig abgefragt werde, passiere das in Bezug auf Snus noch nicht. «Wir diskutieren aber, ob wir die Frage in den Anamnese-Fragebogen aufnehmen sollen.»

Dafür plädieren auch die Autoren des Fachartikels. Sie verweisen darauf, dass viele der praktizierenden Zahnärzte in ihrer Ausbildung nie etwas von Snus gehört hätten – und deshalb auch nicht explizit danach fragten. Das wäre jedoch wichtig, um die Patienten über die Risiken informieren zu können. «Im schlimmsten Fall können die Schleimhaut-Veränderungen in bösartigen Mundhöhlen-Krebs übergehen», warnt Ramseier. Solche Fälle sind dokumentiert – allerdings konnten schwedische Fallstudien einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Snus und dem Auftreten von Mundhöhlenkarzinomen nicht belegen.

«Snus ist nicht gleich Snus»

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, begrüsst die Diskussion. «Ich finde es wichtig, dass die Konsumenten über die Risiken von Snus aufgeklärt werden.» Daraus zu schliessen, dass das Verbot von Mundtabak notwendig ist, ist für ihn aber falsch: «Auch Schoggi ist potenziell schlecht für die Zähne – trotzdem käme niemand auf die Idee, sie zu verbieten.» In einem liberalen Staat müsse jeder Bürger selbst entscheiden, was er konsumiert – und ob er die Konsequenzen dafür tragen will.

Finn Lundström, Präsident des Vereins FreeSnus, betont zudem, Snus sei nicht gleich Snus: «Die Produkte des Tabakherstellers Swedish Match werden pasteurisiert, dadurch werden die meisten Schadstoffe eliminiert.» Anders verhalte sich dies bei amerikanischen Produkten: «Es gibt Snus-Sorten, die das Zahnfleisch regelrecht auffressen – von diesen würde ich auch die Finger lassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • der Student am 01.11.2016 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Snus schadet anderen nicht

    mal ganz ehrlich, egal ob gesundheitsschädlich oder nicht, Snus gehört nicht verboten, da jeder Mensch frei über sein eigenes Leben und seine selbstverschuldeten Gesundheitsrisiken entscheiden soll und kann. Im gegensatz zu Zigaretten schadet man wenigstens nicht anderen. Es ist ja auch nicht verboten sich zu ritzen oder sich den Arm freiwillig zu brechen...

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  • rolf am 01.11.2016 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Und mich beunruhigt

    Das snusverbot, welches im übrigen vpn den selben leuten kommt wie das kiffen zu legalisieren.... Tolle logik

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  • Bald Schublade am 01.11.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man Jung ist...

    sitzen noch alle Zähne und man macht sich keine Gedanken. Bei mir 53 spüre leider die folgen meiner Machenschaften. Dritte Zähne und horrenden Rechnungen ahoi. Von den Qualen ganz zu schweigen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Guguus am 02.11.2016 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach bitte!

    Snus ist einfach nur etwas absolut Gruusiges, schlicht widerlich!! Wer sich so noch gesundheitlich schädigen will... tant pis!!

  • Ice boy am 02.11.2016 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ke in Platz im Sport

    Ich finde es sollte nicht verboten werden. Ob man nun raucht oder snust macht für mich keinen Unterschied. Snus soll aber bitte im Eishockey... verschwinden. Es gibt so viele Profihockeyspieler die Snus konsumieren! Es soll ja eine beruigende Wirkung haben. Warum ist es also kein Doping? Viele Spieler gelten als Vorbild, da kann es ja nicht sein das man bei Meisterfeiern Stumpen... raucht.

  • Dany B. am 02.11.2016 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweden

    Der Snus kommt aus Schweden und kam via Eishockeyspieler in die Schweiz. Ein Gag wie vieles andere auch. Meine Freunde in Schweden haben mich ausgelacht, als ich ihnen vom drohenden Verbot in der CH erzählte. Aus der schwedischen Kultur wäre Snus nicht wegzudenken. Aber unsere Xundli vom BAG und Anhang will alles bestommen -auch wann wir was konsumieren. Der soziale Schaden, den sie mit dieser Bevormundung anrichten ist schlimmer als die paar Schäden bei Einzelnen. Der Snus Konsum ist übrigens ganz freieillig.

  • nano am 02.11.2016 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Ja genau, hoffentlich müssen die Folgen von den Leuten selbst bezahlt werden.

    • apollocombat am 02.11.2016 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nano

      wieso ?

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  • Dr House am 02.11.2016 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beunruhigt

    Warum das den? Damit können sie ja noch mehr Kohle machen unsere geliebten Zahnärzte:-)