Neuer Rekord

13. Januar 2017 09:40; Akt: 13.01.2017 10:19 Print

Tausende Steuersünder zeigen sich selbst an

Ab 2018 tauscht die Schweiz Bankdaten mit der EU: Das sorgt bei den Steuerämtern für so viele Selbstanzeigen wie noch nie.

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Kein Kavaliersdelikt: Einmal im Leben können sich Steuersünder straflos selbst anzeigen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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In zahlreichen Kantonen haben sich 2016 Tausende reuige Steuersünder selbst angezeigt. Spitzenreiter sind Zürich, Genf und das Tessin. Ein Grund dürfte der automatische Informationsaustausch sein. Zudem ist Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt mehr.

Einmal im Leben können sich Steuersünder straflos selbst anzeigen. Diese Möglichkeit ist mit der «kleinen Steueramnestie» im Jahr 2010 geschaffen worden. Seither machen Jahr für Jahr Tausende Reuige davon Gebrauch.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Selbstanzeigen vielerorts nochmals sprunghaft angestiegen. Mehrere Kantone – darunter etwa die beiden Basel, Zürich, Genf, Tessin, Schwyz und Luzern – berichten gar von einem neuen Rekord. Das zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda. Von 20 Kantonen liegen die Zahlen vor; die anderen 5 Kantone informieren zu einem späteren Zeitpunkt oder machen gar keine Angaben.

2100 Anzeigen in Zürich

Der Kanton Zürich, der bereits vor Wochenfrist informiert hat, führt den Rekord auf den bevorstehenden grenzüberschreitenden automatischen Informationsaustausch (AIA) zurück. Das Steueramt hat mehrere hundert Selbstanzeigen mit ausländischen Liegenschaften sowie Konten und Depots registriert.

Rund 2100 neue Selbstanzeigen sind 2016 insgesamt beim Zürcher Steueramt eingegangen – 600 mehr als in den bisherigen Rekordjahren 2014 und 2015. 1900 Fälle hat der Kanton 2016 erledigt – sie spülten Kanton und Gemeinden 69 Millionen Franken in die Kasse und dem Bund 16 Millionen.

Kein Kavaliersdelikt mehr

Eine neue Höchstzahl vermeldet auch Basel-Stadt mit 381 Selbstanzeigen. In Basel-Landschaft sind es mit 797 Anzeigen gar mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Steuerverwaltung vermutet ebenfalls den AIA als Grund dafür. Der öffentlichen Hand des Stadtkantons flossen dadurch 26,6 Millionen Franken an Nachsteuern und Verzugszinsen zu.

Der Kanton Genf rechnet mit mehr als 2000 Fällen, die definitiven Zahlen liegen noch nicht vor. Im Vorjahr waren es etwas über 1000 Anzeigen gewesen. Auch im Tessin haben sich mit 963 Personen so viele Reuige gemeldet wie noch nie.

Ausländische Liegenschaften

Wie in der West- und Süd-, so auch in der Zentralschweiz. Luzern vermeldete vor einer Woche den Rekord von 421 Selbstanzeigen – viele bezogen sich auf ausländische Liegenschaften und dazugehörige Bankkonten. Während die Anzeigen um zehn Prozent zunahmen, verdoppelten sich die Einnahmen auf 16,3 Millionen Franken.

Die Luzerner Steuerbehörde nimmt ebenfalls den AIA als einen der Gründe für die Zunahme an – aber auch Tatsache, dass Steuerhinterziehung von der Gesellschaft nicht mehr als Kavaliersdelikt betrachtet werde.

Auch Schwyz, Ob- und Nidwalden verzeichnen neue Höchstwerte. In Schwyz meldeten sich 302 Steuersünder, in Ob- und Nidwalden je 77. Zug mit 152 und Uri mit 20 Fällen blicken auf ein durchschnittliches Jahr zurück.

Waadt und Appenzell zugeknöpft

Bern und St. Gallen veröffentlichen ihre Angaben erst in der zweiten Januar-Hälfte. Der Kanton Waadt und Appenzell Innerrhoden geben gar keine Zahlen bekannt, und Neuenburg hat aufgrund der zahlreichen Fälle eine Fristerstreckung bis Ende März erhalten.

In Graubünden gab es mit 290 Anzeigen fast doppelt so viele wie in den letzten beiden Vorjahren. Damit fliessen 7,2 Millionen Franken an Bund, Kantone und Gemeinden. Glarus verbuchte 62 Fälle gegenüber 39 im Jahr 2015.

Im Thurgau haben im vergangenen Jahr 162 Personen den Schritt zur Selbstanzeige gemacht, 12 mehr als im Jahr zuvor. In Appenzell Ausserrhoden bedeuten die 45 Anzeigen hingegen eine Abnahme. In Schaffhausen meldeten sich 74 säumige Zahler und damit 9 mehr als im Vorjahr.

Keine Amnestie mehr im Jura

424 Personen im Aargau und 501 im Kanton Solothurn haben sich bei den Steuerbehörden gemeldet. Wie viele Nachsteuern anfallen werden, lässt sich laut dem Solothurner Steueramt noch nicht beziffern, weil erst die wenigsten veranlagt sind. Hingegen berichtet Solothurn von 75,3 Millionen Franken Schwarzgeld, die nachträglich deklariert wurden.

Der Kanton Freiburg berichtet mit 325 Fällen ebenfalls von einem Rekord. Im Wallis hatten sich 2014 mehr Personen angezeigt als 2016, als es 249 waren. Im jungen Kanton Jura konnten sich Steuersünder nur zwischen 2010 und Ende 2014 nachträglich selbst anzeigen. Seither besteht diese Möglichkeit nicht mehr.

(ij/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Josi am 13.01.2017 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles unterm Bett

    Muss ich meine 1,8Mio jetzt unters Bett legen. Naja was solls;-))

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  • Rosmarie Wüthrich am 13.01.2017 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Steuersünder VS Vermögensdieb

    Immobilien werden nicht fair besteuert. Im Ausland bezahle ich bereits Steuern auf die Immo, warum muss ich dies nun auch noch in der CH machen? Eine FeWo/2t Wohnsitz im Ausland steht leer, warum muss ich den Eigenmietwert versteuern? Ich habe mein EK bereits versteuert und muss meine gekaufte Immo nun noch als Vermögen besteuern? Wieder einmal wird das Geld immer beim Bürger abgeholt.

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  • Thom am 13.01.2017 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    schön

    Ich überlege mir langsam, doch ein Konto zu eröffnen, von dem der Staat nichts weiss. Die Worte reuig und Sünder sind im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung fehl am Platz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Laura am 14.01.2017 01:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern bezahlt niemand gerne

    Ich verstehe, dass ich Steuern auf das Einkommen bezahlen soll. Aber danach gehört das Geld noch lange nicht mir... wenn ich spare, will der Staat Vermögenssteuer, wenn ich es verschenke, erbe oder ausgebe auch! #switzerlanded

    • Rosmarie Wüthrich am 14.01.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

      Wer noch hat, dem wird genommen

      Und aus diesem Grund wird es immer Menschen geben, welche irgendetwas vergessen oder ptimieren. 1Fr = ca 0.25Fr.- Steuern. Dann noch Vermögensteuer weil ich sparsam bin, noch Erbsachaftsteuer weil ich Erbe und dieses Geld wurde auch mit EK und Vermögenssteuer belaste usw.... KK, ÖV, Strom, Wasser alles wird teurer. Mein erarbeiteter 1Fr verliert immer mehr an Wert. Wenn ich leben will, spare ich nicht zuerst bei mir, sondern bei allem. Gewinne ich bei Lotto oder ähnliches, bezahle ich Ticket/Lossteuer, Gewinnsteuer und wieder Vermögenssteuer.....

    • el palmeral am 14.01.2017 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      sternchen , das leben und die steuerverwaltung zu verstehen , ist zuviel für dich , beschränke dich aufs leben..

    • mick am 14.01.2017 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rosmarie Wüthrich

      x-fach versteuerung , in der schweiz üblich , anderswo bloss 10 % von dem

    • L. Uzifer am 15.01.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Rosmarie Wüthrich

      Frau Wüthrich, z.B. Monaco wäre steuerfrei. Wieso gehen Sie nicht dahin?

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  • Fred Dupuis am 13.01.2017 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    La Suisse n'existe plus

    Denkt Offshore Accounts/ Guernsey z.b., sehr angenehm fuer ein paar Tage. Von St. Malo mit dem Jetfoil, ganz nette Bank. Bin seit Jahren ein guter Kunde.

  • Franz F. am 13.01.2017 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ehrliche Bürger!

    Gemäss der SVP haben wir nur ehrliche Bürger. Mich Erstaunen nun die vielen Selbstanzeigen. Mit dem Erhalt des Bankgeheimnisses versucht nun die SVP im Inland noch zu retten was zu retten ist. Wer nichts versteckt und ehrlich die Steuern bezahlt braucht auch kein Bankgeheimnis im Inland.

    • franz k. am 13.01.2017 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franz F.

      genau , jeder gibt öffentlich preis , wie die finanzen so sind = nackt ausziehen , intimitätsverbot für alle inländer , das hat den vorteil , alle gleich kennzulernen

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  • Alesandro Pianari am 13.01.2017 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen und dann schreiben!

    Da sind alle so erlich, aber sie hinterziehen die steuer selber! Denn Ende Jahr müsste man die paar franken im Portemonnaie auch angeben, auch ein Reisekässeli, also alle Vermögenswerte Schmuck teure Uhren, also alles. Und das alle Jahre immer wieder, auch wenn man den Diamantring, schon mal angegeben hat! Ich bezahle alle Jahre für meine Wohnung, obwohl dafür gespart habe. Also wenn ich in den letzten jahren vieleicht 50'000 Fr. ausgegeben habe ist das geld weg. Also keine Steuern mehr darauf, ich vieleicht die Hyptheke zurück bezahlt habe zahle ich weiter die steuern da weniger schulden.

    • beo am 13.01.2017 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alesandro Pianari

      3 bis x fachbesteuerung für vermögen und eigenheim , katastrophal sowas , es gibt noch andere länder ohne dieses winterliche klima....

    • Laura am 14.01.2017 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alesandro Pianari

      Naja, das Gesetz hier war ihnen hoffentlich vorher schon bekannt... hat sich ha nicht geändert in den letzten Jahrzehnten ;) Wer Vermögen hat, soll dafür auch bezahlen oder es ausgeben....

    • John Livers am 14.01.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      @ Laura

      Genau, Ausgeben und im Alter der Allgemeinheit zur Last fallen!

    • Laura am 14.01.2017 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John Livers

      Wissen sie, ob sie ihr Rentenalter jemals erleben werden? Leben sie ohne Reue und Angst vor der Zukunft... dann haben sie immerhin eine lebenswerte Gegenwart gehabt! ;)

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  • Michael Juettner am 13.01.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teardrops in my Eyes

    Mit kommen die Tränen , die die sich anzeigen , sind bestimmt nicht die Ärmsten .Eierdiebe aufhängen und die Großen laufenlassen , ja Strafregistereintrsgungen wegen z.B.Sachbeschädigung und Freispruch bei teilweise Hardcorestraftaten , aber je eher man es begreift ,das das Leben eben ungerecht ist , desto besser ist es !