Schwarze Woche

14. September 2012 07:25; Akt: 14.09.2012 10:34 Print

«Und welchen SVPler lupfts heute?»

von S. Hehli und A. Hirschberg - Wie viel Ungemach auf einmal verträgt eine Partei? Dass Aushängeschild Natalie Rickli an einem Burnout leidet, ist die fünfte Hiobsbotschaft für die SVP innert vier Tagen.

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Die Woche begann für die SVP eigentlich mit einer erfreulichen Meldung: Endlich konnte sich der gefallene Bundesratskandidat Bruno ZuppigerBruno
Zuppiger

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PGMM Schweiz AG, Winterthur
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dazu durchringen, den Hut zu nehmen. Und das per sofort. Doch der Zeitpunkt seiner Rücktrittserklärung dürfte die Partei-Bosse weniger gefreut haben: Weil Zuppigers Nachfolger Gregor Rutz vom Kanton Zürich noch offiziell bestätigt werden muss, fehlt der SVP-Fraktion vorerst ein Mitglied. Böse Zungen sagen sogar, Zuppiger habe alles extra so getimt, um sich für das Mobbing seiner Zürcher SVP-Kollegen zu rächen.

Dass nun auch Natalie RickliNatalie
Rickli

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Vereinigung Aktion Medienfreiheit
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s Stuhl wegen ihres Burnouts für die ganze Session leer bleibt, reiht sich ein in die anderen Hiobsbotschaften der letzten vier Tage. Am Dienstag schoss sich der «Tages-Anzeiger» mit einem ganzseitigen Artikel auf Christoph MörgeliChristoph
Mörgeli

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und dessen berufliche Tätigkeit als Medizinhistoriker an der Uni Zürich ein: Titularprofessor Mörgeli lasse das Institutsmuseum verkommen, so der happige Vorwurf seines Vorgesetzten.

Streit Mörgeli-Bortoluzzi eskalierte

Damit nicht genug des Ungemachs: Toni BortoluzziToni
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nutzte die Schwäche seines Erzfeindes Mörgeli genüsslich aus, um sich über diesen lustig zu machen: «Der Mörgeli muss zurücktreten! Und die Knochen abstauben gehen in Zürich», sagte er zu Fraktionskollegen, woraufhin der «Blick» am Mittwoch die Worte abdruckte. Dem Vernehmen nach hat SVP-Patron Christoph BlocherChristoph
Blocher

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Robinvest AG, Männedorf
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seinen zerstrittenen Nationalräten danach den Kopf gewaschen.

Bortoluzzi ist seit der Managed-Care-Abstimmung sauer auf seine Parteikollegen Mörgeli und Rutz: Die beiden desavouierten Gesundheitspolitiker Bortoluzzi als Anhänger der Vorlage, indem sie die Zürcher SVP auf die Nein-Parole einschworen. Das ist der Hauptgrund, wieso Bortoluzzi (65) trotz des Drängens jüngerer Zürcher Parteikollegen – etwa von Rutz – an seinem Mandat festhält.

Prophet Cédric WermuthCédric
Wermuth

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Unterstützungskomitee Cédric Wermuth in den Nationalrat, Baden
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Ebenfalls am Mittwoch machte der «Tages-Anzeiger» publik, dass die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette EstermannYvette
Estermann

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Yvette Estermann Stiftung, Kriens
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jahrelang zu Unrecht den Titel eines Dr. med. getragen hatte. Die gebürtige Slowakin hatte in Bratislava zwar die medizinische Ausbildung absolviert, aber keine Doktorarbeit geschrieben, wie das in der Schweiz für den Titel Voraussetzung ist.

SP-Nationalrat Cédric Wermuth twitterte am Donnerstagvormittag – also noch vor Ricklis Burnout-Bekenntnis – beinahe prophetisch: «Neues Morgengesprächsthema in der Wandelhalle: Und welche/n SVPler_in lupfts heute?»

«Die Partei ist verletzlich geworden»

Polit-Experte Michael Hermann findet, dass Natalie Ricklis Erkrankung nur halb in die schwarze Serie der Rechtspartei passe. Denn alle anderen Ereignisse seien selbstverschuldet. «In dieser Häufigkeit stellt sich aber die Frage, wie gut die Partei aufgestellt ist.» Es sei, als ob sich ein Fluch über die SVP gelegt hätte, findet Hermann.

In seinen Augen begann das Formtief der SVP mit dem Rückschlag bei den Wahlen im letzten Herbst. Ihr Kampfgeist, der bei der Affäre Hildebrand nochmals kurz aufflackerte, sei mittlerweile verflogen. «Die Partei ist verletzlich geworden und mehr mit sich selbst beschäftigt. Da bleibt wenig Zeit, in der politischen Agenda Themen zu setzen.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeanclaude am 14.09.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    SVP quo vadis?

    Christoph Blochers faule Äpfel fallen der Reihe nach von der Stange. Höchste Zeit, dass er seinen Bruder Gerhard aktiviert.

  • John Wayne am 14.09.2012 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die eigene Medizin

    Die eigene Medizin schmeckt vielleicht doch nicht so gut?

  • P. Buchegger am 14.09.2012 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Das Unheil fällt auf den Urheber zurück

    Im Neudeutschen gibt es für das die SVP plagende Phenomen die idiomatische Redewendung: "The pigeons are coming home to roost". Sie bezeichnet das auf den Urheber zurückfallende Unheil. Dass es gerade die kantonalzürcherische SVP trifft, hat seinen tieferen Sinn darin, dass von hier aus die einst in aller Welt bewunderte schweizerische Politkultur zu Grabe getragen wurde.

  • kastigator am 14.09.2012 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lerneffekt

    Der Frau Rickli wünsche ich gute Besserung. Und einen Lerneffekt: Vielleicht zieht sie jetzt etwas weniger heftig über "Scheininvalide" her und wehrt sich innerhalb der Partei vermehrt gegen die Unterhöhlung der IV, welche die SVP seit Langem betreibt!

    • Inga am 14.09.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Auch einen Burnout sieht man nicht

      Ein Burnout kann genau so wenig richtig nachgewiesen werden wie zum Beispiel ein Schleudertrauma. Der Mensch den es betrifft leidet. Er ist aber darauf angewiesen, dass die Mitmenschen ihm glauben weil er ja keinen "Gips" hat. Sicher eine gute neue Erfahrung für jemanden, der sonst in vielem Mühe hat mit dem "anderen Menschen glauben, dass sie leiden"

    • Michael am 14.09.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich auch so

      Bravo! Ganz Ihrer Meinung.

    einklappen einklappen
  • der relaxer am 14.09.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Stress?

    Vieleicht sehen Sie jetzt, dass 6 Wochen Ferien weniger kosten als eine Burn Out therapie?

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