Waffenschutzinitiative

07. Januar 2011 15:57; Akt: 09.01.2011 17:56 Print

Tell, Srebrenica und das höchste US-GerichtTell, Srebrenica und das höchste US-Gericht

von Ronny Nicolussi - Gegner der Waffeninitiative greifen auf kuriose Argumente zurück: Für ein Nein werden deutsche Literatur, Massaker auf dem Balkan und fremde Vögte bemüht.

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Um ein Waffenmonopol geht es bei der Initiative für den Schutz vor Waffengewalt gar nicht. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Bei der Initiative für den Schutz vor Waffengewalt geht es im Kern um die Frage, wo in der Schweiz künftig Armeewaffen aufbewahrt werden sollen: zu Hause oder in Zeughäusern? Für die Befürworter sind letztere die richtigen Lagerorte. Sie erhoffen sich dadurch eine Erhöhung der Sicherheit, eine Senkung des Drohpotenzials und eine Verhinderung von Suiziden.

Initiativgegner sehen im Volksbegehren hingegen eine unnötige Schikane für Sportschützen. Bei einer Lagerung der Dienstwaffen im Zeughaus müssten vor jedem Schiessen lange Umwege in Kauf genommen werden, heisst es. Zudem unterstellen die Gegner den Initianten, eigentlich die Abschaffung der Armee anzustreben. Daneben scheinen den Initiativgegner die Argumente auszugehen - zumindest wenn man sich Aussagen der vergangenen Tage zu Gemüte führt.

Die SVP-Plakate gegen die «Entwaffnungs-Initiative» insinuieren, dass bei einer Annahme der Initiative ein «Waffenmonopol für Verbrecher» drohe - also dass ausser Ganoven niemand mehr eine Waffe hätte. Dabei verteilten sich die Waffen auch bei einem Ja am kommenden 13. Februar wie bis anhin auf Polizei, Armee, Jäger, Sportschützen, Sammler - und Verbrecher.

Tell erhielt Armbrust nicht in der RS

Trotzdem spricht der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger von einer Entwaffnung der Milizsoldaten und greift dabei auf die vom deutschen Dichter Friedrich Schiller niedergeschriebene Figur des Wilhelm Tell zurück. Im «Blick am Abend» vom Donnerstag schrieb Freysinger: «Man stelle sich vor, die SP hätte Wilhelm Tell die Armbrust weggenommen. Wie hätte er sich gegen Gessler wehren sollen?» Der Vergleich hinkt. Zumal die Schweiz heute nicht von fremden Vögten beherrscht wird und Tells Armbrust wohl kaum eine registrierte Dienstwaffe war, die ihm ein Oberleutnant in der Rekrutenschule in die Hände drückte. Freysinger räumt auf Anfrage von 20 Minuten Online ein, dass das Beispiel nur symbolisch gemeint war.

Für rote Köpfe sorgte ein Vergleich, den Adrian Amstutz auf «Radio 1» zog. Der Berner SVP-Nationalrat sagte, Waffen würden auch zur Sicherheit und zum Schutz eingesetzt. So wären die Frauen in Srebrenica froh gewesen, wenn ihre Männer sie mit einer Waffe hätten verteidigen können. Die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé bezeichnete den Vergleich in der Folge als primitiv. Beim Massaker von Srebrenica wurden im Juli 1995 bis zu 8000 Bosniaken von bosnischen Serben getötet. Amstutz sagt zu 20 Minuten Online, dass die Aussage aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. Er sei gefragt worden, ob eine Waffe auch Sicherheit bedeute und nicht nur Gefahr. Und er sei dezidiert der Meinung, dass das so sei. «Wenn die Leute in Srebrenica nicht wehrlos ausgeliefert gewesen wären, hätten sie die Angreifer vielleicht abwehren können», so der SVP-Nationalrat. Wie das mit Waffen ohne Munition - diese wird in der Schweiz bereits heute nicht mehr zu Hause aufbewahrt - hätte funktionieren sollen, ist jedoch nicht bekannt.

USA als Vorbild

Seine Parteikollegin Yvette Estermann sieht ihr Engagement gegen die Initiative durch ein Urteil aus Amerika bestätigt. «Sogar der oberste Gerichtshof der USA bestärkte das Recht auf Waffenbesitz und erklärte Verbote für verfassungswidrig», schrieb die Luzerner Nationalrätin am Mittwoch in einem Gastkommentar. Weshalb nun plötzlich Urteile jenseits des Atlantiks für die unabhängigkeitsliebende SVP von Belang sein sollen, ist unklar. Auf Anfrage gibt Estermann an: «Ein Sympathisant aus Texas hat sich bei mir gemeldet und geschrieben, dass die Suizidrate in Texas tiefer ist als in der Schweiz, obwohl es in jedem Haushalt mehrere Waffen gibt. Schätzungsweise gibt es über 200 Millionen in den USA.» Das Argument der Initianten, wonach mehr Waffen zu mehr Unheil führen würden, stimme also nicht.

Nächste Woche haben sowohl die Initianten als auch die Initiativgegner eine Medienkonferenz geplant. Man darf gespannt sein, welche Argumente dann zum Zug kommen werden.

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  • Quick am 12.01.2011 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Trugschluss, falsche Versprechen

    - Die sogenannte Waffen-Initiative verhindert kaum einen einzigen Suizid, diese Menschen wählen dann einfach eine andere Variante, so wie die Mehrheit der Suizide jetzt schon. - Sie verhindert kaum Delikte mit Waffen, Kriminelle besorgen sich weiterhin Waffen, egal wie & egal was im Gesetz steht. (Bereits heute dürften Ausländer keine Waffen erhalten, bei den letzten Waffen-Delikten waren fast ausschliesslich Ausländer am Werke. - Den Initianten geht es in keiner Weise um die Verhinderung von Suiziden, sondern es ist ein weiterer Angriff auf Armee und ordentliche Bürger

    • Daniel Bernasconi am 12.01.2011 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      JA zur Initiative!

      So ein Schwachsinn! Auch wenn nur ein Dutzend Suizide verhindert werden können, ist die Initiative zu befürworten! Zudem geht es nicht nur um Suizide, sondern allgemein um mögliche Androhungen und Familientragödien. Niemand sagt das Kriminelle sich keine Waffen mehr beschaffen. Auch sollen sich "ehrliche" Bürger nicht bis auf die Zähne bewaffnen dürfen. Aber wenn wir die CH auch nur ein bisschen sicherer machen können, hat es sich gelohnt. Jeder Gegener hat an zukünftigen Tragödien Blut an den Händen!

    • schweizer am 13.01.2011 00:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel Bernasconi

      Genau nehmen wir der Polizei die Waffen weg ,sie könnte den Verbrechern gefährlich werden die nur ihre Arbeît nachgehen ! Das Suizid Argument ist wirklich an den Haaren herbeigezogen , sind wir doch einmal ehrlich , wäre das kein mögliches Argument, wären die Männer die Suizid begehen , wie bis jetzt auch immer , den Initiatinnen sch... egal !!!

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  • Stephan am 11.01.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Was zum Nachdenken

    Man stelle sich vor, Fussball dürfe nur noch in leeren Stadien und nur mit spezieller Bewilligung betrieben werden! Ganz einfach weil es bei jedem Fussballmatch ein riesen Polizeiaufgebot braucht und es jedes mal etliche Verletzte und z.T. Tote durch Schlägereien gibt! Hingegen gibt es bei keinem Schützenfest ein nur annähernd vergleichbares Gewaltverhalten und -potential unter der Teilnehmern und Zuschauern. Die oben genannten Zustände werden aber genau hier umgesetzt! Ich empfehle jedem einmal ein Besuch in einem Schiesskeller oder Schützenhaus, um sich mal ein reelles Bild davon zu machen.

  • Franz W. Seibold am 11.01.2011 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ventilwirkung

    Sollte die Waffeninitiative angenommen werden, wird der Schwarzhandel mit Waffen (durch Ausländer?) erst recht zu blühen beginnen.