Flugsicherheit

13. Oktober 2016 10:23; Akt: 13.10.2016 10:23 Print

Piloten wehren sich gegen Zwei-Personen-Regel

Nach dem Germanwings-Absturz im Frühling 2015 ist die Zwei-Personen-Regel eingeführt worden. Mittlerweile sträuben sich die Piloten dagegen.

storybild

Blick ins Cockpit: Die Abschaffung der Zwei-Personen-Regelung steht zur Diskussion. (30. März 2015) (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Absturz der Germanwings-Maschine vom 24. März 2015 in den französischen Alpen kostete 149 Menschen das Leben. Nicht zuletzt eine neue Sicherheitsmassnahme ermöglichte es dem Piloten Andreas Lubitz, seinen Selbstmordplan umzusetzen. Er wartete, bis der zweite Pilot auf die Toilette musste und leitete dann den fatalen Sinkflug ein. «Und weil die Cockpittüren in den meisten Passagierflugzeugen nach dem 11. September so umgebaut wurden, dass man sie nur noch von innen öffnen kann, konnte niemand mehr Lubitz stoppen», erinnert sich die «Aargauer Zeitung» an das tödliche Unglück.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) zog die Konsequenzen und empfahl den Fluggesellschaften, dass jederzeit während eines Fluges zwei Personen im Cockpit sein müssen. Die Swiss hat dementsprechend reagiert. Wenn also ein Pilot das Cockpit verlässt, muss sich jemand von der Kabinen-Crew nach vorne begeben.

Klare Meinung der Piloten

Eine Umfrage der Easa unter 3287 Piloten aus 56 Ländern zeigt, dass 90 Prozent mit dieser Regelung nicht zufrieden sind. Sie monieren, dass durch diese Zwei-Personen-Regel zusätzliche Sicherheitsrisiken entstanden sind. Dazu würden auch psychologischer Stress, hohe Belastung für die Crew und Ablenkung der Piloten gehören. Die Easa hat auf die Umfrage reagiert und ihre Empfehlung dementsprechend angepasst. Nun sollen die Fluggesellschaften die Risiken der Regel individuell betrachten und selbst entscheiden, ob sie daran festhalten wollen.

Gemäss der «Aargauer Zeitung» hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) diese Empfehlung stets kritisch betrachtet. Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagt: «Die Einführung war auch eine Reaktion aus politischen Gründen, weil man schnell auf den Germanwings-Absturz reagieren musste.» Holderegger erinnert daran, dass mit dieser Regel auch Menschen ins Cockpit gelangen, die nicht die gleichen aufwendigen Sicherheitschecks durchlaufen müssten wie die Piloten.

Wenn die Tür zu lange offen steht

Dazu muss man wissen, dass sich Personen, die sich bei der Swiss als Flight Attendant bewerben, einen Strafregisterauszug der letzten fünf Jahre präsentieren müssen. Ausserdem verlangt die Airline genaue Angaben darüber, welche Länder bereits bereist worden sind und für wen man gearbeitet hat. Dazu kommen Tests und ein medizinischer Check-up.

Henning Hoffmann, Geschäftsführer des Pilotenverbands Aeropers, meint zu diesem Thema: «Die Verantwortlichen wissen, dass die Probleme nicht mit Flugbegleitern im Cockpit gelöst werden können.» Schliesslich würde durch die Regelung die Cockpit-Tür länger offen stehen, was das gewalttätige Eindringen ganz nach vorne theoretisch vereinfache.

Der Geschäftsführer von Aeropers erinnert daran, dass der Auslöser der Zwei-Personen-Regel schliesslich ein psychologisches Problem eines Piloten gewesen sei. Es gehe deshalb darum, die Sicherheitskultur für die Piloten zu verbessern. Beim Pilotenverband erhält die Prävention mehr Bedeutung. Hoffmann fügt bei: «Das heisst, gute Arbeitsbedingungen erhalten und sicherstellen, dass man mit Problemen jederzeit zu einer geeigneten Ansprechperson gehen kann.»

(fal)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin S. am 13.10.2016 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur bedingt Verständnis

    Ich habe nur bedingt Verständnis für die Piloten. Aber die Zwei-Mann-Regel finde ich gut und gibt den Passagieren die Sicherheit dass im Notfall, und wenns nur eine zierliche Stewardess ist, jemand mit dem Piloten reden kann und die Türe auch wenn sie verletzt ist noch von innen aufmachen kann. Und vergessen darf man nicht, dass kein Pilot zum Arzt geht und sagt dass es ihm schlecht geht. Denn das heisst automatisch Flugverbot. Hey Piloten ihr habt nen tollen Job, andere müssen den ganzen Tag Toiletten putzen, da könnt ihr ach etwas auf eich nehmen.

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 67 am 13.10.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee

    Wieso nicht Fingerprint Scanner installieren an der Türe. So könnte der Pilot oder co Pilot in die Kabine gelangen. Ein Restrisiko besteht immer das ein Terrorist bis in die Kabine eindringen kann wenn der Pilot mal muss oder sonst mal raus muss. Wäre dies eine durchführbare Idee?

    einklappen einklappen
  • PG am 13.10.2016 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    ...würde sogar sagen das dies ein Katastrophe ist für die Passagiere.Was an dieser 2Personen Regel schlecht sein soll versteht der Normalo nicht.Es ist immer und Jederzeit möglich das Piloten, wie andere auch, Suizid absichten haben können. Übrigens wer glaubt das der Fall Lubritz ein Einzelfall ist und war täuscht sich gewaltig. Man weiss das dies in der Vergangenheit schon öfter passiert ist wie man glaubt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • snoopy am 16.10.2016 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit ????

    Die zwei Personen Regel ist ein Witz Es gibt eine Million Möglichkeiten ein Flugzeug zum Absturz zu bringen. Diese Regel verhindert gar nichts...

  • h_sigi am 14.10.2016 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Personen

    Die zwei Personen-Regel finde ich gut, wir müssen ja auch in KMU das Vieraugen Prinzip anwenden. Und bei Piloten ist dies noch viel wichtiger. Wir Passagiere fühlen uns so sicherer.

  • Heinz Hess am 14.10.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann alles Überregulieren!

    Konsequenterweise müsste in jedem Lokführerstand eine zweite Person anwesend sein, um mit den selben langen Spiessen zu beurteilen.

  • TripleSeven am 14.10.2016 03:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber jaaaaa

    Mir ist lieber wenn ein Flugbegleiter im Cockpit sitz und dem Piloten im Notfall eine reinhauen kann um die Türe für den anderen Piloten zu öffnen, anstatt hilflos in den Tod zu fliegen!

  • marcel koll am 13.10.2016 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Hab mich leider nie richtig damit befasst, aber wie weit sind Technologien, mit der man die Maschinen vom Boden aus Fliegen kann? weiss jemand bescheid? vorteile? nachteile?