Gleichberechtigung

02. August 2017 05:44; Akt: 02.08.2017 05:44 Print

Schweizerinnen wollen keine Hausmänner

von D. Pomper - Fast ein Drittel der Schweizer findet: Die Rolle der Frau in der Gesellschaft besteht darin, eine gute Hausfrau und Mutter zu sein.

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Kaum ist der Nachwuchs da, arbeiten die meisten Väter hundert Prozent weiter und machen Karriere. Viele Mütter dagegen entscheiden sich für eine Teilzeitstelle oder geben den Job ganz auf. Entspricht diese Lebensweise auch den Wünschen und Vorstellungen der Menschen in der Schweiz? 20 Minuten hat knapp 7000 Personen befragt.

Ideales Familienmodell

61 Prozent der Männer und 67 Prozent der Frauen wünschen sich ein Familienmodell, bei dem Mann und Frau erwerbstätig sind und sich beide etwa gleich viel um Haushalt und Kinder kümmern. 29 Prozent der Befragten finden, dass die Rolle der Frau in der Gesellschaft darin besteht, eine gute Hausfrau und Mutter zu sein. Diese Meinung vertreten Frauen gleich stark wie Männer, die Zustimmung nimmt mit dem Alter zu und mit steigendem Bildungsgrad ab.

Die Frau als Hauptverdienerin der Familie kommt bei beiden Geschlechtern äusserst schlecht an. Gerade mal ein Prozent findet dieses Familienmodell am besten. Das zeigt die grosse 20-Minuten-Feminismus-Umfrage (siehe Box).

Die Mehrheit der Schweizer wünscht sich also ein gleichberechtigtes Familienmodell. Doch sind Frauen und Männer denn auch bereit, den Preis dafür zu zahlen? Sprich: Wollen Männer wirklich zugunsten der Familie ihre Karriere aufs Spiel setzen und Frauen zugunsten der Arbeit weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen? Und wollen Männer überhaupt Karrieremütter und Frauen Hausmänner? Unsere Umfrage zeigt: Abstriche wollen die meisten nur beschränkt machen.

Mütter haben keinen Bock auf Vollzeitarbeit

Zwar geben fast genauso viele Frauen wie Männer an, eine berufliche Karriere sei ihnen wichtig oder sehr wichtig (66 Prozent). Doch 56 Prozent der Frauen geben als Antwort, als Mütter 50 Prozent oder weniger arbeiten zu wollen. Für 17 Prozent kommt ein 50- bis 80-Prozent-Pensum in Frage, 100 Prozent wollen gerade mal 3 Prozent der Frauen arbeiten.

Die Bereitschaft, mehr zu arbeiten, ist bei jüngeren Frauen und Frauen mit Uniabschluss leicht höher. Ein Vollzeitjob ist aber auch in dieser Gruppe kein Wunschszenario: 6 Prozent würden als Mutter Vollzeit weiterarbeiten. Eine relative Mehrheit will zwischen 50 und 80 Prozent arbeiten.

Frauen wollen keinen Hausmann

Die meisten Frauen wünschen sich, dass der Vater ihrer Kinder mindestens 50 Prozent weiterarbeiten sollte. Einen Mann, der weniger arbeitet, wollen 11 Prozent. Einen Mann, der Hausmann ist, wünscht sich gerade mal ein Prozent. 31 Prozent geben an, dass es ihnen egal ist, wie viel der Vater arbeite.

Väter wollen beruflich kürzertreten – aber nicht zu sehr

Bei den Männern ist die Bereitschaft, beruflich kürzerzutreten zwar da, allerdings ist sie weniger gross als beim weiblichen Geschlecht. So wollen 30 Prozent der Männer als Väter 100 Prozent weiterarbeiten. 46 Prozent würde am liebsten höchstens 80 Prozent arbeiten.

Bei tieferen Pensen nimmt die Bereitschaft schnell ab: 18 Prozent geben an, höchstens 50 Prozent arbeiten zu wollen, 6 Prozent gar nicht oder höchstens 20 Prozent. Vor allem die Männer zwischen 35 und 49 und Männer mit einem Uni-Abschluss wollen als Vater weniger als 100 Prozent arbeiten.

Die meisten Männer tun sich schwer mit dem Gedanken, dass die Mutter ihrer Kinder 80 Prozent und mehr arbeiten könnte. Gut zwei Drittel finden, dass sie 50 Prozent oder weniger weiterarbeiten sollte. Eine Mutter, die 100 Prozent arbeitet, wünschen sich 8 Prozent.

Männer wollen eher Kinder – aber sie nicht betreuen

Die Gründung einer Familie ist Männern und Frauen in der Schweiz etwa gleich wichtig. Dennoch kümmern sich hauptsächlich Frauen um die Kinderbetreuung. Auch die Hausarbeit bleibt an den Frauen hängen. Bei jedem dritten Befragten kümmert sich hauptsächlich die Frau um den Haushalt, während es bei nur 3 Prozent der Mann ist.

Wir haben unsere Leser gefragt, warum das so ist. 31 Prozent sind überzeugt, dass sich viele Frauen einfach lieber um die Kinderbetreuung kümmern als Männer. 20 Prozent glauben, dass sie sich der traditionellen Rollenverteilung automatisch unterordnen. 16 Prozent sind der Meinung, dass politische Fehlanreize bestünden, etwa indem Männern kein Vaterschaftsurlaub zusteht.

Kritik an Unternehmen

Obwohl die Karriere gemäss unserer Umfrage Frauen und Männern gleichermassen wichtig ist, haben viel weniger Frauen Kaderpositionen inne als Männer. Warum? 24 Prozent der Befragten glauben, dass Unternehmen zu wenig familienfreundliche Teilzeitstellen für Kaderpositionen anbieten. 17 Prozent sind der Meinung, dass sich viele Frauen lieber um die Familie kümmern als um die Karriere. 14 Prozent finden, dass Männer bei Kaderpositionen bevorzugt behandelt werden, und 11 Prozent vertreten die Ansicht, dass Männer beruflich ehrgeiziger sind als Frauen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.Hust am 02.08.2017 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sharing

    Seit unser Kind geboren wurde, arbeite ich noch 80% und meine Frau 40%. Einen Tag in der Woche schauen unsere Eltern (abwechselnd) auf das Kind und ich den anderen Tag. Das Geld reicht so ganz gut. Das ganze läuft seit einem halben Jahr so und wir sind beide zufrieden. Mir würde es jedoch wieder sehr Mühe bereiten auf 100% zu erhöhen, hätte nie gedacht, dass eine 4-Tages Woche so viel mehr bringt! Falls die Möglichkeit besteht, kann ich es nur jedem empfehlen. Pfeift auf das Geld, die gewonnene Zeit/Möglichkeiten machen dies definitiv wett.

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  • Martin S. am 02.08.2017 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist auch eine finanzielle Frage

    Im Vordergrund steht nicht was man will sondern was man sich leisten kann. Priorität müsste das Kindswohl haben. Wenn man es sich also leisten kann sollte ein Kind die Nähe zur Mutter erleben dürfen und den Vater nicht nur als ausgebranntes Frack von der Arbeit her kennen. Beide sind wichtig für die Erziehung, die Mutter jedoch wichtiger. Nicht weil es gewisse Politiker so wünschen sondern weil es in unserem Urinstinkt ist.

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  • Peter Notfallpfleger am 02.08.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das nur für eine Zwängerei?

    Die Mutterschaft liegt in der Natur der Frau, als Folge davon auch die genetische Rolle des Mutterseins! Warum tun wir uns so schwer damit, diese Rolle weiterhin zu akzeptieren! Es ist doch schön, wenn Mütter gute, interessierte Mütter sind! Wenn sie dann auch noch bis 50 % ihren erlernten Beruf weiter ausüben will, ist das grossartig. So geht die Investition ins berufliche Wissen nicht verloren und sie bleibt dem Arbeitsmarkt erhalten! Da müssten Mütter geschützt werden! Aber diese Zwängerei der windelwechselnden Vollarbeitszeitpapis ist mühsam! Lasst die Papis weiter einen guten Job tun!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pepe am 02.08.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Ich kenne noch Mütter die 50% arbeiten, obwohl die Kinder schon 11 sind. Dann aber "jammern" wenn das Geld für nichts reicht. Mal ehrlich, mit 11 braucht man nicht eine Mutter die 50% daheime rumwerkelt. Die Kinder können auch 1-2h alleine zuhause sein bis die Eltern nach hause kommen. Klar, ich würde auch am liebsten die ganze Zeit Zuhause bleiben bei meinen Töchtern, aber dann reicht es vermutlich nicht mehr für die Hypothek, für Ferien auch nicht und auch für sonst nicht so viel. Dann arbeite ich lieber 80% und man lebt nicht an der Armutsgrenze.

  • SP am 02.08.2017 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    An alle die meinen, das "Muttersein" liege in der Natur der Frau: Ich komme aus einer Familie, in der die Mutter vorwirgend für den finanziellen Unterhalt gesorgt hat und der Vater "nur" selbstständig tätig war und die Mehrheit des Haushalts erledigt hat. Sie waren beide tolle Eltern! Meiner Meinung nach hat das weder mir noch meiner Schwester geschadet. Wir sind beide "ganz normale" junge Frauen geworden. Für meine Zukunft wünsche ich mir eine Aufteilung der Aufgaben zwischen meinem Partner und mir. Ich kann mir gut vorstellen, den Mutterschaftsurlaub etwas zu verlängern (6-12Monate), danach möchte ich aber etwa 60% arbeiten. Mein Partner sollte dann auch nicht mehr als 80% beschäftigt sein.

  • wianve am 02.08.2017 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit zu Hause

    Als unsere Kinder zwei- und einjährig waren, blieb ich zuhause, weil ich niemand für die Betreuung der Kinder hatte. Mein Mann verstand nicht, warum ich nicht nebenbei Berufstätig war. Also nahm ich eine Arbeit am Samstag an, damit er die Kinder betreuen konnte. Es sei ja eh ein Schoggijob einfach nur mit den Kindern am Sandkasten zu sitzen. Ich lies mich nicht zweimal bitten. Wer nach ein paar Samstagen flehend um Aufgabe der Berufsarbeit bat, war mein Mann. Lieber gehe er arbeiten, als einen Tag alleine mit den Kindern, dass sei ja unglaublich anstrengend. Seither schätzte er meine Arbeit.

  • Peter am 02.08.2017 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Karten wenn man 100% arbeitet

    Solange eine Ehe gut geht, dann ist es völlig egal wer was macht. Kommt es aber zu einer Scheidung, dann ist der Mann in einer schlechten Position, wenn er bis zu 100% arbeitet. Bis vor kurzem bekamen mehrheitlich die Mütter das alleinige Sorgerecht. Das heisst: Die Männer mussten auch hohe Alimenten bezahlen.

  • Berlisch am 02.08.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht...

    Wenn ein Mann mit 50% Gehalt leben kann wieso denn nicht? Ich finde solange sich niemand vom Anderen abhängig macht ist doch egal wer wieviel % arbeitet ! Unsexy ist nur wer durch Faulheit vom RAV abhängig ist und nichts dagegen unternimmt-also sich nicht bewirbt