Scorpion

26. Mai 2014 11:40; Akt: 26.05.2014 11:42 Print

Dieser Jet kostet sieben Mal weniger als der Gripen

Der US-Konzern Textron rührt nach dem Gripen-Nein in der Schweiz die Werbetrommel: Er bietet mit dem Scorpion eine billige Alternative zum schwedischen Kampfjet an.

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Der Industriekonzern Textron aus dem US-Bundesstaat Rhode Island hat seinen Scorpion in nur 23 Monaten vom Zeichentisch zum flugfähigen Prototyp entwickelt. Nun fehlen nur noch die Kunden – und so wittert man nach dem Nein des Schweizer Volks zum Gripen die Chance, mit der Eidgenossenschaft ins Geschäft zu kommen.

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«Der Scorpion ist ideal auf die Verhältnisse der Schweiz zugeschnitten», sagt Projektchef Bill Anderson gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Er ist günstiger als der Gripen und erfüllt dennoch 90 Prozent der gestellten Aufgaben. Der Schweiz könnten wir den Jet für weniger als 20 Millionen Dollar anbieten.» Bereits ist der Konzern bei der Schweizer Botschaft in Washington vorstellig geworden.

Kein Überschalljet

Entwickelt wurde der Jet mit der Vorgabe, den weltweit unter Spardruck stehenden Luftwaffen einen erschwinglichen Jet anzubieten. Der Scorpion ist rund sieben Mal billiger als der Gripen – aber er ist auch kein Überschalljet. Dennoch kann er laut Anderson mit Ausnahme des Luftkampfes praktisch alle anderen Aufgaben der Luftraumüberwachung und der Aufklärung übernehmen. «Die meisten Luftwaffen fliegen im Alltag nur solche Aufträge», so Anderson. Er hebt auch die mit rund 3000 Dollar pro Stunde tiefen Betriebskosten hervor, mit denen ein Überschall-Abfangjäger nicht mithalten kann.

Textron schätzt den Markt auf insgesamt 2000 Maschinen weltweit. Interessiert sind bislang vor allem Länder in Asien und Lateinamerika sowie die US National Guard. Die Jets sollen ab 2016 ausgeliefert werden. Der Jungfernflug absolvierte der Scorpion Ende 2013. Zum Einsatz kommen hauptsächlich bewährte Teile von Zivilmaschinen. So stammen die Flügel und das Fahrwerk von der Cessna.

Technologietransfer mit Pilatus

Wie der Gripen-Hersteller Saab würde auch der US-Industriekonzern der Schweiz Gegengeschäfte anbieten. «Wir würden den Pilatus-Werken einen Technologietransfer anbieten», so Anderson zum «Tages-Anzeiger». Textron ist der weltgrösste Hersteller von Geschäftsflugzeugen (Cessna), stellt aber auch Drohnen und Helikopter des Typs Bell/Agusta her.

Umstritten ist unter Experten, ob es für den Jet eine Nische gibt. Die Teal Group etwa, eine auf die Luftverteidigung spezialisierte Einzelfirma schätzt den weltweiten Bedarf auf jährlich nur 20 Maschinen.

Der Jungfernflug im Video:

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gutuatros Rex am 26.05.2014 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Selber machen!

    In 2 Jahren vom Zeichentisch zum Prototyp schafft PILATUS dank PC-24 Technologie auch und unser Steuergeld bleibt vollumfaenglich in der Schweiz. Abgesehen davon ohne Backdoor-Zugang der US-Amerikaner zu unserer Verteidigungs-Hardware. Win-win!

    einklappen einklappen
  • Walter Spahni am 26.05.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Scorpion kostet 7 mal weniger?

    Ja, genau so sieht das Flugzeug auch aus!

    einklappen einklappen
  • Peter Peter am 26.05.2014 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Pilatus

    Gebt lieber ein paar Jets bei Pilatus in Auftrag. Für die Luftüberwachung und Luftpolizei würde ein solcher Jet sicherlich genügen. Allerdings brauchen wir doch dafür keine ausländische Firma. Gebt das Geld lieber in der Schweiz aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Kämpe am 27.05.2014 06:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ähä, "billiger"

    "Ist billiger" kann nicht das Hauptargument sein. Wir können unsere veralteten Jets nicht durch Schrott ersetzen, der zwar billig ist aber nichts taugt. 90 sind 10% zu wenig und wahrscheinlich auch schon schöngefärbt.

  • D.N. am 26.05.2014 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Billiger wäre besser!

    Haben sie nicht noch einen billigeren? Zum Beispiel einen Segelflieger!

  • Hellebarde am 26.05.2014 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Pilatus soll mal ein Blick drauf werfen

    Die mittels Linzens in der Schweiz gefertigten FA/18. Wurden die von der Niete bis zur Tragfläche komplett selber gefertigt, oder war das eher, das Zusammensetzten von Fertigteilen aus einem Baukasten? Ich nehme mal an, dass ein Staat wie die Schweiz kein Problem damit haben sollte, mit zu Hilfenahme dieser Baupläne diesen Flieger selber nachzubauen.

  • Kariny am 26.05.2014 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Die haben Vorstellungen!

    Ja genau, uns abzocken und dann per Hintertür (die auf JEDEM Eurer Chips vorhanden sind!) den Flieger Remote steuern, und sagen, die Schweizer warens. Für wie blöd hält ihr uns?

  • Kadet02 am 26.05.2014 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    wenn unbedingt Luftabwehr, warum keine "Superdrohnen"? so müsste im schlimmsten aller Fälle kein Pilot sein Leben riskieren. und sie sind noch günstiger....