SRF in der Kritik

23. September 2017 06:21; Akt: 23.09.2017 06:21 Print

«Die Sendung könnte junge Frauen verstören»

von B. Zanni - Selbstbefriedigung und Pornodreh: SRF-Beiträge für Jugendliche bestürzen Politiker. Das Fernsehen spricht von Entsexualisierung.

In der Webserie «Dr. Bock» auf dem SRF-Youtubekanal «Youngbulanz» dreht sich alles um männliche Selbstbefriedigung. (Video: Youtube/Youngbulanz)

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Die Moderatoren Sarah und Kevin kommen direkt auf den Punkt. «Heute geht es ums Wichsen», leiten sie die Sendung ein. In der Folge der Webserie «Dr. Bock» auf dem Youtubekanal Youngbulanz dreht sich alles um die männliche Selbstbefriedigung. Kevin schnappt sich einen Dildo in der Form eines Penis und demonstriert, unterstützt von Sarahs Anweisungen, ein Best-of verschiedener Grifftechniken.

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Soll das Schweizer Radio und Fernsehen sexuelle Themen aufgreifen?

Auch in der Webserie «Jenny-Wanessa» wagte sich das Schweizer Radio und Fernsehen SRF in Intimzonen. In einer Folge suchte die Blondine Jenny-Wanessa in den Hörsälen der Uni und der ETH Zürich einen jungen Bengel – um einen Porno zu drehen.

«Verschleuderte Gebühren»

Für Politiker hat das SRF den Bogen überspannt. Ob er ernsthaft der Meinung sei, solche Sendungen müssten mit Gebühren finanziert werden, will die SVP-Nationalrätin Verena Herzog vom Bundesrat wissen. «Das SRF kann es sich nicht leisten, Billag-Gebühren einzutreiben, um die Gelder dann für solche Sendungen zu verschleudern», führt sie gegenüber 20 Minuten aus. Diese sexuellen Themen würden nur Kleinstgruppen beschäftigen.

Herzog: «Ich traue der Jugend zu, mit ihrem gesunden Körpergespür solche Themen ohne Hilfe des öffentlichen Medienhauses abhandeln zu können.» Ansonsten empfehle sie Hilfe von einer Fachperson. «Teilt der Bundesrat meine Ansicht nicht, gibt dies der Abstimmung über die No-Billag-Initiative sicher weiteren Aufschwung.»

Auch Alois Gmür (CVP) stehen die Haare zu Berge. «Was da gezeigt wird, könnte junge Frauen verstören.» Das SRF müsse das junge Publikum mit sinnvolleren Inhalten erreichen. «Wir brauchen keine Sendungen, an denen sich junge Leute aufgeilen können – und schon gar nicht in einem gebührenfinanzierten Fernsehen.» Befürworten würde er hingegen Formate, die einem jungen Zielpublikum politische und wirtschaftliche Themen näherbringen.

Aufklärung als öffentliche Aufgabe des Fernsehens

Die SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher unterstützt die Inhalte hingegen. Sexuelle Aufklärung und Prävention zu betreiben, sei eine Aufgabe des öffentlichen Fernsehens. «Dazu gehören nun mal auch Tabuthemen.» Auf keinen Fall dürften dabei jedoch Menschen sexuell diskriminiert oder strafbare sexuelle Handlungen propagiert werden. Graf-Litscher betont, dass die SRG Programmautonomie hat. «Wer sich an der Sendung stört, kann sich an den Ombudsmann wenden.»

Stefano Semeria, Bereichsleiter Junge Zielgruppe beim SRF, verteidigt die Formate. «Dr. Bock» solle im Rahmen des Gesamtangebots von Youngbulanz ja gerade einen Beitrag zur Entsexualisierung leisten. «Wir wollen unter anderem zeigen, dass ein freier und selbstbestimmter Zugang zum Thema Sexualität nichts mit den normierenden Darstellungen von Pornografie zu tun hat.» Zudem sei die sexuelle Aufklärung ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans 21.

Fachleute entwickeln Formate

Laut Semeria ist es für die SRG selbstverständlich und legitim, Themen zu behandeln, die das junge Publikum interessieren. «Nur so können wir mit diesem Publikum in Kontakt bleiben, wie es von uns erwartet wird.» Die Formate seien mit Fachleuten entwickelt worden. «Sie wissen, welche Fragen die Jungen beschäftigen.»

Das Programm des SRF steht immer wieder im Fokus. Grund dafür ist die Initiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren». Diese sieht vor, dass der Bund künftig keine Empfangsgebühren mehr erheben darf. Am 25. September entscheidet der Nationalrat über die Vorlage.

«Die Sendung könnte junge Frauen verstören»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ken-Guru am 23.09.2017 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SRF Danke Nein

    Ob das Thema ins Fernsehen gehört ist mir eigentlich egal. Was mich ärgert ist wie unsere Gebührengelder verschleudert werden, bestes Beispiel dafür war die Golftour durch die Schweiz, von ein paar narzistischen Selbstdarstellern. Wenn ich heute Srf3 einschalte, dann muss ich mir mehrheitlich dummes Geschwätz anhören und es sind immer die selben Moderator/innen welche glauben es wäre ihre Plattform der Selbstinszenierung.

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  • Rolf Weber am 23.09.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No-Billag

    Genau solche Sendungen, aber auch andere Geldverschleuderungen der SRG lassen mich die No-Billag Initiative unterstützen.

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  • Martin am 23.09.2017 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Aha...

    Während hier öffentliche Gelder verschleudert werden, sollen Beiträge an die AHV erhöht und Umwandlungssätze gesenkt werden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Zeller am 23.09.2017 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dr. Bock

    Wo ist das Problem? Das Ganze ist doch natürlich! Wenn man heute sieht wieviele Kinder Kinder bekommen, müsste man sich überlegen, ob man Dr.Bock nicht noch mehr ausarbeiten sollte, wie Aufklärung,z.B. über Verhütung, Geschlechtskrankheiten etc. Ich glaube auch, dass junge Frauen von ganz anderen Sachen verstört werden, als von diesem bisschen Rubbeln.

  • Beat Meier am 23.09.2017 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammen waere besser

    Anstatt zu masturbieren haette logischerweise die Frau direkt mit dem Mann herum machen sollen. Mein Gott die beiden tun so verklemmt. Ist das so schwierig? Einfach Liebe zu machen ist doch nicht verboten?

  • Tiktak. am 23.09.2017 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    War die coole und herzige Frau dort im Video früher ein Mann? Oder weshalb weiss die so gut Bescheid?

  • Peter Schmid am 23.09.2017 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anfrage an den Bundesrat??

    Das sind die Dinge, die die Welt bewegen. Es stört mich ganz gewaltig, dass sich der Bundesrat mit solchen Themen befassen muss und es solche Nationalräte gibt, die nichts Besseres wissen, als unsere Regierung mit solchen Anfragen zu beschäftigen. Die wichtigen Dinge werden damit nicht gelöst!

  • Yuuki am 23.09.2017 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    The Voice is ja auch nich besser...

    Ehrlich, ist um Längen besser als die grössten schweizer Talente oder unsere Version von The Voice, die um einiges mehr kosten als solche spass Sendungen, von dem Mann lernen kann. Und im Deutschen funktioniert das ja auch wunderbar mit Böhmermann der Heute show Bares für Rares aber auch dem Webangebot FUNK was Sachen wie World Wide Wohnzimmer WDR360 oder Game two finanziert. Alles verpulvert öffentliche Gelder, und bedienen Randgruppen, aber dann ist man ehrlich und schaltet ALLES ab was nicht Nachricht sind.