Florierendes Geschäft

04. Juni 2015 11:03; Akt: 04.06.2015 16:57 Print

Polizisten verkaufen ihre Dienstwaffe im Internet

In US-Onlineshops kann man legal gebrauchte Pistolen kantonaler Polizeikorps erwerben. Dass die Waffen in die Hände von Kriminellen gelangen könnten, sorgt für Empörung.

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Ab 350 Franken übers Internet erhältlich: Gebrauchte Dienstwaffen von Schweizer Polizisten. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Im Internet, dem grössten Marktplatz der Welt, gibt es fast nichts, was man nicht online kaufen könnte. So kann man problemlos Waffen jeglicher Art erwerben. Dass dazu auch Dienstpistolen der Schweizer Polizeikorps gehören, mag aber erstaunen.

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Wie der «Blick» schreibt, kursieren in US-Onlineshops Bilder einer gebrauchten Dienstwaffe der Kantonspolizei Schwyz. Auf der Pistole sieht man das eingravierte Kantonswappen. Der User schreibt dazu: «Ich habe gerade meine erste SIG-Pistole gekauft. Die wurde früher von einem Schweizer Polizisten getragen.» Schon ab 350 Franken ist ein solches Stück zu haben, ganz legal.

« So eine hatte ich früher auch»

Florian Gassmann, Informationschef der Kantonspolizei Schwyz, bestätigt die Echtheit der Bilder. «Ja, das ist eine unserer Waffen. So eine hatte ich früher auch. Dass unsere Pistolen in einem US-Shop landen, freut mich natürlich nicht», sagt er dem «Blick».

«Polizeikorps sind keine Waffenhändler», stellt Vladimir Novotny, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, gegenüber 20 Minuten klar. Manche Korps würden die alten Waffen vernichten, andere hingegen würden beim Bezug neuer Waffen die alten gleich retour geben – dann gebe es einen Rabatt auf die neue Lieferung. Novotny: «Aber auf keinen Fall verkaufen Polizeikorps Waffen direkt im Internet oder an Einzelpersonen ausserhalb des Korps.»

Doch wie kommt es, dass man so leicht an Waffen mit einem Schweizer Hoheitszeichen gelangen kann? Novotny hat dafür nur eine Erklärung: «Wer als Privatperson, etwa ein pensionierter Polizist, eine solche Waffe gekauft hat, dann kann man diese grundsätzlich auch wieder an eine Person mit entsprechendem Waffenerwerbsschein weiterverkaufen.» Aber auch wenn das Hoheitszeichen den Preis für eine Waffe in die Höhe treibe, so würden sich Polizisten nur sehr selten von Ihren Waffen trennen.

Politiker zeigen sich empört

In welche Hände die Occasionswaffen gelangen, weiss niemand. Auch nicht, ob sie später von Waffen-Narren oder Käufern mit kriminellen Absichten getragen werden. Genau dies stört Schweizer Sicherheitspolitiker.

Nationalrätin Chantal Galladé zeigt sich gar nicht erfreut über die Waffendeals. «Das geht nicht. Die Polizei nimmt ihre Verantwortung nicht wahr.» Die SP-Politikerin kündigt an, politische Massnahmen zu prüfen. Auch für CVP-Nationalrat Jakob Büchler sind die Angebote auf US-Websites problematisch. «Die Polizeiverantwortlichen müssen diesen Handel unterbinden», empört er sich im «Blick». Selbst SVP-Hardliner Hans Fehr äussert Bedenken: «Das ist sehr ungeschickt und Wasser auf die Mühlen der Entwaffnungsbefürworter.»

Wie viele Schweizer Polizeiwaffen über den virtuellen Ladentisch gehen, ist nicht bekannt, genaue Verkaufszahlen liegen keine vor. Die Kantonspolizei Zürich spricht von «mehreren Hundert» Dienstwaffen, die 2009 verkauft wurden. Gesamtschweizerisch dürften es weit mehr sein.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waffenbesitzer am 04.06.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    .... und?

    Das Armee-Sturmgewehr 90 z.B. kann man nach Dienst - sofern man die Schiesspflicht entsprechend eingehalten hat - auch verkaufen. Genau so die Pistolen. Das ist ja nun effektiv keine Neuigkeit. Das irgend welche Waffen - egal woher, egal ob von Polizisten, AdA's, direkt am Werk etc. - die Waffen können IMMER in kriminelle Hände gelangen. Man kann auch immer noch Waffen in Geschäften kaufen. Böh, Sturm im Wasserglas.

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  • J. Meyer am 04.06.2015 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Empörung?

    Empört man sich, weil diese Waffen legal in Amerika verkauft werden, oder weil schlicht Waffen verkauft werden? Warum empört man sich nicht daran, das die RUAG Kriegsmaterial an andere Länder verkauft? Oder ist das etwa was völlig anderes? Wie gross ist hier der Schwarzmarkt mit Waffen? Daran empört sich bisher auch keiner, aber eine legale Waffe legal weiter zu verkaufen, löst bei einigen Politikern Empörungen aus. Komische Welt!

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  • Nervi am 04.06.2015 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Probleme machen wo keine sind / Gespielte Empörung

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg Wolfensperger am 05.06.2015 05:39 Report Diesen Beitrag melden

    ..normale Menschen sind keine Bestien!

    Man soll nicht aus jedem Besitzer einer Pitole einen möglichen Mörder machen!Fast alle haben einfach Spaß am Schießsport !...Ans Umbringen eines Menschen denkt dabei bestimmt niemand!Sonst dürften wir ja nicht mehr Autofahren!

  • Jo Burger am 05.06.2015 04:02 Report Diesen Beitrag melden

    Vince Vaughn

    Vince Vaughn , welche ja nicht als konservativer Einzelgänger bekannt ist, setzt sich für mehr Waffen an Schulen an, damit sich die Menschen gegen Attentäter schüten können. Wir haben dagegen Galladé die sich für die Kriminalisierung der dank ihr schutzlosen, potentiellen Opfer einsetzt.

    • Tüechlidrugger am 05.06.2015 08:09 Report Diesen Beitrag melden

      Wahnwitzige Idee

      aus einem kranken Gehirn.

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  • Soldat am 05.06.2015 02:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Aufregung

    Eine Schusswaffe hat noch nie getötet. Es ist immer ein Mensch der abdrückt! Verbot von Schusswaffen bringt nichts, denn wenn jemand wirklich durchdreht, genügt auch ein Küchenmesser, eine Bratpfanne, ein Hammer oder auch die blossen Hände um grosses Leid anzurichten.

    • Tüechlidrugger am 05.06.2015 08:13 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      und stimmt nicht. Stimmt der Mensch tötet, trotzdem wo keine SchusswAffe ist ist das Töten nicht so leicht und ein Amoklauf mit 100 Toten ist mit dem Küchenmesser nur schwer zu bewerkstelligen.

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  • Soldat am 05.06.2015 02:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffen aus Polizeibeständen

    Meine Walther PPK stammt auch aus Polizeibeständen allerdings aus Deutschland. Zusätzlich haben die deutschen Behörden versucht das Wappen der betreffenden Polizeibehörde unkenntlich zu machen. Gekauft habe ich das Ding vor 18 Jahren als Occassion bei einem offiziellen Waffenhändler im Kanton Bern. Selbstverständlich gegen Waffenerwerbsschein. Scheinbar ist also der Verkauf von Polizeiwaffen seit Jahren gang und gäbe.

  • Charlie Bronzon am 04.06.2015 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Duell

    Als ob die Pistolen nur in Ganovenhände gelangen! Zu 99% kommen die alten Dienstwaffen in gute Hände und werden Leben beschützen, vor allem in Usa.