Fiese Auto-Masche

06. Oktober 2016 10:06; Akt: 13.02.2017 10:57 Print

Der Toyota-Betrüger fährt durch die halbe Schweiz

von Camille Kündig - Ein Betrüger, der sich als irischer Toyota-, VW- oder Honda-Mitarbeiter ausgibt, treibt in der Schweiz sein Unwesen. Über 20 Opfer haben sich gemeldet.

Hier hat der Betrüger überall Personen abgezockt. (Video: 20 Minuten/Ethel Keller)
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Ein Mann, der sich als irischer Toyota-, Honda- oder VW-Mitarbeiter ausgibt, bettelt in der Schweiz um Geld für seine Heimfahrt. Das geliehene Geld sehen die Gönner nie wieder. Dank zahlreichen Lesermeldungen – über 20 Opfer haben sich gemeldet – konnte 20 Minuten ein Bewegungsprofil des Mannes erstellen. Der irische Betrüger und ein Teenager, bei dem es sich gemäss seinen Angaben um seinen Sohn handelt, scheinen mit ihrem dunkelblau-schwarzen, rechts gelenkten Toyota Avensis eine regelrechte Tour de Suisse zu machen.

«Er beteuerte, wie peinlich ihm das sei»

So brachten sie Anfang Juni mehrere Personen an der Raststätte in Pratteln BL um ihr Geld, zehn Tage später waren sie in Nyon VD unterwegs – was sich lohnte: Dort ergaunerten sie 200 Euro. «Uns leuchtete ein, dass der Mann an einem Sonntag keine Hilfe von der Bank oder vom Konsulat bekommen konnte», erzählt das Opfer. Am 15. Juli tauchten die zwei Gauner dann an der Raststätte Grauholz BE wieder auf, einen Tag später zockten sie einer Familie in Erstfeld UR 400 Franken ab. «Der circa 15-jährige Sohn wirkte sehr verlegen, er hatte wohl ein schlechtes Gewissen», so die Opfer.

Wenige Tage später, bei der Raststätte Gunzgen SO, gab sich der Betrüger als Honda-Mitarbeiter aus. Eine Premiere. «Er trug sogar eine Honda-Weste», erzählt ein Leser. Eine Woche später trieben die Iren dann wieder in Pratteln ihr Unwesen und drei Tage danach waren sie in Estavayer-le-Lac FR. «Er hatte Tränen in den Augen und beteuerte, wie peinlich ihm das Ganze sei», so ein Opfer.

«Er begleitete mich zum Bancomat»

Ab dem 24. September war der Ire besonders fleissig: Man sah ihn abermals an der Raststätte Grauholz und noch am selben Tag beim Shoppyland in Schönbühl BE. Dort ergatterte er 500 Euro. «Der Mann begleitete mich sogar zum Bancomat, damit ich mehr Geld abhebe», so der Unglückliche.

Auch diese Woche wurde er gesichtet: Am Dienstag waren der Schwindler und der Junge in Sissach BL beim Coop Bau & Hobby und später bei Ikea in Pratteln. Dort überredete er eine Person, ihm 500 Franken und 100 Euro zu geben.

Scham unter Opfern ist gross

Zählt man die Summen zusammen, die die 20-Minuten-Leser dem Betrüger gegeben haben, kommt man auf insgesamt rund 4500 Franken. Unter den Opfer ist die Scham gross. Manche wollten sich nur per E-Mail äussern. Viele sind sehr enttäuscht. «Er hatte mich und meine Tochter umarmt und uns versprochen, dass er uns zu sich nach Irland einladen würde», seufzt eine Leserin.

«Er hatte sogar einen VW-Koffer im Auto»

Auf seiner Diebestour tischte der Ire seinen Opfern meist die gleiche Geschichte auf. Er sei ausgeraubt worden und brauche Geld für die Heimfahrt nach Irland, genauer gesagt für die Fähre in Calais F. Der Mann gab seinen Gesprächspartnern oft eine Visitenkarte seines angeblichen Arbeitgebers und trug ein T-Shirt oder eine Weste des jeweiligen Automobilherstellers. «Er hatte sogar einen VW-Koffer im Kofferraum», erzählte ein Opfer entrüstet. Am häufigsten zückte er sein Toyota-Material. Doch der Mann gab sich auch als VW-Vertreter und Honda-Angestellter aus.

Er tritt jeweils unter den Namen Peter Mc Elroy und John Moloney auf. Ob es sich um denselben Mann oder vielleicht um Komplizen mit der gleichen Masche handelt, ist unklar. Die irischen Führerscheine, die er für beide Namen vorweist, scheinen aber das Bild des gleichen Mannes zu zeigen.

«Betroffene sollten Anzeige erstatten»

Toyota wie auch VW bestätigen, dass die vom Betrüger vorgeführten Visitenkarten unecht sind. VW-Sprecher Christian Frey: «Diese Visitenkarte wurde mit Logos aus dem Internet und mit Fantasieschriften selber zusammengebastelt und entspricht in keiner Weise den CI/CD-Vorgaben von Volkswagen.»

Die Kantonspolizei Basel-Landschaft rät allen Betroffenen, jeweils Anzeige zu erstatten. Sprecher Roland Walter: «Uns sind bisher vier solche Fälle bekannt. Doch die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch.» Man werde die Informationen und Hinweise auswerten und die Erkenntnisse mit anderen Kantonen abgleichen, so Walter. Auch bei der Kantonspolizei Zürich kennt man den Betrüger. Sprecher Ralph Hirt: «Es sind wenige Anzeigen bei uns eingegangen. Ermittlungen sind im Gang.» Auch im Kanton Bern weiss man von zwei Fällen, und bei der Kantonspolizei Waadt ist eine Anzeige eingegangen.

Hier das Kontrollschild, der Ausweis und die gefälschte Visitenkarte des Betrügers.

Sind Sie dem Toyota-Betrüger auch begegnet? Wann und wo? Melden Sie sich bei uns per Mail an feedback@20minuten.ch und geben Sie auch Ihre Telefonnummer an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vanessa am 06.10.2016 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Die Leute sind so blöd

    In der Schweiz hat man einfach zu viel Geld. Wer gibt schon einen fremden CHF 500? Ich kann noch verstehen, wenn man ihn zur Polizei fährt oder zum Bahnhof, aber sicher kein Geld geben!

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  • Vanessa am 06.10.2016 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Bezug zu Geld

    Wer mehrere Hundert CHF einem Fremden gibt, hat keinen Bezug zu Geld mehr. Denen tut eine Lehre gut.

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  • Leoni. am 06.10.2016 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Klar sind manche Leute etwas Leichtgläubig. Viele wollen jedoch einfach nur helfen...Die Dreistigkeit und Maschen der Betrüger werden immer besser...scheint auch ein sehr guter Schauspieler zu sein. Traurig dabei ist auch, wenn wirklich mal jemand hilfe braucht glaubt mann ihm nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Romanrussia am 12.10.2016 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Polizei? Was hat er denn begangen? Leute überredet ihm Geld zu leihen.

  • Wakka am 12.10.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Menschen

    Wenn ich sehe wie Naiv die Leute sind bekomme ich auch den Gedanken ein bisschen nebengeld zu verdienen ;) Es könnte auch der Papst sein, ich wäre nicht reingefallen.

  • Theorie & Praxis am 12.10.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch schweiz

    Hauptsache er kann mehrere monate geld ergaunern und man verpixelt noch sein gesicht, man kann es ihm ja noch leichter machen.

  • Sulejka am 12.10.2016 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toyota Betrüger

    Ich hoffe dass man diesen Fiesling endlich dingfest macht, so ist wieder ein Betrüger weniger unterwegs.

  • Zoe. am 12.10.2016 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    1. es kommt soviel in den nachrichten und die leute fallen trotzdem noch rein? Autsch, dass tut weh. 2. wo bleibt die polizei? Ah ja lieber den steuersünder, falsch parker und schnellfahrer büsen, ist einfacher und bringt geld in die staatskasse. Wer weiss, vielleicht arbeitet dieser betrüger mit dem staat zusammen und muss die hälfte abgeben. Aufpassen lieber staat, jetzt ist er in de und macht dorr dort seine geschäfte :'D. Sorry den joke konnte ich mir nicht verkneifen