«Regenbogenfamilien»

14. März 2012 11:33; Akt: 14.03.2012 12:33 Print

Ständerat sagt Ja zu Homo-Adoption

Nach dem Willen der Kleinen Kammer sollen auch gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. «Regenbogenfamilien» seien bereits Realität, so die Argumentation.

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Auch gleichgeschlechtliche Paare sollen Kinder grossziehen dürfen. (Bild: Keystone)

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Auch gleichgeschlechtliche Paare sollen Kinder adoptieren dürfen. Der Ständerat hat am Mittwoch mit 21 zu 19 Stimmen eine Motion angenommen, die dies verlangt. Im Vordergrund steht die Stiefkind-Adoption, also die Adoption von Kindern der Partnerin oder des Partners.

Die Motion der Ständeratskommission ist zwar offen formuliert: Künftig sollen alle Erwachsenen ungeachtet ihres Zivilstandes und ihrer Lebensform ein Kind adoptieren können. Einzige Bedingung ist, dass die Adoption für das Kind die beste Lösung ist.

Die Befürworter im Ständerat machten aber deutlich, dass nicht die Adoption fremder Kinder, sondern jene von Partnerinnen und Partnern im Vordergrund steht. Mit dem Ja des Ständerates hat das Anliegen von Schwulen und Lesben eine erste Hürde genommen. Stimmt auch der Nationalrat zu, muss der Bundesrat den Räten eine Gesetzesrevision vorlegen.

Im Interesse der Kinder

Im Ständerat wiesen die Befürworter auf die gesellschaftliche Realität hin. Die Politik müsse den Veränderungen Rechnung tragen, forderte Claude JaniakClaude
Janiak

SP, BL
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St. Claraspital AG, Basel
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(SP/BL) im Namen der Kommission. «Es müssen nicht einmal Regenbogenfamilien sein», gab er zu bedenken.

Zur Diskussion stehe die rechtliche Stellung von Kindern, die in Familienkonstellationen aufwüchsen, die sie nicht gewählt hätten. Wie viele Kinder betroffen seien, sei unbekannt, doch seien es wohl mehr, als man annehmen würde. Die Mehrheit der Kinder wachse nämlich nicht mehr in einer traditionellen Familie auf, wie die Scheidungsraten zeigten.

Die Befürworterinnen und Befürworter betonten, es gehe um die Interessen des Kindes. Dies sei das einzige Kriterium, sagte Raphaël ComteRaphaël
Comte

FDP-Liberale, NE
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Réseau urbain neuchâtelois (RUN), La Chaux-de-Fonds
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(FDP/NE). Ob eine Adoption im Interesse des Kindes sei, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Doch gebe es keinen Grund, gleichgeschlechtliche Paare grundsätzlich auszuschliessen.

Gewollte Ungleichbehandlung

Die Gegnerinnen und Gegner stellten nicht in Abrede, dass mit der heutigen Regelung Homosexuelle ungleich behandelt werden. Es handle sich aber um eine «gewollte Ungleichbehandlung», sagte Brigitte HäberliBrigitte
Häberli

CVP, TG
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Stiftung Lilienberg Unternehmerforum (Co-Leiterin Aktionsfeld)
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(CVP/TG). Ein Kind habe stets «richtige» Eltern, stellte Jean-René FournierJean-René
Fournier

CVP, VS
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Patria Genossenschaft, Basel
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(CVP/VS) fest.

Die Gegner versicherten, dass sie nicht Homosexualität ablehnten. Jeder solle nach seiner Art «selig oder zumindest glücklich» werden, sagte Urs SchwallerUrs
Schwaller

CVP, FR
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Bäuerliche Bürgschaftsgenossenschaft, Freiburg
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(CVP/FR). Er respektiere jede Form des Zusammenlebens. Dies bedeute aber nicht, dass er alle Formen gleichstellen wolle. Das Verbot der Adoption im Partnerschaftsgesetz habe weiterhin «volle Berechtigung».

Er bestreite auch nicht, dass sich Schwule oder Lesben ebenso gut um Kinder kümmern könnten wie Heterosexuelle. Dafür brauche es aber keine Adoption, befand Schwaller. Mit der Gleichstellung der registrierten Partnerschaft würde die Institution Ehe schleichend ausgehöhlt.

Mangelnde Akzeptanz im Volk

Die konservativen Kreise befürchten nicht zuletzt, dass nach der Adoption gleichgeschlechtlichen Paaren auch die medizinisch unterstützte Fortpflanzung zugänglich gemacht würde. Im Ständerat sprachen sie von «Salamitaktik» - und beriefen sich auf den Volkswillen.

Das Volk habe zur registrierten Partnerschaft nur deshalb Ja gesagt, weil man ihm versprochen habe, dass Adoption und künstliche Befruchtung für Schwule und Lesben ausgeschlossen blieben. Er hoffe, dass das Volk über die Adoption werde entscheiden können, sagte Schwaller.

Der Bundesrat lehnt eine uneingeschränkte Öffnung der Adoption für Schwulen- und Lesben-Paare ebenfalls ab. Er begründet dies mit mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz. Er möchte aber, dass Homosexuelle die Kinder ihrer Partner adoptieren können, wie er im Februar bekannt gab.

Die heutige Situation sei unbefriedigend, gab Justizministerin Simonetta Sommaruga am Mittwoch im Ständerat zu bedenken. Einzelne Personen könnten ein Kind adoptieren, und zwar unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung. Einem Paar im Konkubinat oder in eingetragener Partnerschaft dagegen sei dies nicht möglich.

Auslöser für die Motion der Ständeratskommission war eine Petition. Diese verlangt eine Ausgestaltung des Adoptionsrechts, die im Interesse des Kindes ist und nicht vom Zivilstand und der sexuellen Orientierung der adoptionswilligen Personen und Paare abhängt.

(sda)

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Es ist klar, dass Kinder männliche und weibliche Bezugspersonen haben sollen/müssen. Aber diese müssen ja nicht zwingend in einer Liebesbeziehung zueinander stehen? Wenn zwei Frauen zusammen Kinder grossziehen, heisst das noch lange nicht, dass das Kind nur Kontakt zu Frauen hat. – Manuela Binggeli

Haha.. "ein Kind hat Recht auf Mutter und Vater" Mein Vater starb als ich jährig war, ich wurde von meiner Mutter und Grossmutter (zwar kein Paar, aber zwei Frauen..) grossgezogen Keine Hänselei in der Schule und auch sonst hat es mir an nichts gefehlt, also macht nicht so eine Sache daraus! Ein Kind braucht Liebe und Geborgenheit, und nicht unbedingt Mutter und Vater! – Livia

Dieser Satz "Er begründet dies mit mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz." ist lächerlich. Wie sollen die Menschen es akzeptieren, wenn uns die Gesetzgebung daran hindert? Wie soll die Gesellschaft Akzeptanz zeigen können, wenn sie das nicht kann, weil es nicht möglich ist? Ich bin dafür, das alle Homosexuellen adoptieren dürfen. Nur so wird dieser Graben der momentan herrscht aufgehoben und die Menschheit wird dann endlich die Akzeptanz lernen müssen.... – Ana Correia

Die neusten Leser-Kommentare

  • L.R.R am 14.03.2012 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die Kinder

    Also bin 21 und war vor ein paar Jahren in der Schule hab die Kommentare durchgelesen und stelle fest das viele sagen: Oh das arme Kind wird gemobbt. Also ich weiss nicht wo das so ist aber an der Schule der ich war hatte wir solche probleme nicht. Da hatten wir ein lebsbisches pärchen und 2-3 Kinder die bei Homosexuellen aufgewachsen sind. Und es hat keinen gestört. Also an alle die sagen die Kinder werden gemobbt gehen erst nochmal selber zur schule und dann reden wir OK?

  • Reto am 14.03.2012 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich

    Ich wachse bei meinen zwei Papas auf und bin mega glücklich. Ich kann mir kein besseres Leben vorstellen (meine "mutter" ist einfach abgehauen als ich eins war). Doch was ich hier an Kommentaren lese, IHR HABT KEINE AHNUNG!!! Ich lasse mir von kein Gesetz der Welt meine Väter wegnehmen und ich möchte von meinem 2. Vater (daddy) adoptiert werden!!!!

  • Reto Stadelman am 14.03.2012 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Keinen Grund Adpt zu verweigern

    Etwas was hier oft wiederholt wird, ist das Kinder angeblich zwei Bezugspersonen brauchen. Sicherlich ist das von Vorteil, aber nicht unbedingt nögig. Die Angst das ohne Mann und Frau ein Kind das "richtige" Benehmen (auch in Bezug auf seine Sexualität) nicht lerne ist falsch. Praktisch jedes menschliche Verhalten ist in unseren Genen vorprogrammiert. So z.B. muss niemand Angst haben das ein Junge mit zwei Vätern später auch Männer mag. Es ist in seinen Genen das er sich für Mädchen interessieren wird. Also Leute, es gibt keinen Grund Homosexuellen die Adoption zu verweigern.

  • Nuck Chorris am 14.03.2012 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Sollten homosexuelle...

    ... Kinder haben können, so sollte das auf natürlichem wege gehen, da dies aber nicht geht sehe ich keinen Grund warum homosexuelle Menschen Kinder adoptieren können sollten. Darum Nein!!!

  • Michael Gross am 14.03.2012 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hat man schon Mal die Kinder gefragt?

    Homosexuelle sind eine Randgruppe von weniger als 3 Prozent. Es gibt auch Menschen, die sich in Gegenstände oder Leichen verlieben. Man sagt dem dann Objektsexualität. Warum eigentlich sollen Objektsexuelle keine Kinder adoptieren dürfen. Die Natur hat die Heterosexualität geschaffen, damit nachwuchs gezeugt und aufgezogen werden kann. Es gibt heute eine Menge von heterosexuellen Paaren, welche Kinder adoptieren möchten aber nicht können. Ist es wissenschaftlich erwiesen, dass ein homosexuelles Umfeld der normalen Entwicklung eines Kindes nicht schadet. Ich als Kind hätte Probleme damit.

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