Maurers Gripen-Trumpf

09. Dezember 2012 21:54; Akt: 10.12.2012 08:07 Print

Schweiz bezahlt für den Jet weniger als Schweden

Dank des Verhandlungsgeschicks von Ueli Maurer dürfte die Schweizer Armee für den Kampfjet vom Typ E bis zu 30 Prozent weniger bezahlen als das Herstellerland Schweden.

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Am 5. März 2013 entscheidet der Ständerat, den Gripen zwar kaufen zu wollen, aber die Ausgabenbremse zum Verpflichtungskredit von 3,126 Milliarden Franken nicht zu lösen. Dem eigentlichen Kauf der Kampfflugzeuge stimmte der Rat mit 22 zu 20 Stimmen bei einer Enthaltung zu. Ein äusserst knapper Entscheid also. Ständeratspräsident Filippo Lombardi hatte aber mit einem Augenzwinkern am Montag, 4. März, dafür gesorgt, dass man sich im Rat nicht verzählt - mit einem Zählrahmen. Mitte Januar 2013 gaben die Schweden bekannt, dass sie für 12,5 Milliarden Franken 60 ihrer Gripen kaufen wollen. Für die Schweiz ist es wichtig, dass das Herstellerland ebenfalls eine grosse Flotte des Kampfjets unterhält. Im November 2012 betonte Ueli Maurer, dass das Volk die höchste Hürde für den Kauf der Jets darstellen werde – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen: «Wir werden in einer Zeit über die Beschaffung abstimmen müssen, in der die wirtschaftliche Dynamik abgeflacht ist.» Der Staat Schweden garantiert in einem Rahmenabkommen mit der Schweiz, die 22 Gripen-Kampfjets für maximal 3,126 Milliarden Franken zu liefern, wie Verteidigungsminister Ueli Maurer am 28. August 2012 vor den Medien in Thun sagt. Sämtliche Entwicklungskosten seien inbegriffen. Der Kauf des Gripen berge Risiken, gegen die sich der Bund nun absichern müsse: Am 21. August 2012 präsentiert die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats ihren Bericht zur Kampfjet-Evaluation. Präsidentin Chantal Galladé (SP) und Thomas Hurter (SVP). Piloten der Schweizer Luftwaffe konnten vom 2. bis 4. Mai 2012 erstmals den Gripen D in Schweden fliegen. Im Bild ein Testpilot im Simulator der Weiterentwicklung Gripen F in Linkoeping. Um Synergien mit einer Bestellung der schwedischen Luftwaffe zu nutzen, verschiebt der Bundesrat am 25. April 2012 den Kauf um zwei Jahre und stellt ein neues Konzept zur Finanzierung vor. Verteidigungsminister Ueli Maurer vor den Medien in Bern. Um gegen Indiskretionen anzukämpfen, trat am 14. Februar 2012 die gesamte Armeespitze vor die Medien. Zwei Tage zuvor waren Teile eines Evaluationsberichts publik gemacht worden, in denen der Gripen im technischen Vergleich schlecht abschnitt. Seit dem Entscheid des Bundesrats, den Gripen zu kaufen, wurde dieser durch Indiskretionen attackiert. Der französische Hersteller Dassault reichte gar eine inoffizielle Offerte nach. Im Bild dessen Jet Rafale bei der Evaluation auf dem Armeeflugplatz in Emmen am 17. Oktober 2008. Der zweite erfolglose Konkurrent war der Eurofighter des europäischen Flugzeugherstellers EADS, im Bild am 14. November 2008 in Emmen. Der Bundesrat hatte sich am 30. November für den Kauf des Gripen entschieden. Ein wichtiger Grund war der vergleichsweise niedrige Preis des schwedischen Kampfjets. Bundesrat Ueli Maurer kommuniziert den Entscheid in Bern. Der Bundesrat will den Gripen E kaufen, die Weiterentwicklung des aktuell im Einsatz stehenden Gripen C/D. Vom Jet der neuen Generation existiert erst ein Demonstrationsmodell. Im Bild ein Gripen der alten Generation bei der Evaluation auf dem Flugplatz Emmen am 12. August 2008. Der Gripen soll den Kampfjet F-5 Tiger ablösen, der zwischen 1978 und 1984 ausgeliefert wurde. Im Bild betritt der damalige SVP-Bundesrat Rudolf Gnägi am 9. Dezember 1975 den Ständeratssaal vor der Beschaffungsdebatte. Die Schweizer Luftwaffe hat noch 54 Kampfjets vom Typ F-5 Tiger im Einsatz. In zwei Tranchen waren insgesamt 110 Maschinen beschafft worden. Ein Teil wurde später verkauft, neun Flugzeuge gingen durch Abstürze verloren. Inzwischen besteht auch die Möglichkeit, dass der Gripen dereinst auch den neueren Jet der Schweizer Luftwaffe, den F/A-18, ablösen könnte. Zu den Aufgaben der Schweizer Luftwaffe gehört der Luftpolizeidienst wie beispielsweise während des Weltwirtschaftsforums WEF in Davos. Im Bild zwei F/A-18 in Sion in einer undatierten Aufnahme. Im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkriegen in den 1990er-Jahren erlaubte die Schweiz Nato-Flugzeugen den Überflug. Im Bild eine C-17 Globemaster am 28. Dezember 1995 auf dem Weg nach Bosnien in Begleitung eines F-5E Tiger.

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Für einmal gibt es aus Schweizer Sicht positives über den neuen Armee-Jet Gripen zu berichten: Bundesrat Ueli Maurer hat offenbar gut verhandelt, wie die «Tagesschau» des «Schweizer Fernsehens» berichet. Verschiedene Quellen zeigen, dass die Schweiz ein Gripen-Jet des Typs E 100 Millionen Franken kosten wird. Die schwedische Armee, die deutlich mehr Flugzeuge als die Schweiz beziehen will, bezahlt pro Stück zwischen 115 und 130 Millionen Franken. Das schwedische Parlament wird am Dienstag dem Kauf von 60 neuen Jets zustimmen.

Die schwedische Verteidigungsministerin Karin Enström bestätigt in der «Tagesschau», dass Schweden für ein Flugzeug mehr bezahlen müsse als die Schweiz. Schweden könne dafür aber langfristig profitieren. «Dieser Preis beinhaltet die Entwicklungskosten und den Aufbau einer gesamten neuen Produktionskette. Wir wissen um das gute Ansehen der Schweizer Luftwaffe in der ganzen Welt. Einen solchen Partner brauchen wir. Und davon werden wir langfristig profitieren können.»

Der Verhandlungserfolg dürfte direkt Bundesrat Ueli Maurer zu verdanken sein. Er hat schon früh in den Verhandlungen – nämlich im November 2011 – mit Schweden einen Fixpreis festgesetzt. Diese Preisdifferenz könnte nun ein wichtiger Trumpf in den Händen Maurers werden, wenn er am Montag die Parteipräsidenten zu einem klärenden Gespräch empfängt.

(jam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomson am 10.12.2012 05:41 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt soll ich gratulieren?

    Dabei ist es immer noch zuviel da man eigentlich keine neuen Flugzeuge bräuchte.

  • J. Fischer am 10.12.2012 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Ausrede

    Mit diese Flugzeuge können sie heutzutage nicht die Schweiz verteidigen und retten auch wenn die "billig" sind. Hr. Maurer denkt jetzt, wo er President wird, dass er glaubwürdig ist.

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  • Müller am 10.12.2012 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Der einzige...

    .... Bundesrat den man brauchen kann und der mal was zustande bringt, ohne dass Schweiz grad wieder in eine Krise fällt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettina Wullschleger am 10.12.2012 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    wieder Amerikaner als CH- Flieger

    Die Schweiz wird sicherlich nicht ein paar aufgemotzte alte Occassions- Flieger Namens Gripen kaufen. Schon gar nicht überhaupt einen Deal mit diesen Schweden eingehen. Zudem ist die Marke Saab nicht vertrauenswürdig und von guter Qualität. '' Oder haben Sie jemals ein 20 jähriges altes Saab -Auto auf den Strassen gesehen?'' Wenn wir Schweizer ein paar neue Militärjets kaufen, dann nur wieder von den Amis. Es gibt viele gute Gründe, wieso die Schweiz wieder Amis- Flugzeuge kaufen sollte, um ihre Flotte aufzustocken, ergänzen und zu erneuern.

  • Greif am 10.12.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso der Gripen?

    Wie wohl alle wissen geht es darum die alternde Tiger II Flotte abzulösen. Dies ist nötig weil das Design der Zelle aus den 1950er Jahren stammt. Aus dieser wurde in den 1970er Jahren der Tiger II weiterentwickelt. Der Tiger ist auch heute nur für den Sichtluftkampf ausgerüstet und deswegen in einem modernen Szenario in denen glit wer den Feind auf dem Radar zuerst sieht gewinnt, nicht mehr verwendbar. Ebenfalls ist er heute im Dogfight modernen Flugzeugen unterlegen die wie die F/A 18 Nose on Target fliegen. Deshalb wird es Zeit diese durch ein zeitgemässes Flugzeug wie den Gripen abzulösen.

  • Michael Imboden am 10.12.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Luftpolizeidienst Ja/Nein

    Hört doch mal endlich auf damit! Es geht nicht um dieses Flugzeug.... die Frage ist doch ob die Schweiz einen Luftpolizeidienst machen will/soll oder nicht! Diese Antwort ist die Antwort ob es ein Flugzeug braucht oder nicht! Ganz einfach.....

    • Martin Sterchi am 10.12.2012 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Wie auf der Webseite des VBS zu entnehmen ist und wie auch schon der Chef der Luftwaffe im Schweizer Fernsehen gesagt hat, reichen die jetzigen F-18 für den Luftpolizeidienst. Es geht darum das Durchhaltevermögen in einem Ernstfall aufrechtzuerhalten, da die F-18 alleine nur ca. 2 Wochen durchhaten könnten.

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  • Karl Vetter am 10.12.2012 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    gripen-blödsinn

    einmal den hebel durchziehen und schon ist der vogel im ausland. ein paar weniger kaufen, dafür viel effizientere senkrechtstarter

    • Paul am 10.12.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Welche denn?

      Welchen Job sollen die Grippen erledigen, und warum sind VSTOL da im Vorteil? Was kann der Gripen was anderen nicht können? Du wirst erkennen - wenn Jet, dann genau den. :)

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  • karl vetter am 10.12.2012 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    gripen-blödsinn

    bei durchschnittlich 450km von grenz zu grenze sollte man ja eigentlich mal über senkrechtstarter diskutieren, gäbe ein paar weniger, wären aber viel effizienter....

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