Killerspiele im Ständerat

17. März 2010 16:23; Akt: 18.03.2010 12:57 Print

«Verbot bringt Umdenken bei der Game-Industrie»

von Lukas Mäder, Bern - Der Ständerat berät heute über ein Verbot von Killerspielen, das SP-Nationalrätin Evi Allemann verlangt. Im Interview mit 20 Minuten Online erklärt sie, dass es nicht nur um ein Verbot gehe.

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Soll wegen grausamer Gewaltdarstellung verboten werden: Das Computerspiel Manhunt 2. (Bild: pd)

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Sie gehört zu den grössten Feindbildern der Gamer in der Schweiz: Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann verlangt in einer Motion ein Verbot von sogenannten Killerspielen. Zusätzlich ist Allemann im Vorstand der Vereinigung gegen mediale Gewalt (VGMG), der unter Leitung von Roland Näf den Kampf gegen Computerspiele mit grausamen Gewaltdarstellungen orchestriert. Am Donnerstag soll der Ständerat über die Motion Allemann beraten, nachdem seine Rechtskommission diese unterstützt hatte (20 Minuten Online berichtete). Im Interview mit 20 Minuten Online relativiert sie ihre Verbots-Motion und erklärt, dass es begleitende Massnahmen brauche.

Sie fordern mit einer Motion ein Verbot von Killerspielen. Geht eine solche absolute Regelung nicht zu weit?
Evi Allemann: Das absolute Verbot soll nur für einzelne Spiele gelten. Mit meiner Motion will ich eine Diskussion anstossen über ein Regulierungssystem. Und dabei gibt es einige Spiele, die künftig ganz verboten sein sollen. Es wird sich wohl um etwa ein Dutzend Games handeln, wie in Deutschland, wo beispielsweise Mortal Kombat und Manhunt verboten sind, nicht aber Counterstrike. Dieses Game unterliegt einer Altersgrenze, Erwachsene können es jedoch frei erwerben und spielen.

Droht mit einem Verbot gewisser Spiele nicht, dass sie noch begehrter werden bei Jugendlichen?
Das müsste ja schon heute der Fall sein, indem Jugendliche versuchen, die teils brutalere amerikanische Version eines Spiels zu beschaffen, anstatt die europäische Version zu kaufen. Einzelne Missbräuche wird es immer geben. Aber je einfacher der Zugang zu diesen Spielen ist, umso mehr werden sie gespielt.

Aber der Zugang wäre über das Internet sehr einfach. Wie wollen Sie ein Verbot durchsetzen?
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Die Kontrolle und Strafverfolgung im Web beschäftigt die Fachleute stark. Das Problem stellt sich ja auch in völlig anderen Bereichen wie bei der Kinderpornographie oder rassistischen Inhalten. Heute ist deshalb auch eine Art Internetpolizei am Entstehen, die Missbräuche ahndet.

Sie wollen mit harter Hand durchgreifen?
Ja, wir müssen schauen, dass die Regeln, die ausserhalb des Internets gelten, auch im Internet gelten. Dafür braucht es eine staatenübergreifende Zusammenarbeit, zu der hin auch schon erste Schritte unternommen wurde. Der Europarat hat zum Beispiel ein internationales Übereinkommen über die Cyberkriminalität abgeschlossen, welche die Bekämpfung von Computer- und Internetkriminalität griffig regeln will.

Oft wird ein Zusammenhang zwischen Jugendgewalt und Killerspielen hergestellt. Dabei ist ein solcher gar nicht belegt.
Da scheiden sich die Geister. Es gibt Studien, die sagen das eine, und solche, die sagen das andere. Ich handle nicht nach Studien, bei denen dubios ist, wer sie finanziert hat. Es gibt jedoch Untersuchungen, die mediale Gewalt als einen von vielen Faktoren darstellen. Abhängig davon, welche anderen Faktoren noch dazukommen, kann es Auswirkungen haben bis hin zu einem Schul-Amoklauf. Aber das sind Einzelfälle.

Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Killergames und Amokläufen?
So direkt natürlich nicht. Es liegt mir fern zu behaupten, dass alle Spieler von Killergames gewalttätig werden. Nachgewiesen wurde aber, dass ein exzessiver Konsum von Actiongames einen Einfluss auf das Aggressionspotenzial hat. Aber wenn das der einzige Faktor ist und daneben ein stabiles soziales Umfeld besteht, die schulischen Leistungen stimmen und so weiter, dann ist das meist kein Problem.

Das Verbot für gewisse Spiele soll nicht nur für Minderjährige gelten, sondern für alle. Warum wollen Sie Erwachsenen vorschreiben, was sie spielen dürfen?
Die Auswahl der Spiele ist riesig. Dieser Markt ist sehr dynamisch und entwickelt sich laufend. Das Gamen an sich will ich niemandem wegnehmen. Mein Anliegen ist einzig, das wir diejenigen Spiele aus dem Verkehr ziehen, die die Grenze des in unserer Gesellschaft Akzeptierten überschreiten.

Welche Spiele sind das?
Das sind Spiele, in denen grausame Gewalttätigkeiten zum Spielerfolg beitragen. Viele Spiele fallen nicht unter diese enge Definition. Das Bewusstsein wird wachsen dafür, dass grausame Gewaltdarstellungen nicht nötig sind für den Spielspass.

Warum wollen Sie diese grausamen Spiele verbieten?
Bereits heute gibt es von gewissen Spielen eine amerikanische Version, die blutrünstig ist, und eine weniger extreme europäische Version. Das langfristige Ziel ist, eine Sensibilisierung der Game-Industrie zu erreichen. Die Hersteller sollen andere Arten von Games entwickeln oder zumindest die Gewalttätigkeiten nicht mehr als zentrales Spielelement für den Erfolg einbauen. Der Trend geht bereits in diese Richtung.

Es geht Ihnen also nicht nur darum, Spiele zu verbieten, sondern Sie wollen einen Prozess in Gang setzen?
Genau. Ich will einerseits eine unregulierte Situation in der Schweiz verhindern. Und andererseits bringt ein Verbot ein zukünftiges Umdenken in der Industrie.

Sie wollen den Game-Markt in der Schweiz regulieren und greifen dafür auf Verbote zurück. Ist dieser Lösungsvorschlag nicht zu kurzsichtig?
Ein Verbot alleine bringt nichts. Es ist mit Präventionsmassnahmen, der Förderung von Medienkompetenz oder Elternbildung zu begleiten. Idealerweise stösst meine Motion diese Diskussion an, denn solche Begleitmassnahmen kosten auch Geld. Attraktiv für die Jugendlichen wäre auch, wenn an den Schulen das Thema Neue Medien präsenter wäre, und damit meine ich nicht nur Killergames.

Soll nun nicht einmal mehr der Staat Massnahmen ergreifen, obwohl eigentlich die Eltern ihre Verantwortung nicht übernehmen, weil sie von Computerspielen überfordert sind?
Die Eltern sind in der Tat oft überfordert. Ihnen eine Leitplanke zu geben im Umgang mit Spielen, ist ein Ziel von mir. Das soll über eine unabhängige Zertifizierungsstelle geschehen, die Empfehlungen abgibt, welche Spiele sinnvoll, welche erst ab einem bestimmen Alter zugelassen und welche zu verbieten sind. Es wäre verantwortungslos, sich nur auf ein Verbot abzustützen. Gleichzeitig ist es ein bisschen einfach, die ganze Schuld den Eltern abzuschieben.

Sie wollen eine Zertifizierungsstelle, obwohl es bereits die Altersempfehlung PEGI gibt. Warum noch eine neue Einrichtung?
Die sogenannte PEGI-Richtlinie reicht nicht, weil diese von der Spielindustrie abhängig ist. Es braucht eine branchenunabhängige Bundesstelle, die für gewisse Spiele Altersgrenzen festsetzt oder andere Spiele als unbedenklich oder sogar pädagogisch wertvoll einstuft. Als Vorbild könnte Deutschland dienen. Aber wichtig ist, dass der Bund eine Auslegeordnung erstellt, wie man diese Vorgabe umsetzen könnte. Dabei soll man auch auf Erfahrungen im Ausland zurückgreifen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simona am 04.06.2010 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir etwa Verbrecher?

    Viele meiner Schul- und Arbeitskollegen spielen beispielsweise Call of Duty Modern Warfare 2, davon kenne ich niemanden, der auch nur ein bisschen gewalttätig ist. Spielen Sie doch bitte mal dieses Spiel und danach FIFA 10, und sagen sie danach welches Sie aggressiver gemacht hat..

  • Ralf Meister am 17.03.2010 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Genau wie bei den Waffen,

    wenn verboten = keine Probleme. Das ist doch alles hirnrissiger Schwachsinn! Dann wird bestimmt als nächstes der "Tatort" im Fernsehen verboten, oder???

  • Chris. am 18.03.2010 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt in Medien

    Im gegensatz zu manchen Politiker mangelt es mir nicht am " gsungem Mönscheverstand " und kann zwischen Fiktion und Realität unterscheiden . Bei einem verbot von Spielen bezüglich Gewalt kan man gleich alle Medien verbieten . Bertachten wir nur die Tagesschau auf SF , täglich nur Gewalt und Blut pur das widerum ist Realität !!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 08.02.2011 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    nein wir sind keine Verbrecher.

    Tja liebe Simona wenn du den Unterschied zwischen unnötiger Brutalität und Verbrechertum nicht kennst, ist es vielleicht wirklich an der Zeit ein solches Verbot ein zu führen. Die Forderungen von Frau Allemann sind vernünftig, wenn man sich mal damit befasst was sie zu sagen hat und nicht dazu verleiten lässt Sprüche zu klopfen weil man ein Reizwort gehört hat. Ich war zuerst auch gegen ein solches Verbot, aber da die Tendenz der Spiele dazu geht keine anderen Qualitätsspiele mehr herraus zu bringen als Gewaltspiele, sind die Forderungen durchaus berechtig.

  • Simona am 04.06.2010 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir etwa Verbrecher?

    Viele meiner Schul- und Arbeitskollegen spielen beispielsweise Call of Duty Modern Warfare 2, davon kenne ich niemanden, der auch nur ein bisschen gewalttätig ist. Spielen Sie doch bitte mal dieses Spiel und danach FIFA 10, und sagen sie danach welches Sie aggressiver gemacht hat..

  • jonas wirth am 14.05.2010 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    JUHU ICH BIN EIN VERBRECHER

    Die Hersteller sollen andere Arten von Games entwickeln oder zumindest die Gewalttätigkeiten nicht mehr als zentrales Spielelement für den Erfolg einbauen. Jaja ich freu mich schon auf call of dutty 7: dalei lama bz call of tibet und da muss man dan gegner bekehren -.- Glaubt echt jemand das dieses verbot irgend was bewirkt? Glaubt jemand wie Infinity wards lässt sich von nem kleinen land wie der schweiz abschrecken (hui 100.000 verkaufte exemplare weniger...) Das einzige was passiert ist das man sich die games anders wo "kauft"... Und übrigens sinds immer noch die waffen die töten

  • thomas Greuter am 06.04.2010 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    fortsetzung

    ... wenn es das kind nicht bekommt, dann holt es der Vater, wir machen ihn darauf aufmerksam, dass das spiel gewalt verherrlicht - die antwort kommt promt ach das geht schon in ordnung. oder ich erziehe meine kinder. tipp an die eltern kontrolliert doch mal die rechner eurer lieben (nicht private Dateien) sondern den programm ordner ;-) ) Ein Verbot hilft da gar nichts US Import und die SP die sollte lieber kleine brötchen backen das mass ist da auch voll genung mit den schwachen leistungen der letzten Jahre.

  • Thomas greuter am 06.04.2010 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt - Hemschwelle - TV ???

    gewalt im TV ist ok da schaut man nur zu und im game drück man eben selbst ab ist das häufigste argument dass man zuhören bekommt. aber dass zum ersten diese spiele haben unrealistischen fun faktor drin und zum anderen wer bei militär war weiss genau das es mehr braucht um eine waffe scharf zu machen als nur z.B. x taste drücken. also ist ein affekt nie möglich, sonderen wäre dies kaltblütige planung. dass die amokläufer solche games habe zufall nein weil es bei sicher mehr als 90% aller Teenager zw 14 - 18 eine über solche software verfügen. ich verkaufte diese software im laden - wenn es ...