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Knatsch um Paradeplatz
14. Oktober 2011 09:05; Akt: 15.10.2011 09:26 Print
In der kruden Denkwelt von «We are Change»
von J. Bedetti/F. Burch - Auf dem Zürcher Paradeplatz treffen sich am Samstag Banken- und Globalisierungskritiker. Doch eine Gruppe ist den anderen Aktivisten gar nicht genehm.
Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Eine kapitalismuskritische Bewegung, wie sie sich von Spanien und Amerika über die halbe Welt zu verbreiten scheint, gab es schon länger nicht mehr. Genau das nutzt die Gruppe «We are Change». Am Samstag mischen sie auch in der Schweiz mit und rufen auf zu den Aktionen in Zürich, Bern, Basel und Genf.
Dominic Schriber (links) mit Jan Udo Holey.
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Occupy ... the USA!«Wir werden ausgeraubt»Demo gegen BankenmachtWall-Street-Protestbewegung breitet sich ausMassenverhaftungen in New York
Juso distanziert sich von «We are Change»
Die Juso distanziert sich gegenüber 20 Minuten Online erstmals deutlich von «We are Change». David Roth, Präsident der Juso, welche die Aktion am Paradeplatz mitorganisiert, sagt: «Für uns ist klar, dass 'We are Change' eigentlich nichts an der Demonstration verloren hat.» Die Gruppe versuche sich als Trittbrettfahrerin in der Kapitalismuskritik um ihre abstrusen Ideen unter das Volk zu bringen. Es sei eine Gruppe, mit welcher sich Sektenbeobachter beschäftigten. «Wir haben sie zur Versammlung im Volkshaus nicht eingeladen; sie kamen, weil sie davon gehört hatten», so Roth. Die Juso lasse sich das Thema «Macht der Banken» nicht von einer obskuren Gruppe wegnehmen. «Wir können sie aber nicht daran hindern, an einer öffentlichen Demonstration teilzunehmen.»
Dagegen regt sich nun immer mehr Widerstand. David Roth, Juso-Präsident und Mitorganisator von «Occupy Paradeplatz», distanziert sich gegenüber 20 Minuten Online nun mit klaren Worten erstmals von «We are Change Switzerland» (siehe Box).
Entstanden ist die Bewegung mit weltweiten Ablegern in den USA; die Verschwörungstheoretiker halten die 9/11-Anschläge für eine Inszenierung von US-Geheimdiensten. Weitere seltsame Ansichten der Gruppe: Der norwegische Attentäter Anders Breivik soll eine Marionette der Nato sein und die Klimaerwärmung eine Lüge. Zudem hält «We are Change» wie die amerikanische Tea-Party-Bewegung Obamas Geburtsurkunde für eine Fälschung.
IT-Spezialist bei einer Bank
Als Kopf des Schweizer Ablegers darf Dominic Schriber bezeichnet werden. Der Mann ist 24 Jahre alt, und obwohl (oder weil?) er angetreten ist, die Geheimpolitik der Finanzbranche öffentlich zu machen, arbeitet er als IT-Spezialist bei einer Bank. Nebenbei baut Schriber einen Handel auf, der Lebensmittel direkt vom Bauern zu den Konsumenten bringen soll, und reimt seine Botschaften als Rapper.
Das tönt so: «Es sind Illuminaten, die unsere Meinung spalten, mit Microchips in den Köpfen, um uns einfacher zu verwalten, Konferenzen abhalten, um das Weltgeschehen zu verhandeln, (...) Bilderberger die Wahl von Präsidenten gestalten und sich gern hinter Banken und Thinktanks verschanzen.»
Verschwörungstheoretiker, vereinigt euch
Dominic Schriber selber sieht sich als «Online-Redakteur und Aktivist von ‹We are Change›, wie meine Mitstreiter auch.» Schriber beschreibt die Gruppe gegenüber 20 Minuten Online so: «Wir sind eine friedliche Graswurzelbewegung, die sich für die Aufklärung einsetzt und unabhängigen Journalismus mit kreativen Infokampagnen verbindet.» «We are Change» sei eine Gruppe, zu der sich freie Menschen zusammenschliessen würden, um Themen zu beleuchten, die in der öffentlichen Wahrnehmung vernachlässigt würden.
In Erscheinung traten die Aktivisten von «We are Change» im Juni an der Bilderberg-Konferenz in St. Moritz. Dort fotografierten sie die getönten Scheiben der einfahrenden Karossen.
Wer also ist «We are Change»? Laut Sektenkenner Hugo Stamm ist die Gemeinschaft riesig, aber verzettelt. «‹We are Change› ist jung und droht die Weltverschwörungstheoretiker zu organisieren», so Stamm. Es seien Aktivisten, die Geld und Zeit investierten, um beispielsweise an die Bilderbergkonferenz zu fahren.
Vereinslokal in Zürich gekündigt
Die Aktivisten passen, immer mit Videokameras ausgerüstet, Politiker und andere öffentliche Personen ab, um sie mit Vorwürfen zu konfrontieren. So schafften sie es, den Grünen Nationalräten Geri Müller und Daniel Vischer Aussagen zu entlocken, welche die Grenze des Antisemitismus streiften.
Aus diesem Grund kündigte die Stadt Zürich «We are Change» kürzlich den Mietvertrag mit dem Jugendkulturhaus «Dynamo». «We are Change» bestreitet die Vorwürfe heftig. Sie seien haltlos. In ihren Reihen befänden sich Leute von unterschiedlichster Herkunft mit einem politisch, gesellschaftlich und religiös vielfältigen Background.
In freundschaftlicher Pose mit einem Rechtsextremen
Schriber wehrt sich auch dagegen, als Verschwörungstheoretiker bezeichnet zu werden. «Der Begriff ist auf uns nicht anwendbar, da wir eine offene Gruppe sind und nicht im Verborgenen arbeiten.» Dieser Vorwurf basiere entweder auf einer Unkenntnis der Definition des Begriffs oder auf der Absicht die Gruppe zu diskreditieren. Im Zusammenhang mit Breivik verweist Schriber auf einen Beitrag, der legitime Fragen zur Nato-Organisation «Gladio» stelle. Darin steht unter anderem, dass Geheimarmeen terroristische Attentate in Europa verübt hätten.
Durch ihre obskure Weltsicht kommt die Gruppe auch mit Rechtsextremen in Kontakt. Von Schriber gibt es ein Bild mit Jan Udo Holey. Dieser schrieb auch unter dem Pseudonym Jan van Helsing Bücher, die wegen antisemitischer Volksverhetzung in Deutschland beschlagnahmt wurden. Holey gilt als Rechtsextremist.
Regelmässige Treffen
Nebst Schriber, der kein Aushängeschild sein möchte, taucht im Zusammenhang mit «We are Change» der Name Heino Fankhauser auf. Fankhauser kandidiert als Parteiloser für den Nationalrat und sagt: «Bei ‹We are Change› gibt es keinen Kopf oder Führer; jeder, der will, darf mitmachen.» Alle zwei bis drei Wochen würden sich die Ableger der einzelnen Kantone treffen. «Wir machen Aktionen auf der Strasse, diskutieren mit Leuten, verteilen Flyer, zeichnen mit Kreide», so Fankhauser. Und: «Wir wehren uns gegen Antisemitisums.»
Am Samstag nun fahren sie zum Paradeplatz. Friedlich, wie Schriber betont. Man stehe in Kontakt mit der Polizei. «Damit setzen wir ein Zeichen, dass wir unsere Verantwortung wahrnehmen und den Menschen hinter den Uniformen freundlich begegnen können.»
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Alle 57 Kommentare






























Antisemitismuskeule
Ich habe mir Bücher von Jan Udo Holey schon zu Gemüte geführt.. fand vieles darin einen grossen Esotherik-Quatsch. Diese aber gleich als volksverhetzend und antisemitisch zu bezeichnen, nur weil darin die Protokolle abgedrukt sind, finde ich übertrieben. WeAreChange als antisemitisch hinzustellen, nur weil sie sich kritisch gegenüber der Politik von Israel äussern, ist noch unbegründeter. Es braucht solche Bewegungen, die sich getrauen auch mal Sachen zu thematisieren, welche die grossen Medien gerne ausblenden oder wie z.B. die Bilderbergkonferenz herunterspielen.
Meinungen...
An eine Kapitalismuskritische Demonstration darf doch jeder gehen, der das unterstützen will, auch wenn er in anderen Themen unterschiedliche Ansichten hat. Gerade die neuen Terrorismusvorwürfe gegen Iran seitens der USA sind mehr als zweifelhaft und rechtfertigen kritisches Hinterfragen auch von anderen Vorfällen.
JUSO falsch zitiert.
Die JUSO wird in dem Artikel falsch zitiert. David Roth hat nach eigener Aussage sich von den "Inhalten" der We Are Change Bewegung distanziert. Nicht von der Bewegung selbst, gegen die er absoult nichts hat.