Rechtsextreme Partei

16. Januar 2017 08:05; Akt: 16.01.2017 08:22 Print

«Ein Pnos-Haus wäre für die Schweiz gefährlich»

Einmal mehr lieferte die Pnos der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel. Doch die rechtsextreme Partei sei viel zu wenig erfolgreich, um eine echte Gefahr zu sein, sagt ein Experte.

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Die rechtsextreme Band Bronson aus Italien war als Act am Konzert der Pnos in Willisau LU vom 14. Januar 2017 angekündigt. Die Anwesenheit der Band habe aber nicht erhärtet werden können, teilte die Kapo Luzern mit. Vor Ort waren die Bandmitglieder aber sehr wohl, wie dieses Bild aus einem Nebenraum des Lokals in Willisau zeigt. Bronson selbst haben es am Tag nach dem Konzert auf der Facebook-Seite der Band gepostet. Dazu schreiben sie: «Foto aus unserem Versteck, während der Geheimdienst uns suchte.» Offiziell bestätigt ist es nicht, doch der Bund hat wohl eine Einreisesperre gegen die Bandmitglieder erlassen. Eine Einreisesperre lag höchstwahrscheinlich auch gegen Julian Fritsch alias MaKss Damage vor. Der rechtesxtreme Rapper, der ebenfalls für das Pnos-Konzert angekündigt war, dürfte wohl jener Deutsche sein, der kurz vor dem Beginn des Anlasses an die Grenze zu Deutschland zurückbegleitet worden ist. Mit diesem Flyer warb die Pnos für das Konzert. Beim Act «Gixu» handelt es sich um Pnos-Präsident Dominic Lüthard persönlich. Wo das Konzert stattfand, wurde bis am Tag der Veranstaltung geheim gehalten. Wer teilnehmen wollte, wurde zuerst nach Rothrist AG gebeten. Erst dort erfuhren die Pnos-Anhänger, dass das Konzert in Willisau stattfinden würde. Er stand in Willisau als «Gixu» auf der Bühne: Pnos-Präsident Dominic Lüthard, der in der Vergangenheit Sänger der rechtsextremen Schweizer Band Indiziert war. In Willisau hatten die Organisatoren ein Eventlokal gemietet – und dabei behauptet, beim Anlass handle es sich um ein Geburtstagsfest. Das Lokal fasst maximal 180 Personen. Anwesend beim Konzert waren rund 150.

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Die Partei national orientierter Schweizer (Pnos) veranstaltete am Samstag ein Konzert in Willisau LU – und hielt im Vorfeld die Polizei in mehreren Kantonen auf Trab. Bereits im Oktober des letzten Jahres hatte die rechtsextreme Partei für Aufregung gesorgt, als sie in einem Restaurant in Kaltbrunn SG die Gründung neuer Sektionen in der Ostschweiz feierte.

Laut dem Extremismus-Experten Samuel Althof kann man aus der Häufung solcher Anlässe jedoch nicht schliessen, dass die Pnos Aufwind hat. «Derartige Veranstaltungen sind vielmehr das einzige Mittel dieser Partei, auf sich aufmerksam zu machen», sagt er zu 20 Minuten.

Sie könne keinerlei politische Leistung vorweisen und daher auch nichts bewirken. «Es müsste Massenübertritte von der SVP in die Pnos geben, damit sie überhaupt irgendwo Erfolg haben könnte. Dass dies passiert, scheint derzeit ausgeschlossen.»

Geringe Mobilisierungskraft

Zuwachs habe diese Szene nicht, es gebe ein Nachwuchsproblem. Althof: «Selbst wenn die Pnos tatsächlich etwa 400 Anhänger hätte, wie sie behauptet, wäre das noch wenig.» In Wahrheit sei der Zulauf der Pnos jedoch deutlich geringer, für ihre Anlässe könne sie oft weniger als hundert Personen mobilisieren.

Zweck des Konzerts vom Samstag war es laut dem Flyer, Geld für ein «Partei-Haus» zu sammeln. Sollte die Pnos dereinst wirklich ein eigenes Versammlungslokal haben, könnte dies gefährlich werden, sagt Althof. «Ein solches Haus wäre ein Magnet für die Neonazi-Szene in ganz Europa. Ein solcher Freiraum für Rechtsextreme wäre ein Anziehungspunkt.» Wo es Lokale dieser Art gebe oder gegeben habe – etwa in Ostdeutschland oder Schweden – habe man sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Pnos-Haus würde von Linksextremen attackiert

Zudem wäre es für die Polizei deutlich schwieriger zu kontrollieren, was in einem parteieigenen Lokal abläuft, als wenn die Pnos sich in öffentlichen Räumen treffen müsse, sagt Althof. Auch würde ein solches Versammlungslokal die Gegenseite auf den Plan rufen: «Es würde ständig von Linksextremen attackiert. Für die Anwohner wäre dies eine starke Belastung und ein grosses Sicherheitsrisiko.»

Ob es der Pnos aber tatsächlich gelingen wird, ein solches «Partei-Haus» zu eröffnen, ist laut Althof fraglich. Bei einem Eintritt von 35 Franken pro Person und rund 150 Besuchern beim Konzert von Willisau dürfte die Pnos ihrem Ziel, ein eigenes Lokal zu finanzieren, jedenfalls nicht viel näher gekommen zu sein.

Eingenommen hat die Partei damit maximal rund 5000 Franken – davon muss sie jedoch die Raummiete und die Gagen für die internationalen Musiker aus der Neonazi-Szene abziehen. Pnos-Präsident Dominic Lüthard war für 20 Minuten nicht erreichbar.


(lüs)