Jungbeizer vor Gericht

13. September 2017 08:06; Akt: 13.09.2017 09:11 Print

Zürcher G20-Chaot bestreitet Faustschlag

Ein 29-jähriger Zürcher Jungbeizer muss sich am Donnerstag in Hamburg vor Gericht verantworten. Seine Anwältin äussert sich nun zum Fall.

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Auch Schweizer sollen sich dem Schwarzen Block angeschlossen haben. Die wüsten Szenen aus der Vogelperspektive. Hier fliegt Feuerwerk in Richtung Polizei. Die Polizei hat mehrere Krawalltouristen aus dem Ausland festgenommen. Wasserwerfer standen pausenlos im Einsatz. (8. Juli 2017) Unter den Chaoten befanden sich auch Linksautonome aus der Schweiz. (8. Juli 2017) In den Strassen brannten Barrikaden. (8. Juli 2017) Es gab verletzte Polizisten. (8. Juli 2017) Beurteilt das Ausmass an Gewalt als «ganz schrecklich» und «bedrückend»: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz steht während des Partnerprogramms des G20-Gipfels im Rathaus in Hamburg. (8. Juli 2017) «Grenzenlose Solidarität statt G20»: Rund 15'000 Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt. (8. Juli 2017) Der Morgen nach der Krawallnacht: Putz-Equipen räumen in Hamburg auf. (8. Juli 2017) Ein demolierter Bankomat. Diese Gegenstände wurden von den Randalierern angezündet. Ein neues Ausmass an Hass und Gewalt erlebt: Polizisten führen im Schanzenviertel mehrere Menschen ab. (7. Juli 2017) Polizei setzt Rammbock ein: Unter anderem mit Steinschleudern und Molotowcocktails bewaffnete Demonstranten haben sich in einem Haus verschanzt. Einsatzkräfte haben das Gebäude geräumt. (7. Juli 2017) Spezialeinheiten haben das Viertel gesürmt. (7. Juli 2017) Rund um das Gemeinschaftszentrum der linksautonomen Szene «Rote Flora» brannte es in den Strassen. Im Schanzenviertel brannten Barrikaden. Die Hamburger Polizeiführung hat Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung angefordert. Insgesamt sollen mehr als 20'000 Beamte im Einsatz sein. (7. Juli 2017) Demonstranten haben Geschäfte geplündert. Beim Sturm auf das Schanzenviertel stehen auch SEK-Beamte mit Maschinenpistolen im Einsatz. (7. Juli 2017) Demonstranten hatten ausgerufen, das Schanzenviertel sei eine «polizeifreie Zone». A barricade is set on fire during a protest against the G-20 summit in Hamburg, northern Germany, Friday, July 7, 2017. The leaders of the group of 20 meet July 7 and 8. (AP Photo/Michael Probst) Es kam zu Plünderungen. Radikale Demonstranten haben einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelladen zerstört. Krawalle in Hamburg: G20-Gegner liefern sich Scharmützel mit der Polizei. (7. Juli 2017) Die Demonstranten und die Polizei geraten aneinander. (7. Juli 2017) Die Polizei greift durch: Sie hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen. (7. Juli 2017) Die Zugänge zur Elbphilharmonie sind abgesperrt. (7. Juli 2017) Protestierende versammeln sich in der Nähe der Landunsgbrücke. Einzelne Demonstranten versuchen, zur Elbphilharmonie zu gelangen. Die Polizei hat die Zugänge jedoch abgesperrt. (7. Juli 2017) Ungewöhnliche Methode: Die Polizei geht gegen Demonstranten vor. Ein Polizist hat ein Warnschuss abgegeben. (7. Juli 2017) Polizisten rennen durch Rauchwolken. (7. Juli 2017) Die Polizei versucht, G20-Gegner zu vertreiben. (7. Juli 2017) Die Polizei versucht mit Wasserwerfern, die Demonstranten bei der Landunsgbrücke auseinanderzutreiben. (7. Juli 2017) Die Hamburger Polizei hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen. (7. Juli 2017) Gipfelgegner sitzen auf der Strasse. (7. Juli 2017) Demonstranten versuchen, die Elbphilharmonie zu stürmen. (7. Juli 2017) Die Polizei riegelt die Zugänge zur Elbphilharmonie ab. (7. Juli 2017) Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump ist von Demonstranten an der Teilnahme am Partnerprogramm des G20-Gipfels gehindert worden. Die Bundespolizei in Niedersachsen, Hamburg und Bremen twitterte Bilder von beschädigten Polizeifahrzeugen mit dem Hinweis, sich von gewalttätigen Chaoten fernzuhalten. (Bild: Twitter/Bundespolizei Nord) Zwischen Demonstranten und der Polizei ist es zu Ausschreitungen gekommen. Ein Auto wurde während der Ausschreitungen angezündet. Krawalle in Hamburg: Die Einsatzkräfte mussten sich auch um diesen brennenden Mülleimer kümmern. Wurfgegenstände werden auf dem Weg eingesammelt. Seifenblasen vs. Wasserwerfer. Mehr als 19'000 Polizeibeamte stehen zurzeit in Hamburg im Einsatz. Dieser Pizzalieferant scheint unberührt von den ihn umgebenden Strassenschlachten. Die Demonstranten warfen Flaschen und andere Gegenstände gegen die Einsatzkräfte. Ein Demonstrant mit klarer Geste gegen die Polizei. Sanitäter tragen einen Verletzten weg. Fertig lustig: Die Bereitschaftspolizei setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. Die Polizei stürmt die Demo. Die Polizei umzingelt die Demo mit Wasserwerfern. Die Polizei eskortiert die Anti-G-20-Demo durch Hamburg. Ein gigantischer aufblasbarer schwarzer Block wird am Marsch mitgetragen. Teilnehmer des Protests «Welcome to Hell». Man protestiert zu Livemusik. Die Polizei in Hamburg hat alle Kräfte am Fischmarkt vor Beginn des Protests mobilisiert. «Fähren, nicht Frontex»: Mit Bannern und Schildern versammeln sich Tausende. Die Polizisten stehen in Hamburg mit einem Grossaufgebot für allfällige Scharmützel der Demonstranten bereit. Teilnehmer warten auf den Start der Demonstration. Am Fischmarkt sind die ersten Demonstranten eingetroffen. Die Polizei vermutet Brandstiftung im Zusammenhang mit dem G-20-Gipfel: Im Stadtteil Eidelstedt brannten in der Nacht acht Luxusautos auf dem Gelände eines Porschehändlers. (6. Juli 2017) Policemen shoot pepper spray on a demonstrator who has climbed onto an armored vehicle of the police during a protest on July 7, 2017 in Hamburg, northern Germany, where leaders of the world's top economies gather for a G20 summit. Protesters clashed with police and torched patrol cars in fresh violence ahead of the G20 summit, police said. German police and protestors had clashed already on Thursday (July 6, 2017) at an anti-G20 march, with police using water cannon and tear gas to clear a hardcore of masked anti-capitalist demonstrators, AFP reporters said. / AFP PHOTO / DPA / Boris Roessler / Germany OUT

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Das Hamburger Amtsgericht verhandelt am Donnerstag über den Fall des 29-jährigen Zürchers, der am Rande der G20-Proteste von Anfang Juli festgenommen worden ist. Er soll zwei Flaschen gegen Polizisten geworfen und einem Passanten, der ihn zur Rede gestellt hat, einen Faustschlag gegen den Oberkörper versetzt haben.

Ihm wird versuchte gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen sowie einfache Körperverletzung vorgeworfen. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, gibt der Zürcher die Flaschenwürfe zu. Er bestreitet aber die Körperverletzung.

«Mein Mandant muss als Sündenbock hinhalten»

Seit 12 Wochen sitzt der 29-Jährige bereits in U-Haft, in einer Einzelzelle. Festgenommen wurde er an einer Tanzdemonstration, an der zwischen 11'000 und 20'000 Leute teilnahmen. Pro Monat darf er eine Stunde telefonieren und für zwei Stunden Besuch empfangen, schreibt die Zeitung. Pro Tag darf er drei Stunden aus der Zelle.

Seinen Zweitjob, den er nebst dem Restaurantbetrieb ausübt, hat er verloren, zu Hause wartet seine dreijährige Tochter. Für die Anwältin des Zürchers, Iris Killinger, steht fest: «Mein Mandant muss als Sündenbock für die späteren Verwüstungen hinhalten.» Die lange Untersuchungshaft sei für sie «vollkommen unverhältnismässig», wie sie dem «Tages-Anzeiger» sagt.

Hohe Strafe erwartet

Da der Zürcher die Flaschenwürfe zugegeben und sich dafür entschuldigt habe, hätte der Fall per Strafbefehl und ohne öffentliche Verhandlung erledigt werden können, so die Anwältin. «Hier wurde ein legaler Haftgrund nur vorgeschoben, in Wirklichkeit geht es um Abschreckung», so Killinger.

Nana Frombach von der Hamburger Staatsanwaltschaft sagt zu diesem Vorwurf: «Abschreckung ist kein Haftgrund.» Ausschlaggebend für die U-Haft des Zürchers sind laut der Oberstaatsanwältin die fehlende Auslieferungsmöglichkeit aus der Schweiz, fehlende soziale Bindungen in Deutschland und die hohe Strafe, die erwartet wird.

«Er will im Moment einfach nur raus»

Auch dass der 29-Jährige eine ältere Schwester in Deutschland hat, reiche nicht als soziale Bindung. Sie hat ihren Bruder bereits besucht. «Er will im Moment einfach nur raus», sagt sie zur Zeitung.

Auch ein Freund des Zürcher Beizers, der anonym bleiben möchte, äussert sich zu den Vorkommnissen in Hamburg. «Meine Freunde demonstrierten gegen G-20, weil es ihnen ein politisches Anliegen war», sagt er zum «Tages-Anzeiger». Die Flaschenwürfe seines Freundes seien ungeplant und dem Alkohol geschuldet gewesen.


Demonstranten plündern Geschäfte in Hamburg. Video: Twitter/Storyful

(jen)