Unfruchtbarkeit droht

12. August 2017 06:28; Akt: 12.08.2017 07:03 Print

Rekruten erkrankt – Mumps-Fälle nehmen zu

Derzeit erkranken wieder mehr Personen an Mumps. Bei jungen Männern, die sich nicht gegen Mumps geimpft haben, kann das Virus schwere Folgen haben.

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Elf Rekruten, die derzeit in Wangen an der Aare zu Soldaten ausgebildet werden, sind auf der Krankenstation. Sie haben sich mit Mumps angesteckt, einer Kinderkrankheit, gegen die man sich impfen kann. Im Kindesalter verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen harmlos. Doch für junge Männer ist eine Ansteckung nicht ungefährlich.

«Eine gefürchtete Komplikation ist die beidseitige Hodenentzündung», sagt Rami Sommerstein, Oberarzt für Infektiologie am Berner Inselspital. Sie führe in der Hälfte der Fälle zu Unfruchtbarkeit. Sommerstein geht davon aus, dass maximal einer von zweihundert erkrankten Männern nach der Genesung keine Kinder mehr zeugen kann.

Geimpfte haben seltener Komplikationen

Die Impfung spielt bei Mumps eine wichtige Rolle. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, sich in den ersten zwei Lebensjahren zweimal gegen das Virus impfen zu lassen, meist in Kombination mit Masern und Röteln (siehe Infografik). Trotz der Impfung bleibt eine Ansteckung möglich, weil der Schutz im Laufe der Zeit nachlassen kann.

«Bei geimpften Männern ist der Krankheitsverlauf aber weniger schwer. Damit reduziert sich auch das Risiko für Komplikationen», so Sommerstein. Bricht Mumps aus, empfiehlt der Facharzt, die Leute rundherum zu impfen. «Gerade die Rekruten sind in einem Alter, in dem der Impfschutz nachlassen kann», sagt Sommerstein.

Die Anzahl Fälle nimmt leicht zu

Die Rate der geimpften Zweijährigen beträgt derzeit 93 Prozent, wie das BAG sagt. Das liegt nahe am Wert von 95 Prozent, der nötig ist, damit die Krankheit als eliminiert gilt. Geschützt sind dann auch ungeimpfte Babys und Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

In den vergangenen Wochen hat man im Inselspital eine Zunahme der Anzahl Fälle festgestellt. «Es handelt sich immer noch um wenige Fälle. Die Situation sollte aber genau beobachtet werden», sagt Sommerstein. Besonders betroffen seien ungeimpfte Personen. Zur letzten Epidemie kam es in der Schweiz 1999 im Kanton St. Gallen.

Bettruhe ist die einzige Therapie

Das Mumps-Virus ruft eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse hervor, was zu den charakteristischen Hamsterbacken führt. Auch eine Entzündung der Hirnhaut ist möglich. Sie verläuft meist ohne Komplikationen. Die Gefahr einer Ansteckung ist vor dem Ausbruch dieser Symptome am grössten.

Eine Therapie gegen Mumps existiert nicht. Lediglich die Symptome können bekämpft werden. Bei einer Entzündung der Hoden ist Bettruhe und möglichst wenig Bewegung angezeigt. Die Rekruten in Wangen an der Aare sind in den kommenden Tagen also ans Bett gebunden und dürfen nicht aufs Feld.

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doris am 12.08.2017 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taub durch Mumps

    Ich hatte als 16-Jährige Mumps und bin seither auf dem rechten Ohr taub (die Zerstörung des Hörnervs durch das Virus ist eine weitere bekannte Komplikation). Ich war nicht geimpft.

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  • Mark am 12.08.2017 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz für die Gesellschaft

    Nur wenige nicht geimpfte können zur erneuten Verbreitung von sonst ausgerotteten Krankheiten führen. Deshalb sollten solche Kinder nicht mehr in öffentliche Schulen unterrichtet werden.

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  • Andy am 12.08.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    25%Daumen runter

    Die Dummheit der Leser erschüttert mich. Mich hat der Mumps vor 50 Jahren ohne Impfung gleich doppelt getroffen. Schwere Schwerhörigkeit und Unfruchtbarkeit zugleich. Ich wünsche ein solches Leben niemandem!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 13.08.2017 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Prägender Verlust in der Kinderzeit

    Als ich 7 Jahre alt war, starb meine innigst geliebt Sandkastenfreundin innert zweier Tage an einer aggressiven Meningokokkeninfektion. Damals gab es noch keine Impfung dagegen. Ich bin nie über diesen Verlust hinweggekommen und er hat mein ganzes Leben geprägt. Auch deshalb verachte ich die dummen, sektiererischer ImpfgegnerInnen.

    • Ronny am 13.08.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Eduard J. Belser

      Ja Impfungen sind supertoll und effektiv, darum lassen sich ja auch immer mehr Menschen impfen ;-) Durchimpfungsrate ist im freien Fall, falls Sie das ignorieren möchten. Aber warum möchte sich denn die Mehrzahl des Pflegepersonals nicht impfen? Kann ja was nicht stimmen oder?

    • RO am 13.08.2017 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny

      Dass sich das Pflegepersonal nicht mehr impfen lässt, ist auch so ein blödes Gerücht. Meinen Sie, ungeimpftes Pflegepersonal wird in Spitälern etc. eingestellt?

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  • Eduard J. Belser am 13.08.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar für Impfungen

    Da könnten sich ja die medizinisch halb- und ungebildeten aus der Esohysterikszenen wiedereinmal mächtig mit Kommentaren austoben und sich in ihren Verschwörungstheorien suhlen. Aber sie haben mich in der Absicht gestärkt, mich auch im Oktober dieses Jahr, wie bereits seit unzähligen Jahre gegen die Grippe impfen zu lassen. Ich muss es mir nicht antuen, wegen einer Grippe wochenlang in den Seilen zu hängen Ich habe mit der Grippeimpfung, wie mit allen Impfungen, nur gute Erfahrungen gemacht und bin meinem Vater dankbar, dass er uns als verantwortungsvoller Dorfarzt konsequent geimpft hat.

    • Mirjam am 13.08.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Eduard J. Belser

      Was sind denn Sie für ein Realitätsverweiger?Es ist ein Irrglaube,dass irgend eine Impfung schützt,gegen die geimpft wurde. Danke für den konstruktiven Beitrag mit Argumenten, die Hand und Fuss haben.Aber glauben Sie weiter einfach das, was andere Ihnen sagen. Am besten dazu unhinterfragt. Aber verrückt, dass es trotz den vielen Experten, dem Wissen und dem techn. Fortschritt immer mehr chronisch-kranke Menschen gibt und auch sonst hat das Volk immer weniger im Portemonnaie. Aber easy, uns gehts ja noch gut im Vergleich zu anderen was? Oder sollte ich sagen, am wenigsten schlecht? Ironie Off.

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  • Florentina am 13.08.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig wenn so was passiert

    Eltern die rigoros gegen Impfen sind, sind sich der Tragweite nicht bewusst, wenn wie in diesem Fall gravierende Folgeschäden entstehen. Eltern entscheiden über das Schicksal ihrer Kinder und diese können sich nicht wehren.

  • Wihler am 12.08.2017 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl kaum

    Plegepersonal lässt sich je länger je weniger impfen. Chemotherapien die zu 95% zum Tod führen (nicht der Krebs tötet) mutet man als Arzt auch nur Patienten zu und nicht den eigenen Eltern oder Kindern. Merkt ihr etwas? Alles zum Wohle der Patienten? WOHL KAUM

    • Xeno72 am 12.08.2017 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wie es in der Realität ist@Wihler

      Pflegepersonal, das ungeimpft ist, wird nirgends in der zivilisierten Welt angestellt. Ein Spital, das ungeimpftes Pflegepersonal anstellt, wäre morgen konkurs. Es würde von den Opfern in Grund und Boden geklagt. Die Zuständigen würden sich sogar ganz klar strafbar machen. Zu Recht.

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  • Irukandji am 12.08.2017 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfstatus abhängige KK-Prämien

    wäre die Lösung. Würde zum Impfen ermuntern, und die Gegner müssten sich an den Kosten beteiligen, die sie verursachen.

    • Nicht geimpft und trotzdem gesund am 12.08.2017 22:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Irukandji

      Massgebend dabei ist doch, wer die KK am meisten Leistungen beansprucht. Ich z.B. wurde durch meine Eltern als Kind/Jugendlicher geimpft, seither nicht mehr, weil ich das nicht möchte und weiss, was Sache ist. Ich bin gesund und habe bis jetzt noch nie eine "grosse Behandlung" gehabt und lebe sehr bewusst. Soll ich jetzt deswegen noch mehr bezahlen, weil ich mich nicht impfe - aber trotzdem praktisch keine Kosten verursache? Hast wohl einen Flick ab was? ;-)

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