Schweizer Jugend

24. März 2015 08:09; Akt: 24.03.2015 10:11 Print

Internet-Sucht verdrängt Alkohol und Cannabis

Jugendliche kiffen, trinken und rauchen so wenig wie noch nie. Laut Experten könnte es daran liegen, dass sie immer mehr Zeit im Internet verbringen.

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Die Jugendlichen von heute greifen so selten zur Zigarette, zum Joint und zur Flasche wie noch nie: Dies hat die Schülerbefragung ergeben, die Sucht Schweiz seit 1986 alle vier Jahre durchführt. Gegenüber 2010 ist die Zahl der 15-jährigen Jungen, die mindestens einmal in der Woche trinken, von 27 Prozent auf 10 Prozent gesunken, bei den Mädchen sind es noch 6 Prozent (2010: 13 Prozent).

Nur noch 7 Prozent der 15-Jährigen greifen täglich zur Zigarette, vor vier Jahren waren es noch 12 Prozent. Die Zahl der männlichen 15-Jährigen, die schon einmal gekifft haben, ging um 6 Prozentpunkte auf 30 Prozent zurück.

Einfluss der Neuen Medien

Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz, nennt zwei mögliche Erklärungen dafür, dass die Jungen von heute vermehrt die Finger von diesen Substanzen lassen: Der Rückgang könne «Ausdruck eines stärkeren Gesundheitsbewusstseins in der Gesellschaft sein».

Möglich sei aber auch, dass die Nutzung neuer Medien einen Einfluss habe: Die meisten 15-Jährigen würden angeben, sie würden in ihrer Freizeit mehr als drei Stunden pro Tag am Computer, dem Smartphone oder der Spielkonsole verbringen. «Es ist denkbar, dass sie deswegen mehr Zeit zu Hause verbringen und so weniger in direkten Kontakt mit Suchtmitteln kommen.»

«Körper nimmt weniger Schaden»

Gregor Waller, Medienpsychologe an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hält diese Erklärung für plausibel: «Auch ich habe schon die Vermutung, dass stoffabhängige Süchte von stoffunabhängigen Süchten verdrängt werden.» Wer ständig vor dem Computer sitze oder Videogames spiele, komme tatsächlich weniger dazu, zu kiffen oder Alkohol zu trinken. Positiv seien zwar auch diese Formen der Abhängigkeit nicht. Doch einen klaren Vorteil hätten stoffunabhängige Süchte: «Der Körper nimmt deutlich weniger Schaden, als wenn Suchtmittel wie Alkohol oder andere Drogen konsumiert werden.»

Und ihre Gesundheit ist den Jugendlichen von heute wichtig, wie Ivica Petrusic, Leiter der kantonalen Kinder- und Jugendförderung Okaj Zürich, zu 20 Minuten sagt. «Sie handeln sehr überlegt und bedenken die Konsequenzen, die der Suchtmittelkonsum für ihren Körper hat.» Zudem würden die klassischen Situationen, in denen Jugendliche zusammen kiffen oder trinken, seltener entstehen. «Es kommt nicht mehr so oft vor, dass Junge sich spontan treffen und beispielsweise am See zusammen ein Bier trinken oder einen Joint rauchen.»

Jugendliche treffen sich weniger im öffentlichen Raum

Dies habe zum einen sicher damit zu tun, dass die Jugend viel Zeit in den neuen Medien verbringe – es liege zum anderen aber auch an der Repression: «Weil sie so stark unter Beobachtung stehen, ist es für die Jugendlichen unattraktiv geworden, sich im öffentlichen Raum zu treffen.» Möglicherweise sei der Rückgang des Cannabis- und Alkoholkonsums auch eine Folge dieser Repression.

Auch Philipp Ramming, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie, glaubt, dass die Verdrängung der Jugendlichen aus dem öffentlichen Raum zu einem Rückgang des Suchtmittelkonsums geführt haben könnte. Er sieht das Resultat der Umfrage aber auch als Symptom für einen Normenwandel: «Bier und Zigarette haben ihren Symbolwert verloren – früher waren sie ein Zeichen des Erwachsenwerdens und entsprechend attraktiv für Jugendliche. Diese Zeiten sind vorbei.»

Sind Sie ein Jugendlicher und rauchen, trinken und kiffen nicht? Was ist Ihre Motivation, auf Suchtmittel zu verzichten? Erzählen Sie uns dies per Mail an feedback@20minuten.ch.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mätti am 24.03.2015 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    wie wahr

    die verdrängung der jugendlichen im öffentlichen raum. spricht jetzt das für oder gegen die gesellschaft? nun zum thema: ob die "abschottung" durch das internet viel besser ist als mal einen joint zu rauchen, bezweifle ich. vor allem in der zukunft! die, die mal ein bier oder joint zischen, machen das mit realen freunden, was auch gut so ist.

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  • M.D. am 24.03.2015 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    jetzt bleibt die Frage...

    ...ob das nun wirklich besser ist ;)

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  • gelegenheitskiffer am 24.03.2015 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut mal in die Welt

    Wo geht das hin.. Kann doch nicht sein das man Kinder am Natel vergammeln lässt, auch wen sie dann weniger Drogen konsumieren. Was spielt das für eine Rolle wen das Kind ab und zu einen raucht oder mal ein zwei Bier trinkt, dafür aber etwas unternimmt. Man kann das nicht gutheissen Drogen zu nehmen aber was ich viel schlimmer finde ist wenn jemand Tag für Tag zuhause nichts macht! Soziale, Reale Kontakte sind viel wichtiger als sonst etwas!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geniesser am 25.03.2015 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Sucht!

    Ein Bier, folgend ein Joint und wieder was zum spülen bevor es mit meiner Freundin zur Sache geht. ;-)

  • Technophil am 25.03.2015 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prävention

    Prävention: Liebe Eltern Kaufen sie ihrem Nachwuchs ein Smartphone, eine Gamekonsole und grossen Flatscreen und vernetzen sie alles zu Hause mit einen Super-Wifi.

  • Selber Elter am 25.03.2015 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach, Eltern

    Eltern wollen naiv sein und daran glauben dass nur die anderen kiffen und trinken

  • Nicole Frizz am 25.03.2015 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schubladendenken

    Was für ein Quatsch. Mein Sohn ist 15 Jahre alt. Er spielt Fussball im Verein, d. H. 2 mal pro Woche Training, am Wochenende Match. Zudem hilf er mir am Mittwoch Nachmittag bei der Arbeit, bis 18 Uhr....und trotzdem ist er sehr oft am Handy - er ist weder Nerd, noch dick oder unbeweglich und lässt die Finger von Drogen und Alkohol. Es gibt doch viel mehr als immer nur dieses schwarz-weiss denken! Wenn mir mein Sohn erzählt, wieviel seiner Klassenkameraden rauchen, kiffen und saufen dann ist dies erschreckend..und auch wieder verständlicher, wieso er in seiner Freizeit wenig mit Freunden unzernimmt. Es ist nunmal eine andere Zeit und vieles anders als noch in unserer Kindheit..genauso wie unsere Eltern schon gesagt haben "früher war alles besser". Früher war einfach vieles anders und man konnte noch draussen spielen..und musste sich nicht immer wieder reindrücken lassen, wie schlimm doch die heutige Jugend ist. Die Jugendlichen haben kaum mehr Freiraum um sich zu bewegen - es gab und gibt immer solche und andere. Hört auf alle über einen Kamm zu scheren!

  • Das Brot am 25.03.2015 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück...

    ... lässt sich das alles kombinieren. - Zudem kenn ich massig Jugendliche - Nahezu alle kiffen, saufen und surfen. - Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Jugendliche eine solche Umfrage ehrlich beantworten?! - Welcher Jugendliche posaunt raus dass er kifft/säuft wenn ihn ein Erwachsener/die Schule danach fragt? - Genau, (nahezu) keiner, denn völlig verblödet sind auch die nicht.