Kanton Aargau

14. Juli 2013 10:14; Akt: 14.07.2013 10:14 Print

Wildschweine treiben Jäger zur Verzweiflung

Wildschweine sorgen im Aargau bei Jägern, Förstern und Bauern für rote Köpfe. Eine Jagdgesellschaft hat wegen den schlauen Tieren gar entnervt die Flinte ins Korn geworfen.

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Wildschweine sorgen im Kanton Aargau für Wirbel. (Bild: Keystone)

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Die Wildschweinpopulation treibt im Kanton Aargau Jäger, Förster und Landwirte zur Verzweiflung. Sie haben es nicht nur fertiggebracht, dass sich die Politik mit ihnen beschäftigen muss, sondern auch, dass sich eine Jagdgesellschaft aufgeben musste.

Die Jagdgesellschaft Berg, welche die Jagdreviere Olsberg-Nord und Rheinfelden-West im nördlichen Kantonsteil bewirtschaftet hatte, löste sich im Frühling auf. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil im Kanton Aargau Jagdgesellschaften die Kosten für die Wildschweinschäden bis zu einem gewissen Teil selber tragen müssen.

Vorgeschrieben wird dies vom Aargauer Jagdgesetz. Den Jägern wird nebst der Bezahlung des Jagdpachtzinses bei Schäden bis zu 25 Prozent des Jagdpachtzinses in Rechnung gestellt. Darüber hinaus gehende Kosten werden allerdings vom Kanton selber übernommen.

Die Jäger der Jagdgesellschaft Berg waren von der Jagd auf die Schwarzkittel dermassen ermüdet und frustriert, dass sie nicht mehr bereit waren, die zeitlichen und finanziellen Aufwendungen auf sich zu nehmen.

Für die Nachfolge bewarben sich dann immerhin fünf Jagdvereine. Die Pacht wurde vor kurzem einem anderen Jagdverein vergeben. Der Pachtzins orientiert sich an der jagdlich nutzbaren Fläche und der Beschaffenheit des Jagdreviers.

In den 210 Aargauer Jagdrevieren wurden im vergangenen Jahr 1628 Wildsauen geschossen, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Auf der anderen Seite standen Schäden in Höhe von fast 425'000 Franken, also durchschnittlich 260 Franken pro geschossenes Tier.

Wildschweine im Grossen Rat

Angesichts der Ohnmacht gewisser Jäger und Landwirte haben es die Wildschweine inzwischen auch ins Aargauer Parlament und die Amtsstuben geschafft, nicht physisch allerdings, sondern indirekt über den Weg der Politik.

Nicht weniger als 37 Aargauer Grossräte und Grossrätinnen, also mehr als ein Viertel des Parlaments, unterzeichneten ein Postulat, in dem die Regierung um Hilfe im Kampf gegen die Tiere gebeten wird.

Der Regierungsrat wurde darin aufgefordert, Sondermassnahmen zur Schwarzwildbejagung auszuarbeiten, welche einerseits die Arbeit für die Jägerschaft vereinfacht und andererseits die Abgeltung von Flurschäden neu und einfach regelt.

Das Schwarzwild sei vorwiegend nachtaktiv und verfüge über sehr ausgeprägte Sinnesorgane, was die Bejagung stark erschwere, wurde das Ansinnen begründet. Dank den guten Biotopen und dem reichlichen Nahrungsangebot vermehrten sich die Tiere verhältnismässig stark.

Den Postulanten schwebten sofort greifende Sondermassnahmen vor, welche die Jagdzeiten, die Jagdeinschränkungen und den Einsatz der neuesten Waffentechnik und Waffenoptik neu regelt.

Regierung macht, was sie kann

Die Aargauer Regierung hat ein offenes Ohr für die Anliegen, weist aber in ihrer Antwort auf das Postulat darauf hin, dass der Kanton den rechtlichen Handlungsspielraum der Bundesgesetzgebung schon seit längerem voll ausnützt. So gelten im Kanton Aargau seit genau einem Jahr verkürzte Schonfristen.

Junge Wildschweine dürfen in der Schonzeit ausserhalb des Waldes gejagt werden. Auch Hunde und Licht dürfen eingesetzt werden. Fehlabschüsse werden zudem seit einem Jahr mit einem einfachen Verfahren geregelt.

(rey/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BDGJ am 14.07.2013 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Jagd nützt

    Wildschweine können tatsächlich einen beträchtlichen landwirtschaftlichen Schaden anrichten. Und woher haben wir unser Essen? So paradox es klingen mag: mit einer nachhaltigen Jagd profitieren die Wildtiere, denn es gibt gesündere Populationen. Weil sich Wildschweine sehr schnell ausbreiten können müssen sie auch intensiv bejagt werden und dieser Vorgang ist total natürlich für uns Menschen. Wildsau ist gesund, schmackhaft und 100% Bio;)

  • Canis Lupus am 14.07.2013 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raubtiere

    Wolf und Bär müssen her!

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  • Krähenbühl Petros, GREECE am 14.07.2013 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WOLF UND BÄR ...

    sollten einer "Wildschwein-Schule" beitreten, damit sie lernen zu überleben. Horden zu jagen ist schwieriger, als der Einzelne versucht, derselbigen zu entkommen...!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Canis Lupus am 14.07.2013 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raubtiere

    Wolf und Bär müssen her!

    • Patrick B. am 15.07.2013 01:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Und Löwen

      Wäre doch viel cooler !,,

    • Groswildjäger am 15.07.2013 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Löwe muss her

      Bin auch ganz klar für Löwen!

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  • mundi burki am 14.07.2013 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    ich liebe wildsaupfeffer

    weltweit sind die wildschweine schlauer als die jäger. damit müssen wir leben. ich hoffe, die einführung von nachtsichtzielgeräten führt dazu, dass unsere metzgereien wieder wildsaupfeffer anbieten.

    • hermann mümmelmann am 15.07.2013 08:39 Report Diesen Beitrag melden

      Edles Waidwerk

      es gibt in der Schweiz mehr als genug Jäger, die "edles waidwerk" zelebrieren, statt die Wildsäue zu dezimieren. So bekommen wir die Wildsaupopulation nie in den Griff.

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  • Andreas Calabrierer am 14.07.2013 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen wie.

    Mit der heutigen RC-Modellbautechnik kombiniert mit Wärmebildkamera kann man die doch orten, einkreisen und machen was man halt machen soll.

    • Hermann Löns am 15.07.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      Unweidmännisch, aber effektiv

      Das würde doch kein Schweizer Jäger machen, obwohl es sich angesichts der Landschäden aufdrängt. Die Jagdgesellschaft zahlt ja. Auch der Einsatz automatischer Waffen wäre angezeigt. Wenn man damit im sog. "Ernstfall" den BöFei abschiessen darf, sehe ich nicht ein, wieso die Wildschweine nicht auch auf diese Weise zur Strecke gebracht werden können.

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  • Addy am 14.07.2013 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung übernehmen

    Die jäger betonen doch immer, dass sie die hochehrwürdigen hüter des gleichgewichtes sind und nicht revolverhelden. Ich find's gut, dass sie da auch verantwortung (und ggf kosten) übernehmen müssen.

    • Dan Scot am 14.07.2013 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie überaus intelligent 

      Wildtiere sind laut Gesetz herrenloses Gut. Das bedeutet also, dass die Jäger für die Schäden die herrenloses Gut anrichtet gerade stehen müssen. Das wäre gleichbedeutend wie wenn Sie für Schäden gerade stehen müssen, welche eine streunende Katze beim Fischhändler verursacht. Jäger zahlen dafür, dass sie 100e von Stunden pro Jahr für Wildschutz, Hege und sonstige Arbeiten die der Allgemeinheit dienen investieren. Und wer glauben Sie rückt mitten in der Nacht aus wenn Sie ein Reh überfahren, notabene gratis?

    • Fabian Frech am 15.07.2013 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      schlafen lassen

      @dan scot Der Kantonale wildhüter wird dann wohl geweckt und nicht irgend ein herr jäger, und was glauben sie eigentlich, sicher wird der däfür bezahlt

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  • Panzerfan am 14.07.2013 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Cleveres Mädchen

    Wildschweine sind ja auch neben Delfinen die Intelligentisten Tiere die es gibt...

    • Patrick b2 am 15.07.2013 01:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Auch im Teller ?

      Delfin-Pfeffer schmeckt aber nicht so gut... Zu süss!

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