RhB-Unglück

14. August 2014 20:12; Akt: 15.08.2014 10:15 Print

«Wir wurden aus dem Fenster geschleudert»

Jetzt erzählt ein Ehepaar, das beim RhB-Zugunglück verletzt wurde, wie es den Unfall erlebte. Beide flogen durchs Fenster, Bäume bewahrten sie vor dem Sturz in die Tiefe.

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Der Bündner Ernesto Frehner (62) und seine Frau Fernanda (62) liegen im Kantonsspital Chur. Sie erlitten beim Unglück von Tiefencastel Knochenbrüche und Schnittverletzungen.

«Wir sassen im 1.-Klasse-Wagen, haben uns unterhalten und plötzlich kam ein Gerumpel. Da wusste ich, der Zug entgleist», sagt Ernesto Frehner zur Sendung «Explosiv» des deutschen TV-Senders RTL. «Das ist ein einmaliges Geräusch, das man hoffentlich nur einmal im Leben hört.»

Frehner kann sich nicht erinnern, was danach passierte. «Wahrscheinlich sind wir durch das Fenster geschleudert worden», sagt er. «Als ich wieder zu mir gekommen bin, lag ich auf der Erde, habe Leute schreien gehört.» Er habe danach den Namen seiner Frau gerufen: «Sie hat Antwort gegeben und das war für mich erst einmal beruhigend.»

«Ich bin nach draussen gepurzelt»

Frehners Frau Fernanda sagt zu 20 Minuten, sie habe mitbekommen, wie es einen Druck gegeben habe, der die Fensterscheiben bersten liess. «Dann bin ich durchs Fenster nach draussen gepurzelt.» Gestoppt worden sei ihr Fall nur durch Bäume, diese hätten verhindert, dass sie in die Tiefe stürzte. «Diese Bäume haben mir und anderen das Leben gerettet.»

Die Momente bis zu seiner Bergung erlebte Ernesto Frehner als «irrational», wie er zu RTL sagt: «Ich war verwirrt, doch ich spürte, dass jemand da war, der alles koordinierte, ich hatte Vertrauen.» Dass er einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte, realisierte er erst, als man ihn zu bergen begann. Auch seine Frau Fernanda, die sich Rippenbrüche zuzog, sagt zu 20 Minuten, die Retter hätten ihre Arbeit sehr gut gemacht.

Die Kleider, die die Frehners trugen, wurden vom Schlamm, den der Erdrutsch freigesetzt hatte, so stark beschmutzt, dass sie nicht mehr gereinigt werden können.

Wie viele weitere Passagiere wie die Frehners aus dem Zug geschleudert wurden, ist nicht klar. Anita Senti, Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden, sagt: «Ob die Menschen, die wir auf der Unfallstelle antrafen, aus dem Zug geschleudert worden oder rausgeklettert waren, konnten wir vor Ort nicht beurteilen – Hauptsache war, dass sie sich nicht mehr im Zug befanden.»

(lüs)