RhB-Unglück

14. August 2014 20:12; Akt: 15.08.2014 10:15 Print

«Wir wurden aus dem Fenster geschleudert»

Jetzt erzählt ein Ehepaar, das beim RhB-Zugunglück verletzt wurde, wie es den Unfall erlebte. Beide flogen durchs Fenster, Bäume bewahrten sie vor dem Sturz in die Tiefe.

Bildstrecke im Grossformat »
Ernesto Frehner (62) sass im Unglückszug, der in Tiefencastel entgleiste. Zum deutschen TV-Sender RTL sagt er: «Plötzlich kam ein Gerumpel. Und in dem Moment wusste ich, dass der Zug entgleist.» Frehner und seine Frau Fernanda wurden aus dem Fenster geschleudert. Am Donnerstag (14. August) haben Journalisten Zutritt zur Unfallstelle erhalten. 20-Minuten-Reporter sind vor Ort und machen sich ein Bild des Unglücks. Der Waggon 2 ist mit Ketten vorm Absturz gesichert. Noch ist unklar, wie genau der 17 Tonnen schwere abgestürzte Wagen 1 wieder auf die Schienen gehievt werden soll. Für die Bergung steht ein Schienenkran zur Verfügung. An dieser Stelle kam es zum Erdrutsch. Am Donnerstag (14. August) haben Journalisten Zutritt zur Unfallstelle erhalten. 20-Minuten-Reporter sind vor Ort und machen sich ein Bild des Unglücks. Der Andrang der Medienschaffenden ist gross: Rund 60 internationale Journalisten sind in Tiefencastel vor Ort. Einen Tag nach dem bei Tiefencastel GR am Mittwoch, 13. August, ein Zug entgleiste, gibt die Bündner Staatsanwaltschaft bekannt, dass eine Untersuchung zur Klärung der Unfallursache eingeleitet werde. Die Regierung lobte die Einsatzkräfte für ihren «effizienten Einsatz». Die Bergung und Versorgung der Verletzten und die Evakuierung und Betreuung der weiteren Bahnreisenden seien vorbildlich gewesen. Bei Tiefencastel GR ist am Mittwoch, 13. August, ein Zug entgleist. Der Zug wurde von einem Erdrutsch erfasst. Dabei entgleisten drei Personenwagen. «Der Zug machte eine Notbremsung aus dem Nichts», sagte ein Leser-Reporter gegenüber 20 Minuten. Wie am seidenen Faden: Ein Waggon wird nur von einigen Bäumen gehalten. Den Rettern bot sich an der Unglücksstelle ein schreckliches Bild. Insgesamt gab es elf Verletzte, fünf davon schwer. Wie die Polizei mitteilt sind unter den Schwerverletzten vier Schweizer und ein Japaner. Verletzten mussten zum Teil von der Rega geborgen werden. Daneben flogen die Helikopter auch Rettungskräfte und Bergungsmaterial vom Unglücksort zum Umladeplatz. Im Einsatz standen Rettungskräfte der Feuerwehr, der Alpinen Rettung, das Careteam Grischun und die Kantonspolizei Graubünden. Gegen Abend vermelden die Einsatzkräfte, dass alle Passagiere geborgen wurden. Die Rettungskräfte im Einsatz. Die Rega stand insgesamt mit vier Helikoptern im Einsatz. Die Unglücksstelle ist nur schwer zugänglich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Bündner Ernesto Frehner (62) und seine Frau Fernanda (62) liegen im Kantonsspital Chur. Sie erlitten beim Unglück von Tiefencastel Knochenbrüche und Schnittverletzungen.

«Wir sassen im 1.-Klasse-Wagen, haben uns unterhalten und plötzlich kam ein Gerumpel. Da wusste ich, der Zug entgleist», sagt Ernesto Frehner zur Sendung «Explosiv» des deutschen TV-Senders RTL. «Das ist ein einmaliges Geräusch, das man hoffentlich nur einmal im Leben hört.»

Frehner kann sich nicht erinnern, was danach passierte. «Wahrscheinlich sind wir durch das Fenster geschleudert worden», sagt er. «Als ich wieder zu mir gekommen bin, lag ich auf der Erde, habe Leute schreien gehört.» Er habe danach den Namen seiner Frau gerufen: «Sie hat Antwort gegeben und das war für mich erst einmal beruhigend.»

«Ich bin nach draussen gepurzelt»

Frehners Frau Fernanda sagt zu 20 Minuten, sie habe mitbekommen, wie es einen Druck gegeben habe, der die Fensterscheiben bersten liess. «Dann bin ich durchs Fenster nach draussen gepurzelt.» Gestoppt worden sei ihr Fall nur durch Bäume, diese hätten verhindert, dass sie in die Tiefe stürzte. «Diese Bäume haben mir und anderen das Leben gerettet.»

Die Momente bis zu seiner Bergung erlebte Ernesto Frehner als «irrational», wie er zu RTL sagt: «Ich war verwirrt, doch ich spürte, dass jemand da war, der alles koordinierte, ich hatte Vertrauen.» Dass er einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte, realisierte er erst, als man ihn zu bergen begann. Auch seine Frau Fernanda, die sich Rippenbrüche zuzog, sagt zu 20 Minuten, die Retter hätten ihre Arbeit sehr gut gemacht.

Die Kleider, die die Frehners trugen, wurden vom Schlamm, den der Erdrutsch freigesetzt hatte, so stark beschmutzt, dass sie nicht mehr gereinigt werden können.

Wie viele weitere Passagiere wie die Frehners aus dem Zug geschleudert wurden, ist nicht klar. Anita Senti, Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden, sagt: «Ob die Menschen, die wir auf der Unfallstelle antrafen, aus dem Zug geschleudert worden oder rausgeklettert waren, konnten wir vor Ort nicht beurteilen – Hauptsache war, dass sie sich nicht mehr im Zug befanden.»

(lüs)