Nach dem Knall

16. März 2015 16:29; Akt: 16.03.2015 21:24 Print

«Jetzt stürzen sich viele auf die Meteoritenteile»

Schlug tatsächlich ein Meteorit in der Schweiz ein? Laut Daniel Karbacher, Astronom an der Sternwarte Urania Zürich, ist der Nachweis aufwändig.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Karbacher*, Leser senden uns Fotos von angeblichen Stücken des Meteoriten (siehe Bildstrecke), der am Sonntagabend für ein Spektakel sorgte. Können Sie beurteilen, ob das wirklich Teile von Meteoriten sind?
Das geht nicht so einfach. Die Flugbahn ist noch nicht genau bekannt. Deshalb kann man noch nicht sagen, wo genau es Teile haben könnte und wo eher nicht. Wir wissen auch nicht, ob es überhaupt ein Meteorit war, sprich, ob der leuchtende Himmelskörper auch wirklich den Erdboden erreicht hat.

Eine Begutachtung der Fotos reicht nicht?
Nein, unmöglich. Es gibt nur einen Weg, um wirklich zu beweisen, dass es sich definitiv um einen Meteoriten handelt: Das Gestein müsste in einem Labor untersucht werden. Eine aufwändige Angelegenheit.

Sie glauben eher nicht, dass die Leute Meteoriten in ihren Gärten gefunden haben?
Ich möchte das nicht ausschliessen. Meine bisherige Erfahrung ist aber: Es sind meist keine Meteoriten. Wenn da etwas runterkommt, wäre es minutenlang sehr, sehr heiss.

Was kann im Labor über Meteoriten herausgefunden werden?
Das ist eine sehr exakte Forschung. Weil das Gestein aus der Anfangsphase des Sonnensystems stammt, besteht auch grosses Interesse daran. Das Material wird glatt geschliffen, angeätzt und mit allen möglichen Mikroskopen untersucht. Unterdessen kann man enorm viel herausfinden: Von was für einem Himmelskörper das Gestein ursprünglich stammte – einem Asteroiden etwa. Oder ob es einmal mit einem anderen Himmelskörper kollidierte. Wann das passiert ist. In welcher Tiefe das Gestein einmal lag.

Der Meteor fasziniert die Menschen. Wie gefährlich sind diese Himmelskörper für uns Erdenbewohner?
So etwas wie gestern kommt häufig vor, täglich, auf die ganze Erdkugel betrachtet. Dass jemand zu Schaden kommt, ist selten. Man sollte sich da keine Sorgen machen, auf die Zeit eines Menschenlebens betrachtet.

Grössere Brocken sind aber gefährlich.
Ja. Das 10-Kilometer-Ding vor 65 Millionen Jahren hat bekanntlich eine Rolle gespielt beim Aussterben der Dinosaurier. Deshalb betreibt man auch sehr viel Aufwand, um die grossen Brocken zu entdecken. Für kleinere Meteoriten wird kein grosser Forschungsaufwand betrieben. Aber trotzdem suchen Forscher jetzt nach Meteoritenteilen. Da stürzen sich jetzt viele Hobbyforscher darauf. Es ist ja auch etwas Faszinierendes.

* Daniel Karbacher ist Astronom an der Urania-Sternwarte in Zürich

(gbr)