5500 Franken weg

09. April 2017 13:59; Akt: 09.04.2017 17:13 Print

Sie wollten billig feiern und wurden ausgenommen

Ein Ausflug nach Warschau entpuppte sich für drei junge Männer als Horrortrip. Während sie in einem Nachtclub ausgenommen wurden, drohen den Betreibern wohl keine Konsequenzen.

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Eigentlich wollten sie billig feiern, doch dann wurden die drei Studenten gnadenlos ausgenommen. (Symbolbild) (Bild: Getty-Images/Joe Raedle)

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Die beiden Westschweizer Studenten Alain* und Mohamed* wollten zusammen mit dem rumänischen Medizinstudenten Aziz* in Warschau billig Clubbing-Ferien machen. Statt vier Tagen ausgelassenen Feierns blühte ihnen allerdings eine böse Überraschung: In einem Sex-Etablissement wurden sie getrennt, Alain unter Drogen gesetzt, und unter Androhung von «Problemen» zu Zahlungen genötigt. Statt der geplanten 300 kostete sie der Ausflug am Ende 5500 Franken.

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Wie «Le Matin Dimanche» schreibt, trafen die drei am Donnerstag, 23. März, in der polnischen Hauptstadt ein. Bis Sonntag wollten sie in der «sympathischen, aber günstigen Stadt» feiern, wie Alain gegenüber der Zeitung sagt. Nach dem Check-In im Hotel machten sie sich auf in den Ausgang. Die folgenden fünf Stunden sollten ein Horrortrip werden.

Angelockt und ausgenommen

Auf der Strasse wurden sie von einer Frau angesprochen, die sie in den «Exotic Club» einlud. Einmal im Lokal, wurden sie mit Angeboten geangelt. Zu trinken gab es für 15 Euro à discrétion. Dabei blieb es aber nicht. Die dort arbeitenden Frauen gesellten sich zu den drei Gästen und wollten Drinks – Kostenpunkt: 50 Euro.

Geschickt trennten die Frauen die erwartungsvollen Männer voneinander. Alain und Aziz wurden weggelotst, während Mohamed zurückblieb. Als Alain zurückkehrte, schlief er sofort ein. Er ist überzeugt, dass er unter Drogen gesetzt wurde. Später stellte er fest, dass mit seiner Kreditkarte dreimal 1200 Euro abgehoben wurden. Erinnern könne er sich an nichts. Das hielt die Betreiber aber nicht davon ab, zu behaupten, die erbrachten Dienste seien nicht bezahlt worden. Sie forderten noch einmal 850 Euro.

Aus Angst gezahlt

Alain und Mohamed wurde mit «Problemen mit dem Chef» gedroht. Von Aziz fehlte jede Spur. In einer prekären Lage und von den Gebärden des Türstehers eingeschüchtert, bezahlte Mohamed den Betrag und brachte den nicht ansprechbaren Alain zurück ins Hotel. Dann ging er wieder in den Exotic Club, um nach Aziz zu suchen.

Dieser war in der Zwischenzeit mit den Sexarbeiterinnen aneinander geraten, weil diese trotz mit Kreditkarte erfolgter Zahlung weiter Geld von ihm verlangten. Erneut ging es um 850 Euro. Doch noch mehr zahlen wollten die Studenten an diesem Punkt trotz der angeheizten Stimmung nicht. «Ich habe meine Brille ausgezogen und war bereit, geschlagen zu werden», erzählt Mohamed «Le Matin». Am Ende schafften sie es, sich ins Hotel zu retten.

Kein Einzelfall

Eine Mitarbeiterin des Warschauer Tourismusbüros sagt gegenüber der Zeitung, dass viele Studenten auf der Suche nach günstigen Ferien in die Stadt kommen. Es sei eben billig. Wie «Le Matin» vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erfuhr, handle es sich bei dem Horrortrip der drei Studenten nicht um einen Einzelfall. So seien schon zahlreiche andere Schweizer in dieselbe Falle getappt.

Konsequenzen für den betroffenen Club sind indes unwahrscheinlich. Zwar könne man eine Klage anstreben, müsse sich aber einen einheimischen Anwalt nehmen und diesen bezahlen, so das EDA. Die Aussicht auf Erfolg sei dabei aber «ungewiss».

*Namen geändert

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pico am 09.04.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Haben was gelernt fürs Leben. Kann auch in anderen Ländern vorkommen, beginnt schon in Hamburg. Der Türvorsteher lockt Dich mit ein Bier kostet bei uns 10 Euro, dann kommt er nach und fragt dich, bezahlst du mir einen Orangensaft. Kein Problem, nur ksotet der Orangensaft 50 Euro und steht mit diesem Preis sogar auf der Karte. Das Millieu ist nun mal auf Abzocke !

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  • Kleeblatt am 09.04.2017 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Ich würde da einfach bei meiner bank einen chargeback machen und sagen ich sei dazu genötigt worden diese beträge zu bezalen.

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  • Herr Ritter am 09.04.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Verstand ist man schnell ruiniert

    Die 3 Jungs werden sich wohl schon von weitem zu erkennen gegeben haben, die perfekten Tollpatsche zu sein. In diesen Länder fragt mann nicht zweifach. Schade, aber ich hoffe es wird ihnen eine Lehre sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli Knecht am 10.04.2017 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit kostet eben viel!

    Machokultur Säuglinge, die Ihre Hörner in Billigländer abstoßen wollen!

  • Peter Mühlheim am 10.04.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Streetwise

    Dieser Trick ist so alt wie die Welt. Gibt es auch in Pigalle, auf dem Kiez, in Angeles City, Patpong, Peking und Roppongi.

  • Bäse am 10.04.2017 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Das Selbe ist mir vor einiger Zeit in Hong Kong passiert. Nur hatte ich mehr Glück denn ich hatte noch eine abgelaufene Kreditkarte. Die hatte nichts bemerkt und ich mit einem Lächeln verduftet. Der Betrag war 15000.- Hong Kong Dollar. Wobei die Getränke nicht einem Bruchteil entsprachen. Ich trank nur Bier aber die Drinks der Damen waren Happig.

  • Denker am 10.04.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    2 Klassengesellschaft

    Toller Student der eine Karte mit sich trägt die ein Tageslimit in der Höhe zulässt... naja... wer studiert, muss eine gute, finanzielle Absicherung haben....ist leider immernoch so bei uns.

  • Otto Normal am 10.04.2017 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das Selbe

    Immer dieselbe Leier und die Leute checken das einfach nicht. Geiz ist eben nicht geil.