Mittelstandsfamilie

15. März 2017 05:58; Akt: 15.03.2017 06:22 Print

«Wegen dem Geld wollen wir kein zweites Kind»

von F.Dubler/N.Thelitz - Wie lebt es sich in den verschiedenen Einkommensschichten? Vier Leser aus Unter-, Mittel- und Oberschicht erzählen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Marcel Rohrer (42), Unterschicht: «Die Freude, die unsere Kinder uns bereiten, kann man nicht kaufen.»
6200 Franken pro Monat, verheiratet, drei Kinder.

Umfrage
Zu welcher Schicht zählen Sie laut den Zahlen?
31 %
54 %
15 %
Insgesamt 34976 Teilnehmer

«Ich verdiene in meiner Funktion als Betriebselektriker rund 6200 Franken monatlich. Davon ist Ende Monat meist nicht mehr viel übrig. Meine Frau kümmert sich um unsere drei Kinder und den Haushalt. Deshalb müssen wir unsere Ausgaben immer im Griff haben. Was wir uns aber leisten, ist ein Generalabonnement für den Zug, da wir kein Auto besitzen. Ferien machen wir in Form von Tagesausflügen. Grössere und längere Reisen liegen nicht drin.

Trotz der höheren Preise in der Schweiz und unserer Nähe zur Grenze gehen wir nicht nach Deutschland einkaufen. Wir schätzen lokale Produkte, bei denen man noch weiss, woher sie kommen. Darum ziehen wir die Schweizer Qualität den tieferen Preisen in Deutschland vor. Auch wenn wir keine grossen Sprünge machen können, sind wir als Familie sehr glücklich und zufrieden mit unserem Leben. Die Kinder bereiten uns so viel Freude, die kann man sich mit keinem Geld der Welt kaufen. Wir geniessen einfach das, was wir haben.»

Tanja Bernhard (40), Unterschicht: «Wir würden uns gern einmal eine Woche Ferien am Meer leisten können.»
4500 Franken pro Monat, verheiratet, vier Kinder.

«Mit unseren vier Kindern und einem Einkommen von 4500 Franken ist das Leben nicht immer einfach. Mein Mann ist Kaminfeger, kriegt aber seit Jahren den gleichen Lohn. Und ich möchte für meine Kinder da sein und kann deshalb keine Stelle annehmen. Ausserdem kämen dann wieder Kosten für die Kinderbetreuung hinzu. Wir würden uns gern einmal eine Woche Ferien am Meer leisten und unseren Kindern ein weiteres Hobby oder später mal ein Studium finanzieren können.

Das ist aber sehr schwierig auf der Hochpreisinsel Schweiz, wo ein Kinobesuch 18 Franken pro Person kostet. Zum Glück sind die Lebensmittel ennet der Grenze günstiger, so können wir da ein wenig sparen. Aber wir haben es grundsätzlich gut und sind gesund, was das Wichtigste ist. Ich frage mich manchmal aber schon, warum der Staat nicht mehr Schweizer Familien unterstützt, anstatt Flüchtlingen Sprachkurse zu finanzieren.»

Barbara Wohlfarth (33), Mittelschicht: «Wir müssen genau budgetieren und auf gewisse Dinge verzichten.»
7500 Franken, verheiratet, ein Kind.

«Ich wohne mit meinem Mann und meiner achtjährigen Tochter in Affoltern am Albis. Wir sind zufrieden und haben einen guten Lebensstandard. Mein Mann arbeitet als Ingenieur und verdient rund 7500 Franken netto. Ich arbeite seit kurzem nicht mehr. Ich muss mir überlegen, ob es sich überhaupt lohnen würde, wieder zu arbeiten – dann müssten wir viel mehr Steuern zahlen. Wir bezahlen jetzt schon locker zwei Monatslöhne an Steuern. Es ist bedenklich, wenn man sieht, wie wenig Steuern die Reichen im Vergleich bezahlen.

Dennoch muss ich sagen, dass es sich gut leben lässt. Wir müssen aber immer genau budgetieren und auf gewisse Dinge verzichten. Beispielsweise gehen wir einmal monatlich nach Deutschland einkaufen, essen selten in Restaurants und reparieren vieles selbst in unserem Einfamilienhaus. Auch bei unserer Leidenschaft, dem Reisen, weichen wir oft auf erschwingliche Hostels aus.

Aus finanziellen Gründen haben wir uns zudem gegen ein zweites Kind entschieden. Wir möchten schliesslich unserer Tochter etwas bieten und die Welt zeigen können. Wenn man sich das Geld etwas einteilt, geht es aber gut. Und dass wir jedes Jahr in die dritte Säule einzahlen können, ist sehr viel wert.»

Joachim B.* (48), Oberschicht:«Teurerer Öko-Strom, Bio-Lebensmittel und Hobby-Pilot.»
14'500 Franken, lebt in Partnerschaft, keine Kinder.

«Ich kam vor rund zehn Jahren aus beruflichen Gründen in die Schweiz. Meine Lebensgefährtin und ich haben keine Kinder und wir arbeiten beide. Ich als Abteilungsleiter, sie als Pädagogin. Wir verdienen etwa 14'500 Franken brutto pro Monat. Wir fühlen uns dadurch zwar nicht anders, jedoch ist uns durchaus bewusst, wie privilegiert wir sind, und das, ohne wirklich reich zu sein.

Wir haben das Geld in ein kleines Haus investiert und leisten uns schöne Reisen und Wochenendausflüge. Auch wenn Kleider einmal etwas mehr kosten, können wir das verkraften. Auf teure Marken achten wir allerdings nicht, uns ist Nachhaltigkeit wichtig. So haben wir uns zum Beispiel auch den doppelt so teuren Öko-Strom gegönnt und können im Supermarkt auch zu den etwas hochpreisigen Bio-Lebensmitteln greifen. Viel geben wir auch für Spenden aus, ich unterstütze zudem meine Mutter in Deutschland finanziell.

Teure Hobbys haben wir jeder nur eins. Ich gehe als Pilot mit einem Motorflugzeug fliegen und meine Lebensgefährtin macht Yoga in einer kleinen Gruppe. Daneben gehen wir öfter mal essen, anstatt zu kochen. Wir teilen uns ein Auto, einen 3er-BMW.»

*Name geändert

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Diana Karisma am 15.03.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Viele Schweizer kämpfen täglich unter sehr schwierigen Bedingungen ihrer Familie ein dasein zu ermöglichen ohne grosse finanzielle Unterstützung vom Staat anzunehmen. Hut ab vor dieser Leistung, es gibt genügend andere Fälle, welcher uns System ausnehmen.

    einklappen einklappen
  • BibiS1989 am 15.03.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eher Oberschicht

    7500.- pro Monat und Mittelschicht? und das nur mit einem Kind? Da läuft was falsch...

    einklappen einklappen
  • Der Kunde am 15.03.2017 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Barbara 1 Kind verheiratet

    Wieso muss man einem Kind die Welt zeigen? Kann es das nicht später selber machen? Ich glaube ihre Tochter hätte mehr davon!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kathrin am 17.03.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das Resultat unserer Regierung

    Die Einheimischen müssen immer mehr sparen und der Bundesrat wollte sogar noch unser Geld verschenken.Auch in der Asylindusrie und in der Entwicklungshilfe läuft vieles gegen den Bürger.Das alles müsste nicht sein.Geld wäre genug vorhanden.

  • RS77 am 16.03.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder,nicht Geld machen glücklich!

    Das strahlende Lächeln eines Kindes,welches einem nach Feierabend, beim öffnen der Haustür begegnet, lässt einem so manche Sorge vergessen!

  • Reto Munser am 16.03.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Habe weniger als Sozialfälle

    Ja ja.......ich zahle Alimente ( ex-Frau ging fremd ). Ich zahle so viel, für mich bleiben CHF 2800.- übrig. Obwohl ich zwei Jobs habe! Nach Miete etc. muss ich mit 300 CHF durchkommen......das ist Unterschicht! Meine Ex lebt mit ihrem neuen zusammen in unserem alten Haus, die gehen 3 mal im Jahr in die Ferien, 2 Autos etc....ein Gericht wies meine Klage ab............jetzt muss ich noch weitere 4 Jahre so leben bis ich mir wieder was leisten kann. Kann nicht mal mit den beiden Töchtern was machen am Wochenende :-(

    • Mutter am 17.03.2017 07:00 Report Diesen Beitrag melden

      Rat...

      Man kann mit den Töchtern zusammen kochen, zusammen Filme schauen, zusammen singen, spazieren gehen, Bücher lesen, Karten spielen, Modeshow machen. Mädchen lieben sowas. Man kann viel machen, was ihre Töchter glücklich machen würde.

    einklappen einklappen
  • K.L. am 16.03.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wie viel können/wollen wir uns leisten?

    Mein mann verdient durschnittlich 6800.- (selbstständig). Ich bin daheim und unterstütze ihn, schmeiss den haushalt, garten und betreue unser kind. Uns geht es gut. Paare ich mit hohem doppelverdienst (OHNE kind) beschweren sich über hohe steuern die teueren schweizer preise und was sie sich alles nicht leisten können. Kunden meines mannes bezahlen rechnungen nicht mit erklärungen wie; wir waren gerade im urlaub und können deshalb nicht zahlen. Wenn ich solche leute höre, werde ich echt wütend.

  • Jörg Jörg am 16.03.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Keine eigenen Kinder

    Ich will kein eigenes Kind. Nicht wegen der Kohle (gehöre eher der Unterschicht/unteren Mittelschicht an, da NUR Koch). Es gibt genug Menschen auf der Welt, man könnte locker welche Kinder adoptieren. Man beachte: 1970 lebte auf der Erde nur die Hälfte von der heutigen Bevölkerung. Bremse ziehen ist angesagt, irgendwann wird es eng. Vier Kinder zu haben ist ein Wahnsinn, sorry. Da muss man sich nicht groß darüber beschweren, dass die Kohle zu knapp ist. Es war doch eure eigene Entscheidung, so viele Kinder zu haben.