Streit um Immobilien

29. März 2017 05:50; Akt: 29.03.2017 05:50 Print

Verscherbelt die SBB historische Bauten?

von J. Büchi - Es gehe nur um das schnelle Geld: Immobilienverkäufe der Bundesbahnen sorgen für böses Blut. Die SBB widerspricht.

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Die Schweizerischen Bundesbahnen konnten an ihrer Bilanz-Medienkonferenz vergangene Woche mit guten Nachrichten auftrumpfen: mehr Passagiere als je zuvor, zufriedenere Kunden, mehr Gewinn. Letzteres war hauptsächlich auf Immobiliengeschäfte zurückzuführen: 221 Millionen Franken spülte der Verkauf von Gebäuden 2016 in die Kasse der SBB.

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Doch dafür gibts nicht nur Applaus: Die SBB «verscherble ihr Familiensilber», kritisiert eine Luzernerin in einem Leserbrief, der am Dienstag in der NZZ abgedruckt wurde. Sie denkt dabei insbesondere an das ehemalige Gotthardgebäude in Luzern, in dem unter anderem Abteilungen des Bundesgerichts untergebracht sind.

«Flüchtiger Gewinn» gegen Boni?

Der «Stadtpalast an allerbester Lage am See» (O-Ton Leserbrief), der als eines der repräsentativsten Gebäude der Neurenaissance im Kanton Luzern gilt, wurde letztes Jahr an die börsenkotierte Swiss Prime Site verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Indem sie solch historisch bedeutsamen Bauten «verschachert», säge die SBB am Ast, auf dem sie sitze, argumentiert die Verfasserin des Leserbriefs. Denn solche Geschäfte generierten keinen nachhaltigen Nutzen, sondern nur einen «flüchtigen Gewinn», für den sich die Manager dann mit Boni belohnten, so die aufgebrachte Bürgerin.

Parlament soll Fall diskutieren

Auch der Präsidentin der nationalrätlichen Wirtschaftskommission, Susanne Leutenegger Oberholzer (SP), ist die Immobilienstrategie der SBB ein Dorn im Auge. «Es ist unverständlich, dass der Bundesrat solche Verkäufe nicht unterbindet.» Nicht nur, dass damit ein Stück Schweizer Geschichte «verhökert» werde. «Der Entscheid scheint mir auch ökonomisch kurzsichtig: Private Firmen investieren ja gerade in Immobilien, um ihr Geld anzulegen.»

Leutenegger Oberholzer wandte sich bereits einmal an den Bundesrat, als die SBB ihren Hauptsitz in Bern-Wankdorf vor rund zwei Jahren verkaufte – um sich danach selbst wieder einzumieten. In der Sondersession im Mai will die Baselbieterin das Thema nun erneut ins Parlament tragen. «Ich verlange von den SBB Erklärungen und eine solide Gesamtstrategie – schliesslich ist sie zu hundert Prozent in Bundesbesitz.»

SBB will anderswo investieren

SBB-Sprecher Reto Schärli verteidigt die Strategie: «Die SBB verscherbelt kein Tafelsilber, sondern investiert in langfristige und nachhaltige Projekte zugunsten des Bahnsystems.» Man strebe weder einen kurzfristigen Gewinn noch eine Boni-Steigerung an, sondern vielmehr eine «nachhaltige Wertsteigerung».

Das Gotthardgebäude in Luzern sei ein exemplarisches Beispiel dafür: Es habe keinen direkten Bezug zur Bahn und es bestehe seit bald zwanzig Jahren kein Eigenbedarf mehr. Der Gewinn aus dem Verkauf ermögliche der SBB Investitionen in die Entwicklung von anderen bahnhofsnahen Arealen.

«Jeder Franken bleibt im System Bahn»

So etwa im Gebiet Rösslimatt in Luzern, wo innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte Wohnungen, Arbeitsplätze, Raum für Gastronomie und Kultur entstehen sollen. «Das verstärkte Engagement im Wohnungsbau ist ein wichtiger Teil der SBB-Immobilienstrategie», so Schärli. Die Städte und Gemeinden sowie die Gesellschaft profitierten von Gewerbe und Wohnungen in Bahnhofsnähe.

«Jeder Franken, den die SBB mit Immobilien verdient, bleibt im System Bahn», hält der Sprecher weiter fest. Jahr für Jahr flössen 150 Millionen Franken in die Bahninfrastruktur. Damit erfülle die SBB auch den Auftrag, den sie vom Bund als Eigner hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dré am 29.03.2017 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laissez-faire, Hr. Meyer

    Die SBB gehört dem Bund. Wie kommt es, dass riesige Immobilien einfach verkauft werden ohne Zustimmung des Volkes? Was mit Staatsbahnen passiert mit schleichender Privatisierung, bis hin zur definitiven Privatisierung, hat man vor jahrzenten in England feststellen müssen. Nun, es sind ja nur Steuergelder, die seit jahrzenten das ganze ermöglicht haben.

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  • M.F. am 29.03.2017 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Gewinne aus Immobiliengeschäft nicht bonuswirksam machen und schon werden wir sehen ob Meyer für die SBB oder sein Portemonnaie entscheidet.

  • Meier am 29.03.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr Meier

    Es ist erstaunlich wie wenig Herr Meier über seine SBB weiss, vonwegen ohne die Immobilien könnte sich die SBB keine Eisenbahn leisten! Erstens ist die SBB ein Bahn und kein Immobilien Unternehmen, und zweitens schafften es seine Vorgänger sehr wohl Immobilien zu kaufen und so den Grundstein für seine Firmenpolitik zu schaffen. Gut Herr Meier ist ja auch der Meinung das es nicht zuwenig zugverbindungen sondern einfach zu viele Passagiere gibt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chung him. am 29.03.2017 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beispiel Bahnhof Brig

    Vor der Renovation war der Banhof prunkhaft schön. Jetzt : Nichts mehr ist schön.

  • de Päde am 29.03.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reinvestiert  

    Liebe Nörgler. Mit Immobilien wird gut geschäftet. Oder verdient ihr nur mit eurem Lohn ? Reinvestiere und plane mit Strategie. Etwas mehr Blick in die Sache Immobilie und es macht Klick :-)

  • Markus H. am 29.03.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB gehört dem Schweizer Volk!

    Die SBB gehört dem Bund..... der Bund gehört dem Volk... soweit so gut. Dass die SBB Häuser verkauft, ohne das Volk zu fragen und ohne zu sagen, wie hoch der Erlös ist, ist eine Fechheit! Die verscherbeln das dem Volk gehörende Familiensilber!

  • Martial2 am 29.03.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Notgrosche...

    Das ist so üblich, um Kapital zu generieren, verkauft man seine Immobilien für gutes Geld. Das haben die Post und mehrere Banken auch gemacht. Lieber zu Geld kommen, als den Konkurs anmelden müssen!

  • Thomas L. am 29.03.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschenke bewahren die Freundschaft

    Es ist doch schön, wenn Angestellte der SBB einem Kollegen eine günstige Immobilie zuhalten können. Dass Stillschweigen darüber gewahrt wird, spricht für sich.