Fragen und Antworten

07. Juli 2017 08:29; Akt: 07.07.2017 13:04 Print

Jung gegen Alt – worum es bei der AHV-Schlacht geht

Die Altersreform 2020 ist so komplex, dass schnell der Kopf raucht. 20 Minuten beantwortet vor der Abstimmung am 24. September die wichtigsten Fragen.

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Warum braucht es eine Reform?
20 Jahre sind seit der letzten AHV-Reform vergangen. Der Altersvorsorge droht der finanzielle Kollaps: Ohne Gegenmassnahmen dürfte das Defizit allein bei der AHV bis ins Jahr 2030 auf 7 Milliarden Franken anwachsen. Auch bei der Pensionskasse bekommen Rentner mehr ausbezahlt, als sie selbst angespart haben.

Umfrage
Sind Sie für die Reform der Altersvorsorge?
28 %
61 %
11 %
Insgesamt 3252 Teilnehmer

Was sind die Gründe für das Loch bei der Altersvorsorge?
Schuld sind mehrere Entwicklungen:
Steigende Lebenserwartung: Renten müssen während immer längerer Zeit ausgerichtet werden, da wir immer älter werden.
Babyboomer gehen in Pension: Die geburtenstarken Jahrgänge der 50er- und 60er-Jahre erreichen das Pensionsalter.
Finanzmärkte: Der zweiten Säule macht zu schaffen, dass die Zinsen auf dem Ersparten tief sind.

Was bringt die Vorlage vom 24. September?
Die Vorlage soll die Altersvorsorge für das kommende Jahrzehnt sichern. Der AHV fliesst mehr Geld aus der Mehrwertsteuer zu, zudem werden die AHV-Beiträge ab 2021 erhöht. Für Entlastung sorgt, dass das Rentenalter der Frau auf 65 steigt. Der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge sinkt von 6,8 auf 6 Prozent – wer ein Altersguthaben von 100’000 Franken in der Pensionskasse angespart hat, bekommt jährlich noch eine Rente von 6000 statt 6800 Franken ausbezahlt.

Wie werden die Folgen der Reform abgefedert?
Damit die Vorlage vor dem Volk bestehen kann, sind verschiedene Ausgleichsmassnahmen vorgesehen, die dafür sorgen, dass die Höhe der Renten erhalten bleibt: Für alle Neurentner gibt es 70 Franken mehr AHV. Es muss mehr in die zweite Säule einbezahlt werden. Die Renten der 2. Säule sinken bei einer Übergangsgeneration nicht.

Wer profitiert, wer verliert bei der Reform?
Heutige Rentner leisten einen Beitrag, indem sie mehr Mehrwertsteuer bezahlen. Die Gewinner sind Versicherte zwischen 45 und 65. Sie profitieren von einer Besitzstandgarantie: Ihre Pensionskassenrente sinkt nicht, gleichzeitig bekommen sie jährlich 840 Franken mehr AHV. Die Verlierer sind Junge und Arbeitgeber, die stärker belastet werden.

Wer ist für, wer ist gegen die Reform?
Für die Reform sind Bundesrat, CVP, Grüne und SP, dagegen die Wirtschaftsverbände, SVP und FDP.

Wie argumentieren die Befürworter?
Laut den Befürwortern ist die teuerste Lösung keine Reform. Die Altersvorsorge 2020 sichere die AHV für das nächste Jahrzehnt. Die Ausgleichsmassnahmen würden dafür, dass die aktuellen und künftigen Renten nicht sänken. Die Reform ermögliche die flexible Pensionierung zwischen 62 und 70 Jahren.

Was sind die wichtigsten Argumente der Gegner?
Die Gegner kritisieren, dass die AHV nach dem Giesskannenprinzip ausgebaut werde – auf dem Buckel der Jungen und zukünftigen Generationen. Statt zu sparen, werde die finanzielle Lage der AHV noch schlechter. Die «Scheinreform» gefährde den Generationenvertrag.

Was passiert bei einem Nein?
Es wäre eine gigantische Niederlage für Sozialminister Alain Berset. Das Parlament müsste zurück auf Feld 1 und eine neue Reform aufgleisen, mit der Junge und Ältere gleichermassen leben können. Auch bei einem Ja wird es weitere Reformen brauchen. Spätestens dann wird das Rentenalter 67 wieder zum Thema.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Narina am 07.07.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    beide varianten nicht gut

    Für die junge Generation sind also beide Lösungen ungünstig? Dann ein Nein und nochmals von vorne aufgleisen bitte.

  • malakeii84 am 07.07.2017 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich stimme dagegen

    Ich sehe zwar ein das man die AHV reformieren muss ABER ganz sicher nicht auf unserem rücken und wir junge bekommen nicht mal eine rentengarantie. Die SP wo immer einen auf sozial macht, greift nun den Generationenvertrag an und will an unsere Vorsorge u das unterstütze ich auf keinen Fall. Ich zahle heute schon genug an die Sozialkassen. Es kann nicht sein das wir junge zusehen müssen wie die Kassen und Politiker unsere Vorsorgegelder umverteilen. Ein nein würde die Politiker dazu zwingen eine faire reform auszugleisen und keine wo auf dem buckel der jungen reformiert wird.

  • Mäsi am 07.07.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität

    Wow jetzt ist es schon eine Schlacht. Seit der AHV gab es zwei Generationen und es wurde nie gegen die jungen ausgespielt. Es steht in der Verfassung das die AHV gesichert werden muss und das gilt für alle ob sie jung oder alt sind. Es zahlen auch die jetzt 50 oder 64 sind und das sind keine junge mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. M. am 07.07.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Zeiten

    Es muss Allen bewusst sein, dass die Senkung des Umwandlungssatzes NIE MEHR eine spätere Erhöhung ermöglicht, auch wenn die Börsen und die Wirtschaft (hoffentlich) wieder einmal Höhenflüge zeigen. Wir hörten dies lebenslang an der Weihnachtsfeier "Das nächste Jahr wird sehr schwierig werden".

  • rakete am 07.07.2017 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    werte schaffen

    Die Lösung hätte einfacher sein können, die Mehrwertsteuer erhöhen um 1%

  • rakete am 07.07.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Staates Willkür

    Ich bin dagegen, weil ich mir nicht vom Staat vorschreiben lassen will, dass ich als Mann erst mit 62 in die Frühpension gehen kann, obwohl wir Berufsgruppen haben welche bereits mit 58 in diesen Vorzug kommen, und ich akzeptiere es nicht dass der Staat es meiner Pensionskasse vorschreiben will dass ich mein (!) Erspartes nicht beziehen kann. Einmischung vom Staat kommt selten gut Herr Berset. Ich halte es da eher pragmatisch, erhöhen sie die Mehrwertsteuer und gut ist, das geniale liegt manchmal in der Einfachheit.

  • Eser am 07.07.2017 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für die AHV keine Besteuerung mehr

    Nach all den unterschiedlichen Meinungen hier. Komme ich zum Fazit: Keine Besteuerung mehr für die AHV. Für den ganzen Rest schon. Aber für wirklich den fanzen Rest normale Besteuerjng jnd schon reicht es wieder.

  • Pa Role am 07.07.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gössi macht die FDP

    zur Loserpartei. Darüber freuen sich in der Partei einige. Sie merkt's nicht, also hat sie die baldige Ablösung verdient.