SVP-Initiative

28. Dezember 2013 12:17; Akt: 31.01.2014 00:12 Print

«Wir diskriminieren Secondos nicht»

von D. Pomper - SVP-Parteipräsident Toni Brunner wehrt sich gegen den Vorwurf, Secondos bei der Jobsuche gegenüber Schweizern benachteiligen zu wollen. Secondos Plus befürchtet dennoch eine Klassenteilung.

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Schweizer vor Secondos: Bei einem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative müssten künftig Arbeitgeber bei der Jobvergabe Schweizer den hierzulande ansässigen Ausländern vorziehen. Das sagt der Migrationsrechtsprofessor Alberto Achermann gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Es geht um einen Artikel, der eine «Berücksichtigung eines Vorranges für Schweizerinnen und Schweizer» festlegen möchte, an dem sich die Kontingentierung auszurichten hat. Bisher galt im Ausländerrecht ein «Inländervorrang». Laut diesem wird auch die bereits anwesende ausländische Wohnbevölkerung vor Konkurrenz aus dem Ausland geschützt.

SVP-Parteipräsident Toni Brunner will aber nichts von einer Bevorzugung von Schweizern gegenüber Secondos auf dem Arbeitsmarkt wissen: «Wir unterscheiden nicht zwischen Secondos und Schweizern. Mit dem Begriff ‹Schweizerinnen und Schweizer› sind auch die hier Ansässigen gemeint.» Dies sei auch die gängige Praxis vor der Personenfreizügigkeit gewesen, als grundsätzlich der Inländervorrang galt. «Die Unterscheidung zwischen Schweizern und Nicht-Schweizern, die jetzt von den Gegnern der Initiative gemacht wird, ist eine Spitzfindigkeit, um von den wahren Problemen der Massenzuwanderung abzulenken», sagt Brunner.

Nicht glaubwürdig

Anstatt auf diesem nebensächlichen Artikel herumzureiten, sollte man sich auf den Kern der Initiative besinnen: «Es geht uns darum, dass man nur dann weitere Ausländer aus dem Ausland anstellt, wenn die Arbeitgeber auf dem inländischen Markt nicht fündig geworden sind.»

Politologe Georg Lutz tut sich schwer damit, zu glauben, dass die SVP unter dem Begriff «Schweizer» auch Secondos versteht. «Die Partei verbindet damit traditionellerweise eher das Bürgerrecht als die Niederlassung.» Spätestens wenn das Parlament die Initiative umsetzen müsste, ginge es darum, was genau im Text steht, und nicht darum, was die SVP damit gemeint habe.


«Es ist bereits jetzt schwierig, einen Job zu finden»

Tvrtko Brzovic, Vorstandsmitglied von Secondos Plus, ist ebenfalls skeptisch: «Die SVP muss im Artikel klar definieren, dass auch Secondos unter den Begriff ‹Schweizer› fallen. Sonst droht wieder eine Durchsetzungsinitiative.» Brzovic befürchtet eine Klassenteilung der Bevölkerung und eine steigende Arbeitslosenquote bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

«Wir Secondos, die in der Schweiz geboren wurden und hier zu Hause sind, werden mit diesem Artikel diskriminiert.» Bereits jetzt sei es schwierig, mit einem ausländischen Namen einen Job zu bekommen. Mit der Initiative werde die Jobsuche weiter erschwert. «Die SVP schafft selber Probleme, um sie dann politisch zu beackern», sagt Brzovic. Ein Viertel der Arbeitnehmer in der Schweiz habe keinen Schweizer Pass: «Die Schweiz baut auf uns. Doch die SVP will das Fundament der Schweiz zerstören», so Brzovic.

In diesem Kontext von Diskriminierung zu sprechen sei falsch, kontert Brunner. Das Gegenteil sei der Fall: «Alle Secondos, die in der Schweiz leben, würden im Arbeitsmarkt gegenüber den 500 Millionen Europäern bevorzugt. Sie würden von unserer Initiative klar profitieren», ist Brunner überzeugt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stephan Hänni am 28.12.2013 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Warum es am 09.02. ein JA braucht

    Am 09.02. geht es nicht um Pro oder Contra SVP. Die Politik hat es während den vergangenen 10 Jahren versäumt, griffige flankierende Massnahmen umzusetzen. Der Unmut in der Bevölkerung wächst, jetzt braucht es endlich ein starkes Zeichen vom Volk!

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  • Eddy Keller am 28.12.2013 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    CHler nie benachteiligt????

    Ausländer und Secondos(Ausländer) werden bei der Jobsuche gegenüber Schweizern benachteiligt?!? Und jahrzehntenlang wurden Eidgenossen ersetzt durch billige ausländische Abeitskräfte und heute durch derer Nachwuchs. Da schreit niemand und füllen Medien das Eidgenossen benachteiligt werden. Komisch.

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  • B. Kerzenmacher am 28.12.2013 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gescheitert

    «Alle Secondos, die in der Schweiz leben, würden im Arbeitsmarkt gegenüber den 500 Millionen Europäern bevorzugt. Sie würden von unserer Initiative klar profitieren» Der Versuch, hier wieder mit bewusst falschen Aussagen gegen die Initiative zu wirken, ist erneut ordentlich gescheitert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stef am 30.12.2013 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftig bleiben

    Ich bin Ausländer mit Ausweis C. Mit meinem Job kann ich meine Familie hier, alle CH-Bürger, das heisst Frau und zwei Kinder (beide hier geboren), versorgen. Jetzt könnte ich also, wenn ich das richtig verstehe, in Zukunft bei einem Jobwechsel leer ausgehen und mein Job geht dan vielleicht an einen Schweizer Bürger mit ausländerische Ehefrau und zwei im Ausland geborene Kinder mit ausländischem Pass. Tsja... Ich hoffe, dass wenn die Initative angenommen wird, dass man diese dan wenigstens vernünftig umsetzt. Schliesslich geht es hier um eine Massnahme gegen die überbevölkerung oder......?

  • Lars H. am 29.12.2013 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut kommt vor dem Fall

    Hey Schweizer, Hochmut kommt vor dem Fall! Die von Euch so ungeliebten "Ausländer" haben doch schon begonnen, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. In einigen Jahren wird die Schweiz zunehmend isoliert sein, dann könnt ihr endlich in leeren Trams und auf leeren Strassen durch Euer Superland kurven. Nur, wohin?

  • Luis D. am 29.12.2013 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist ein echter Schweizer?

    Als nächstes wird gefordert, dass nur derjenige als Schweizer gilt, der mindestens einen Schweizer Elternteil hat, und der darf nicht eingebürgert sein. Was würde sich die SVP darüber freuen...

    • pascal am 29.12.2013 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      ein echter schweizer ist ein eidgenosse = der hat schweizer vorfahren mehrerer generationen. ganz einfach.

    • Claude V. am 30.12.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Das kennen wir doch...

      Aha, diese Diskussion gab's im nördlichen Nachbarland vor 80 Jahren auch schon mal...

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  • Secondo am 29.12.2013 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Secondo

    Ein Secondo ist eine Person die in der Schweiz geboren&aufgewachsen ist, dessen Eltern aber eingewandert sind. Ein Secondo kann eingebürgert sein oder nicht, das heisst ein secondo kann auch ein schweizer sein oder ausländer, der begriff secondo bleibt bei beiden Varianten bestehen.

  • Walliser am 29.12.2013 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jo sicher :-)

    Ich freue mich jetzt schon auf dem Abstimmungszettel ein schönes JA zu schreiben :-)