Gefahr durch Strahlung?

10. Oktober 2017 10:11; Akt: 10.10.2017 11:55 Print

20'000 Franken gegen Angst vor Handyantennen

von Stefan Ehrbar - Der Kanton Zürich will seine Schüler über Handystrahlung informieren. Die Pläne seien «Amtsmissbrauch», sagen Kritiker.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Töten Handystrahlen Hamster und sorgen sie für Kopfschmerzen oder sind sie unbedenklich? Die Frage entzweit Forscher und Skeptiker. Der Kanton Zürich will nun die Einwohner auf seine Seite ziehen. Denn während seine Experten in einem neuen Bericht die Strahlungsquelle Mobilfunk als für die Bevölkerung nicht relevant erachten, werden neue Handyantennen vehement bekämpft.

Umfrage
Haben Sie Angst vor Handystrahlung?

Die Behörden wollen bei den Jugendlichen ansetzen. In den Schulen der Sekundarstufe I und II soll in Zukunft das Thema Mobilfunk behandelt werden – mit zwei Kernbotschaften: Beim Telefonieren sollen die Schüler ihr Handy nicht an den Kopf halten, und sie sollen erfahren, dass die Strahlenbelastung beim Handy tiefer ist, je besser die Abdeckung ist. «Gegen neue Antennen gibt es oft sehr viel Widerstand, aber eine gute Abdeckung kann die Strahlenbelastung beim Endgerät effektiv reduzieren», sagt Valentin Delb, Leiter der Abteilung Luft bei der Baudirektion des Kantons Zürich.

«Potenzial, der Gesundheit zu schaden»

Der Expertenbericht umschreibt das Grundproblem: Alle Mobilfunkanlagen hielten die gesetzlich vorgegebenen Schutzwerte ein. Trotzdem bestehe in der Bevölkerung teilweise eine hohe Skepsis gegenüber Antennen. Hingegen könnten bei der Handynutzung direkt am Kopf oder Körper und bei schlechtem Empfang Belastungen auftreten, die oft höher seien als jene von Antennen. Das sei in der Bevölkerung allerdings wenig bekannt.

Der Regierungsrat will den Schulen nun Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. Dafür entstehen Kosten von 20'000 Franken. «Es geht vor allem darum, dass Schüler den Zusammenhang zwischen Abdeckung und Strahlung kennen sollen. Je besser die Abdeckung ist, desto weniger muss das Endgerät strahlen und desto tiefer ist die Strahlenbelastung», sagt Delb. In seinem Bericht warnt der Kanton vor Gesundheitsrisiken bei schlechtem Empfang: Dann habe die hohe Sendeleistung von Mobiltelefonen ein «gewisses Potenzial», die Gesundheit zu beeinträchtigen.

«Geht in Richtung Amtsmissbrauch»

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann sagt, aus dem Unterricht dürfe kein schlichter Werbespot für Antennen werden. Es sei wichtig, dass auch auf die Strahlenbelastung durch verschiedene elektronische Geräte hingewiesen werde. Zudem wäre es wünschenswert, wenn auch die Bedürfnisse von elektrosensiblen Menschen thematisiert würden, so Estermann. Für diese sei etwa eine strahlungsfreie Zone, wie sie in einer Motion gefordert wird, wichtig.

Nichts von den der Informationsoffensive hält Hans-Ulrich Jakob, Präsident der mobilfunkkritischen IG Gigaherz. «Das geht in Richtung Amtsmissbrauch», sagt er. Dass das Handy, das vielleicht während 15 Minuten am Tag am Ohr sei, gefährlicher sei als Antennen, die ununterbrochen strahlten, sei «die falsche Melodie». «Die Behörden sollen uns nicht vor den Risiken, sondern vor der Strahlung schützen», sagt Jakob. «Es reicht jetzt.»

Wissenschaftlich nicht relevant

Yvonne Gilli, Alt-Nationalrätin der Grünen und Mitglied der Ärzte für Umweltschutz, sagt, die Kampagne sei grundsätzlich in Ordnung. «Sie reicht aber noch nicht. Die Schüler müssen auch lernen, wie man sich sorgfältig verhält im Umgang mit Strahlenquellen.» Die Schulverantwortlichen müssten wissen, wie man ein WLAN geeignet einrichte oder dass mit besonders sensiblen Gruppen wie Kleinkindern besondere Vorsicht gefordert sei.

Mobilfunkstrahlung ist eine von vielen Strahlungsquellen. Zu den aus wissenschaftlicher Sicht gesundheitlich nicht relevanten Strahlungsquellen gehören neben Mobilfunk auch das Magnetfeld der Erde, Radio- und Fernsehsender und kosmische Strahlung. Als für die Bevölkerung relevant werden Radon, das zu Lungenkrebs führen kann, oder die Strahlung der Sonne und von Solarien gezählt. Diese können Hautkrebs auslösen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus Bisphof am 10.10.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Im Strahlenmeer

    Naja nicht umsonst kommt, "seh ich dich im Strahlenmeer" in unserer Nationalhymne vor.

    einklappen einklappen
  • Walti am 10.10.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Fragen

    Welche Interessen vertritt hier der Staat? Und welche Parteien, Politiker und Ärzte für irgendwas unterstützen ihn dabei auch noch?

  • Mala82 am 10.10.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch...

    Demnächst müssen dann noch Lehrpersonen die Nutzung einer Mikrowelle, Staubsaugers, Küchenmaschine, etc. mit "Lehrmitteln" im Unterricht einbringen! Geht's noch....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 11.10.2017 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ETH forscht... bitte selber recherchieren.

    Kann ich nur empfehlen, sich folgendes zu Gemüte zu führen: Dosis-Wirkung Beziehung von GSM-Feldern (Typ Handy) auf Schlaf und Schlaf-EEG PD Dr. Peter Achermann, Prof. Dr. Niels Kuster Universität Zürich, Institut für Pharmakologie und Toxikologie Grundlagenforschung (Abgeschlossen) Wir beobachteten, dass die Hirnaktivitäten im nicht-REM Schlaf nach Exposition mit gepulster Strahlung im Vergleich zur Exposition mit kontinuierlichen Wellen deutlich höher waren. Ziel dieses Projektes ist es, den Dosis-Wirkungs-Nachweis zu erbringen. Also haben HF Frequenzen negative Auswirkungen auf unsere Hirnaktivität. Sagt doch alles... Die Angst der Bevölkerung ist begründet und die "Ängste" werden sich bewahrheiten. Eine Frage der Zeit...

  • Andrea am 11.10.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die sogenannten Grenzwerte...

    Die Grenzwerte besagen nur, dass eine Quelle die Körpermasse nicht höher als ein Grad erwärmen darf. Bei Überschreiten dieses Schwellenwertes über einen längeren Zeitraum können Stoffwechsel und Nervensystem gestört werden. Unter extremen Bedingungen kann sich beim Auge grauer Star entwickeln. Bei starken HF-Feldern kann auch die embryonale Entwicklung gestört werden.  Und hier geht es nur um die thermische Wirkung einer einzigen Strahlenquelle. Nichtthermische ("athermische") Effekte wurden / will man gar nicht untersuchen. Also an alle hier Neunmalklugen, die glauben, es sei Angstmacherei: erst sich bitte mit der Materie befassen, dann kommentieren. Danke.

  • BKlaus am 11.10.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    20000.- Nur??

    Es kann mir keiner angeben, dass dafür nur so wenig Geld verbratet wird!!

  • Anni Gerber am 11.10.2017 04:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schädigung durch Handymikrowellen

    Hochfrequente Mikrowellenstrahlung verschlechtert die Fliesseigenschaften des Blutes, was je nach Disposition zu Thrombosen/ Hirnschlägen führen kann. Ausserdem versetzt sie den Körper in eine entzündliche Lage (Rheuma, Diabetes, Hautausschläge, hoher Blutdruck, Allergien, Leukämie), verursacht DNA-Brüche, begünstigt Zellentartung (Krebs) und beschleunigtes Tumorwachstum!

    • IZgMF am 11.10.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Munkeln & Raunen

      Ach Anni, Sie hören zu viel auf Pseudowissenschaftler. Nichts von dem, was Sie aufzählen, ist Stand des Wissens und Munkeln & Raunen gehören aus meiner Sicht nicht hierher.

    • Guguus am 11.10.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @IZgMF Stimmt!

      Schliesslich das hier ja ein Wissenschaftsmagazin...!

    einklappen einklappen
  • Peter Burri am 11.10.2017 04:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verharmlosungs- Hypnose

    Eigenen Beitrag verfassenWenn die Mikrowellenterroristen der Mobilfunkindustrie für G5 ein paar Tausend Antennen mehr montieren möchten,sind sie gut beraten, die kleinen Smartphone- Schimpansen schon in der Schule in die Verharmlosungs- Hypnose zu versetzen. Womöglich würde sich sonst doch noch irgendwann Wiederstand formieren :-)