Minderjährige Flüchtlinge

28. Februar 2017 07:02; Akt: 28.02.2017 07:02 Print

2000 Asylanträge, zwei Rückschaffungen

von Nikolai Thelitz - Immer mehr Asylbewerber in der Schweiz sind minderjährig. Auch bei negativem Asylentscheid werden sie nur selten zurückgeschafft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter 18 Jahre alt, ohne Eltern unterwegs und geflüchtet aus Eritrea, Afghanistan oder Somalia: Diese Fälle kommen in der Schweiz immer häufiger vor. Von 27'207 Asylgesuchen im Jahr 2016 stammten laut Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) 1997 von minderjährigen Flüchtlingen, ein Anteil von 7,3 Prozent. Im Vorjahr lag der Anteil bei 6,9 Prozent, 2014 waren es 3,3 Prozent gewesen.

Umfrage
Überraschen Sie diese Zahlen?
34 %
2 %
64 %
Insgesamt 2596 Teilnehmer

Am häufigsten stammten die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (kurz UMA genannt) aus Eritrea (850 Gesuche), Afghanistan (352 Gesuche) und Somalia (247 Gesuche). 83,7 Prozent der Antragssteller waren junge Männer.

Hohe gesetzliche Hürden

In ihr Heimatland zurückgeschafft werden jedoch nur die wenigsten Minderjährigen, auch wenn ein Asylentscheid negativ ausfällt. Letztes Jahr wurden nur zwei minderjährige Migranten ausgeschafft, eine Person ins Heimatland, eine in den zuständigen Schengenstaat. 2015 gab es keine einzige Ausschaffung, wie das SEM gegenüber 20 Minuten bestätigt.

Härter trifft es die Erwachsenen: Gemäss den letztjährigen Asylentscheiden mussten 23,4 Prozent der Eritreer, 47 Prozent der Somalier und 47,1 Prozent der Afghanen das Land wieder verlassen, weil sie weder Asyl noch eine vorläufige Aufnahme gewährt bekamen.

Der Grund für die Diskrepanz: Für die Rückschaffung einer minderjährigen Person gelten hohe Hürden. Das Gesetz schreibt vor, dass in Rückkehrstaaten ein Familienmitglied, ein Vormund oder eine Aufnahmeeinrichtung wie etwa ein Waisenhaus vorhanden ist, welche den Schutz des Kindes gewährleisten kann.

Ohne Familie «prinzipiell vorläufige Aufnahme»

«Es wird in jedem Fall individuell abgeklärt, ob eine Rückschaffung dem Kindeswohl entspricht», heisst es beim Staatssekretariat für Migration. «Wenn im Heimatland keine Familie, soziale Kontakte oder Auffangeinrichtungen vorhanden sind, wird prinzipiell eine vorläufige Aufnahme ausgesprochen.»

Um die Familiensituation zu überprüfen, könne das SEM im Rahmen seiner Abklärungen beispielsweise eine Anfrage zur Abklärung an die Botschaft der Schweiz im Herkunftsland stellen. Auch der Vormund des Kindes müsse alle Informationen zusammentragen, die dem Wohl des Kindes entsprechen würden.

«Man wartet den 18. Geburtstag ab»

«Die Hürden für eine Rückschaffung von Minderjährigen sind extrem hoch», sagt Amnesty International-Sprecher Beat Gerber. Anerkannte Flüchtlinge könnten grundsätzlich nicht zurückschafft werden, auch in anderen Fällen sei eine Rückschaffung heute die Ausnahme. «Selbst wenn die Kontakte im Heimatland bekannt sind, muss vor Ort abgeklärt werden, ob es im höheren Interessen des Minderjährigen ist, diesen in seine Heimat zurückzuschicken. Diese Abklärungen sind umfangreich und oft nicht einfach oder gar nicht möglich.»

Stattdessen warte man bei den Migrationsbehörden den 18. Geburtstag des Asylsuchenden ab. «Die Wegweisung wird bis zur Volljährigkeit aufgeschoben, der Jugendliche kann je nach Situation eine Ausbildung anfangen, von der er auch im Herkunftsland profitieren kann.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Scorpione am 28.02.2017 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heureka!

    Die bleiben wohl lebenslang, voll unterhalten hier, und wenns ganz gut kommt zieht der ganze Clan nach, und wir bezahlen, Heureka!

    einklappen einklappen
  • Gotthard am 28.02.2017 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unser System wird ausgenutzt

    Wenn man die Zahlen von 2014 vergleicht, hat sich der Anteil an Minderjährigen verdoppelt. Das beweist mir dass unser System immer mehr ausgenutzt wird. Die wissen genau, dass sie nicht ausgeschaft werden und im Regelfall, kann dann die Familie nachkommen. Ich Frage mich was ein Minderjähriger für Gründe hat, Asyl in der Schweiz zu suchen

    einklappen einklappen
  • M.Sc am 28.02.2017 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Minderjährige

    Wie kommen Minderjährige Flüchtlinge in die Schweiz. Das wird von den eigenen Angehörigen im eigenen Land alles eiskalt vorbereitet .Vor allem mit dem Wissen das jederzeit etwas passieren kann mit den Jünglingen . Was sind das für Eltern. Sehr liebevoll u aufs eigene Interesse bedacht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 28.02.2017 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Extras für Minderjährige.

    Wieso gibts Sonderextras für Minderjährige? Mensch soll gleich Mensch ab 10 Jahren mit den gleichen Rechten und Pflichten sein wie im Strafecht und Asylrecht. Wer alleine fliehen kann soll auch diesbezüglich die gleichen Rechte oder Konsequenzen tragen können.

  • Firefighter118 am 28.02.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woher haben die Minderjährigen den das Geld?

    Frage mich woher diese Minderjährigen denn das Geld haben um die Reise tu bezahlen, wenn keine Eltern, Angehörige, Familie ausgemacht werden können. Etwas stimmt doch da nicht. Macht mal die Augen auf!!!!

  • Laimigs am 28.02.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deren Nachkommen werden Schweizer sein

    Wenn dadurch mehr Flüchtlinge zurück geschafft werden können, finde ich dieses Vorgehen wichtig. Überlebenswichtig für das Schweizer Volk, welches heute schon in der Minderheit ist, wenn man die Schweizer auf Papier, ehrlicherweise nicht dazu zählt.

  • Pit69 am 28.02.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug gegen Blauäugigkeit

    So ne dumme Frage,man sollte nichts unversucht lassen zumal die Handys von der Öffendlichkeit bezahlt werden. Falls die Eltern in Deutschland oder Österreich ebenfalls Soz.hilfe für die jungen kassieren.

  • Edi Röösli am 28.02.2017 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht endlich Gesetze die wirken, Bern ist überall

    Wie lange schauen die Behörden noch zu, weil der Gesetzgeber nicht handelt und sich die ausführenden Organe auf der Nase herumtanzen lassen müssen? Die Hilflosigkeit von Polizei und anderen Behörden ist bedenklich und keiner sieht Handlungsbedarf? Sind denn die diversen, z.T. sogar vom Volk gewählten Räte in Bern nur dazu da, vor der Bauernlobby der Industrie und am liebsten vor Brüssel zu Kuschen, im besonderen vor der europäische Menschenrechtskonvention? Dann kuschelt mal schön weiter!